16.01.2022

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31.12.20 / Kriegsgefangene in ostpreussen / Eine Gedenktafel in Pr. Eylau erinnert an Kriegsgefangenenleid / Polnische und russische Rotarier ermöglichten die Aufstellung – Christian v.d. Groeben initiierte die Zusammenarbeit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 53 vom 31. Dezember 2020

Kriegsgefangene in ostpreussen
Eine Gedenktafel in Pr. Eylau erinnert an Kriegsgefangenenleid
Polnische und russische Rotarier ermöglichten die Aufstellung – Christian v.d. Groeben initiierte die Zusammenarbeit

Fünf Jahre lang pendelte der in Königsberg geborene ehemalige Kreisvertreter von Bartenstein, Christian v. d. Groeben vom Rotary Club (RC) Tauberbischofsheim zwischen dem Rotarier Clubs Bar-tenstein [Bartoszyce] und dem RC Königsberg [Kaliningrad], stets mit dem Bemühen, die beiden benachbarten Clubs auf der polnischen und russischen Seite der innerostpreußischen Grenze zu gemeinsamen Aktivitäten zu bewegen.

Ab dem Frühjahr 2018 sprachen die Rotarier-Klubs dann über eine Gedenktafel für Kriegsgefangene in Ostpreußen. Die Anregung dazu kam vom RCBartenstein. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren ganze Züge mit Kriegsgefangenen nach Ostpreußen gekommen, für die spezielle Lager gebaut wurden. In der Nähe von Pr. Eylau, zwischen Regehnen [Dubrowka] und Domtau [Dolgorukowo], entstand das Stalag 1 A Stablack. Als erste brachte man 40.000 polnische Kriegsgefangene dorthin, ab 1940 belgische und französische. 1941 wurden auch sowjetische Kriegsgefangene und 1944 italienische ins Lager geschickt. In den fast sechs Jahren seines Bestehens wurde es zu einer traurigen Bleibe für 162.000 Kriegsgefangene.

Die Verstorbenen wurden auf dem Lagerfriedhof Klein Dexen beigesetzt. Polen, Belgier, Franzosen und Italiener wurden in Einzelgräbern beerdigt, an denen kleine Betonkreuze mit Angabe von Vor- und Nachnamen sowie Todesdatum und Lagernummer aufgestellt wurden. Sowjetische Kriegsgefangene wurden in großen Massengräbern beerdigt. Am Ende des Krieges gab es auf dem Lagerfriedhof 543 Einzel- und 14 Massengräber.

1990 wurde am ehemaligen Lagerfriedhof ein Memorial mit dem Namen „Internationaler Friedhof der Gefangenen vom Stalag 1A Stablack“ eröffnet. Da diese Gedenkstätte etwas abseits liegt, soll durch Hinweistafeln an die gemeinsame furchtbare Geschichte erinnert werden: den Angriff auf Polen, dem sechs Millionen Polen zum Opfer fielen, und dem deutsch-sowjetischen Krieg ab 1941, der 27 Millionen Menschenleben kostete. 

Eigentlich wollten die Rotarier den Kriegsbeginn vor 80 Jahren im September 2019 zum Anlass der Aufstellung dieser Tafel nehmen. Ein langwieriges Genehmigungsverfahren verzögerte aber eine rasche Umsetzung, und während der Corona-bedingten Einschränkungen war keine würdige gemeinsame Einweihung dieser Tafel möglich. Dennoch fand die Aufstellung der Tafel am 6. Juni 2020 mit Mitgliedern des RC Königsberg statt. Ein gemeinsames Treffen vor Ort wird wohl noch bis zum Sommer 2021 warten müssen. E.B.