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31.12.20 / Landwirtschaft / Auch Bauern sollen Corona-Hilfe bekommen / Die bäuerliche Aktionsgemeinschaft „Land schafft Verbindung“ einigte sich mit Handel und Discountern auf ein Maßnahmenpaket

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 53 vom 31. Dezember 2020

Landwirtschaft
Auch Bauern sollen Corona-Hilfe bekommen
Die bäuerliche Aktionsgemeinschaft „Land schafft Verbindung“ einigte sich mit Handel und Discountern auf ein Maßnahmenpaket
Dagmar Jestrzemski

Bis Mitte dieses Monats verhandelten die bäuerliche Aktionsgemeinschaft „Land schafft Verbindung“, der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), sowie Vertreter der Handelskonzerne Aldi, Edeka, Lidl, Kaufland und Rewe tagelang über die angespannte wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft. 

Anlass war der seit Monaten anhaltende Preisverfall für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Akut in ihrer Existenz bedroht sind nach Angabe von „Land schafft Verbindung“ insbesondere die viehhaltenden Familienbetriebe. Deren Einnahmen würden im Schnitt nur noch zwei Drittel der Kosten decken. 

Vertreter von „Land schafft Verbindung“ hatten dem Handel einen Forderungskatalog übergeben. Unterdessen blockierten Bauern seit Anfang des Monats wieder bundesweit Zentrallager von Aldi und Lidl und demonstrierten mit Traktoren vor ihren Marktpartnern, den Molkereien. Unter dem Druck eines Ultimatums von „Land schafft Verbindung“ einigten sich die Verhandlungspartner zuletzt auf einen Maßnahmenplan mit fünf Eckpunkten.

Zu Corona kommt noch die ASP

Zur Initiative „Land schafft Verbindung“ hatten sich 2019 der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter (BDM), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Fachgruppe Milch von „Land schafft Verbindung“, das European Milk Board (EMB), die Freien Bauern und die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board zusammengeschlossen. Anlass der erneuten bäuerlichen Protestaktionen in diesem Jahr war der drohende Ruin zahlreicher Betriebe nach erneut gesunkenen Erlösen im Oktober, während die Kosten unter anderem wegen der Corona-Hygienevorschriften stiegen. „Land schafft Verbindung“ erklärte, dass die Corona-Pandemie, die Afrikanische Schweinepest (ASP) und die Geflügelpest wie Brandbeschleuniger innerhalb eines Systems wirkten, in dem die Ernährungsbranche stets der Gewinner sei, während die Landwirte als Erzeuger der Mittel zum Leben ihren Anspruch auf faire und auskömmliche Preise nicht durchsetzen könnten. Damit müsse endlich Schluss sein. Nur noch die direktvermarktenden Bauernhöfe würden derzeit über Hofläden und Marktverkauf zufriedenstellende Einnahmen erzielen. 

So enthielt der Forderungskatalog von „Land schafft Verbindung“ an die Handelskonzerne denn auch konkrete Vorgaben für die Anhebung der Erzeugerpreise für Milch und Fleisch. Weiterhin wurde die Gründung eines Trilogs aus allen Berufsvertretungen der Landwirtschaft vorgeschlagen, „um die nachhaltige, regionale Produktion in Deutschland zu sichern und auszubauen“. Die hiermit ebenfalls adressierten Molkereien und Schlachthöfe als Direktabnehmer der Bauern waren im Zuge der bäuerlichen Protestaktionen unter dem Motto „Schluss mit lustig! Uns geht die Luft aus!“ seit dem 11. November ebenfalls von Dutzenden Traktor fahrenden Landwirten „besucht“ worden. Der Aufforderung, mit den Landwirten und den Handelskonzernen gemeinsam über auskömmliche und faire Erzeugerpreise zu verhandeln, entzogen sich diese Marktpartner jedoch unter Verweis auf die „konzentrierte Nachfragemacht der Discounter“, der man innerhalb der Wertschöpfungskette wenig entgegenzusetzen habe. 

Erfolgreiche Protestaktionen

Ein Eckpunkt in dem vom Handelsverband, Discountern und „Land schafft Verbindung“ beschlossenen Maßnahmenplan betrifft die Einrichtung eines Soforthilfsfonds zur Abfederung der Einkommenseinbußen vieler Landwirte aufgrund von Corona und ASP. Neben dem Lebensmittelhandel sollen sich daran auch der Staat, die Lebensmittelverarbeitung und die Lebensmittelindustrie beteiligen. Für die Sektoren Milch und Schweinefleisch werden umgehend konkrete und strukturelle Lösungen erarbeitet, um, wie es heißt, für höhere Anforderungen auch höhere Erlöse zu erzielen. Zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft wird eine einheitliche, rechtskonforme Herkunftsbezeichnung eingeführt. Ferner soll eine neutrale Ombudsstelle geschaffen werden, um Konflikte zwischen Handel und Landwirtschaft im Rahmen eines strukturierten Verfahrens beizulegen. 

Mit den Vereinbarungen zur Förderung des Miteinanders in der Lieferkette zeigte sich die „Land schafft Verbindung“ zufrieden. Kälbermäster, Geflügelzüchter und Ackerbauern bemängelten jedoch, dass vor allem Schweine- und Milchviehhalter profitieren würden. Die AbL erklärte, man werde auf jeden Fall weiter darauf hinarbeiten, das System der sogenannten Billiglandwirtschaft zeitnah zu überwinden. In der gesamten Erzeugungs- und Vermarktungskette gelte es, Veränderungen einzuleiten, damit Bauern sich ökonomisch, ökologisch und zukunftsfest aufstellen könnten.