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31.12.20 / Bleibende Kunst / Max Esser schuf bedeutende Plastiken / Herausragende Künstlerpersönlichkeit aus Vorpommern – Zum 75. Todestag

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 53 vom 31. Dezember 2020

Bleibende Kunst
Max Esser schuf bedeutende Plastiken
Herausragende Künstlerpersönlichkeit aus Vorpommern – Zum 75. Todestag
Martin Stolzenau

Die Kleinstadt Barth liegt am südlichen Ufer des Barther Boddens, entstand nach ursprünglich slawischer Besiedlung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als deutsche Marktsiedlung und fiel im 14. Jahrhundert an das Herzogtum Pommern. Sie fungierte lange als Residenzstadt der Greifen und brachte im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche namhafte Persönlichkeiten hervor. Dazu gehörte Ende des 19. Jahrhunderts auch Max Esser, der als Bildhauer, Modelleur und vor allem als Tierplastiker internationale Bekanntheit erlangte. Er gehörte zu den Spitzenentwerfern weltbekannter Porzellanhersteller wie der Porzellanmanufaktur in Meißen und wurde auf der Weltausstellung von Paris 1937 mit einem „Grand Prix“ ausgezeichnet. Viele seiner Figuren gingen allerdings im letzten Weltkrieg verloren. Seine erhaltenen Arbeiten gelten bei privaten Sammlern, Museen und auf dem internationalen Kunstmarkt als Kostbarkeiten. Sie erzielen bei Auktionen Höchstpreise. Damit erreichte der Künstler aus Vorpommern auch über seinen Tod vor 75 Jahren hinaus bis heute eine große Nachwirkung.

Max Esser wurde am 16. Mai 1885 in Barth an der Ostsee geboren. Er offenbarte früh seine gestalterischen Fähigkeiten, erstrebte deshalb eine Künstler-Laufbahn und wurde von seinen verständnisvollen Eltern mit 15 Jahren in eine Bildhauerlehre nach Berlin geschickt. Parallel zu dieser Ausbildung besuchte der junge Mann in der Reichshauptstadt Abendkurse am Kunstgewerbemuseum und an der Kunsthochschule. Seine ersten Arbeiten dort fielen auf und trugen ihm die besondere Beachtung durch August Gaul ein, der als Tierbildhauer internationale Bekanntheit besaß und stilistisch den Historismus zur Moderne führte. Dieser Meister holte die Begabung aus Barth in sein Atelier, erhob ihn zum Meisterschüler und prägte ihn genremäßig und stilistisch. Dazu kam eine enge private Beziehung. Esser wurde in der Folge nicht nur Gauls Assistent, sondern auch sein Schwiegersohn. 

Bereits ab 1906 stellte der junge Bildhauer seine Plastiken regelmäßig auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus. Parallel kam es zu einer engeren Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Bildhauerkollegen Max Adolf Pfeiffer, der ihn auf die Porzellankunst orientierte und 1908 zur Mitarbeit als Entwerfer in Unterweißbach bei den Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst überzeugte. Nebenher schuf Esser beeindruckende Tierplastiken, die im Bronzeguss gefertigt wurden. Besonders sein Fuchsbrunnen für die Berliner Ceciliengärten und sein Perlhuhn für die Berliner Nationalgalerie begründeten seinen Ruf als herausragender Tierplastiker. 

1918 brachten für Deutschland nicht nur das Kriegsende und epochale politische Umwälzungen, sondern auch für Esser einige Veränderungen. Sein Freund und Förderer Pfeiffer wurde zum Direktor und später zum Generaldirektor der Meißener Porzellanmanufaktur berufen. Er holte Esser an seine Seite, versah die Schwertermarke mit einem zusätzlichen Punkt zwischen den Klingen und erreichte während der Weimarer Republik für das Meißner Porzellan eine „internationale Vorrangstellung“. Außer Esser, der elf Jahre in Meißen wirkte, in Meißen mit seiner Familie auch wohnte und das Meisteratelier leitete, arbeiteten für die berühmte Manufaktur auch andere herausragende Künstler wie Ernst Barlach, Paul Scheurich und Joachim Kaendler. Nach dem Tod seines Schwiegervaters schuf Esser 1921 dessen Grabstein auf dem Friedhof Berlin-Dahlem. Anschließend setzte er seine vielseitige künstlerische Arbeit fort. Seine konturbetonten Tierplastiken der zwanziger Jahre gehören neben den Schöpfungen von Johann Gottlieb Kirchner sowie Johann Joachim Kaendler zu den künstlerisch wertvollsten Figuren dieser Zeit. Geradezu berühmt wurden seine Mandarinente aus Meißner Porzellan, sein Affe für den Zoologischen Garten in Berlin und seine Fabeltiere für ein kunstvolles Meißner Porzellanschachspiel. 

Er ging 1931 zurück nach Berlin und arbeitete in der Folge als freischaffender Künstler für alle großen Porzellanhersteller. Das reichte von der Weiterarbeit für Meißen über die Firma Rosenthal und die Königliche Porzellanmanufaktur in Berlin bis zur Porzellanfabrik Hutschenreuther in Selb. Zur Palette seiner Berliner Meisterleistungen für öffentliche Anlagen gehörten der berühmte Esser-Adler, der in Spandau aufgestellt wurde, für den Zoologischen Garten ein Haubentaucher, eine Rohrdommelgruppe sowie ein Königsfasan, verschiedene Brunnenprojekte und das Wisentdenkmal bei Neuruppin. Doch während der NS-Zeit musste er sich dem offiziell verordneten Geschmack anpassen. Da wurde seine künstlerische Kreativität eingeschränkt. Trotzdem gelang ihm auf der Pariser Weltausstellung 1937 ein Welterfolg. Esser erhielt für seinen Fischotter eine Goldmedaille. 1938/39 schuf er eine Motorradgruppe für die Nordkurve der Berliner AVUS, die die Rennfahrer Ewald Kluge, Ernst Henne sowie Heiner Fleischmann zeigt. 

Ab 1939 gab es auch für ihn größere kriegsbedingte Einschränkungen. Besonders schmerzlich empfand der alternde Künstler die Zerstörung der von ihm geschaffenen Innenausstattung für die expressionistische Kreuzkirche in Berlin-Schmargendorf bei einem Bombenangriff. Dabei ging auch ein fünf Meter hohes Kreuz aus Meißner Porzellan verloren. Esser zog sich stark zurück, überlebte den Krieg in seinem Atelier-Refugium und starb am 23. Dezember 1945 im zerstörten Berlin. Die DDR-Post brachte 1960 eine Briefmarke mit dem Bild der Fischotter von Esser heraus, die 1937 eine Goldmedaille erhalten hatte. Später widmete das Vineta-Museum in seiner Vaterstadt Barth dem Künstler eine repräsentative Sonderausstellung. Andere Museen in Halle, Köln, Hohenberg, Leipzig, Meißen und Schwerin hüten seine Arbeiten als Schätze.