25.01.2022

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08.01.21 / Neujahrsglück / Keine Angst vorm schwarzen Mann / Vom Segen, einem Schornsteinfeger zu begegnen – Wer die verrußten Anzugsknöpfe blank poliert, knabbert sich ein Stück Glück ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-21 vom 08. Januar 2021

Neujahrsglück
Keine Angst vorm schwarzen Mann
Vom Segen, einem Schornsteinfeger zu begegnen – Wer die verrußten Anzugsknöpfe blank poliert, knabbert sich ein Stück Glück ab
Silvia Friedrich

Jeder freut sich, wenn der Schornsteinfeger oder Kaminkehrer ins Haus kommt oder man einem auf der Straße begegnet. Viele Menschen glauben, dass sie Glück bringen, vor allem an Neujahr. Aber woher stammt dieser Glaube? Schon vor Hunderten von Jahren kam es in Dörfern und Städten zu verheerenden Bränden. Der Grund dafür lag häufig in den Schornsteinen. Diese waren oft aus Holz, was leicht zu Bränden führt.

Zunächst strich man die Holzschornsteine mit Lehm aus, was schon Brände verhinderte. Doch durch die Verbrennung von Holz im Ofen, das manchmal feucht oder verharzt war, entstanden an den Innenseiten der Schornsteine Teer-Ablagerungen. Das bedeutete eine sehr hohe Brandgefahr, da sich Teer schon bei niedrigen Temperaturen entzündet. Der Grund für sehr viele Brände hatte oftmals als Ursache einen Schornsteinbrand.

Häuser standen früher eng beieinander. Dadurch und durch Funkenflug breiteten sich die Brände aus, zahlreiche Menschen starben. Schnell wurde klar, dass Schornsteinreinigung eine lebenswichtige Arbeit war. Man begann kleinwüchsige Menschen in die offenen Rauchabzüge zu schicken, häufig auch Kinder, die an den Innenwänden die Ruß- und Teerbeläge abkratzten. Im 16. Jahrhundert kamen Schornsteinfeger aus Italien in nördlich gelegene Länder und verbreiteten ihr Wissen und Können im süddeutschen, später auch im norddeutschen Raum. 

Die erste Schornsteinfeger-Innung gründete man 1878 in Mecklenburg. Der Beruf genoss hohes Ansehen, denn die Kaminkehrer hatten die Aufsicht über Städte und Dörfer. Eine später verlassene Feuerverordnung machte die Reinigungsarbeiten für alle Hausbesitzer zur Pflicht. 

Im Schutz des Heiligen Florian

Heute wird das Schornsteinfegerwesen durch das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz geregelt. Da sich Heizgewohnheiten änderten, änderte sich auch der Beruf des Kaminkehrers. Das Bild vom rußverschmierten, schwarzen Mann ist überholt. Die Schornsteinfeger von heute sind Experten für Betriebs- und Brandsicherheit der Heizanlagen, haben Kenntnis in Energiefragen, prüfen Öl- und Gasfeuerstätten, messen die Abgaswerte und kontrollieren und reinigen natürlich auch die Schornsteine wie früher.

Viele Handwerker tragen eine spezielle Kleidung. Die schwarze Jacke des Schornsteinfegers nennt man Koller. An dieser befinden sich goldene Knöpfe. An den Ärmeln sind Lederbänder, die fest ums Handgelenk geschnürt werden, sodass kein Ruß hineinfällt. Auch das Koppelschloss am Gürtel ist goldfarbig. 

Auf dem Koppelschloss ist der Schutzpatron der Kaminkehrer dargestellt: der Heilige Florian. Weiterhin tragen die Schornsteinfeger auch ein Mundtuch, das auf eine kunstvolle Weise gefaltet wird, dass der Ruß bei der Arbeit in die Lasche fällt. Auffällig ist auch der dem Beruf farblich angepasste schwarze Zylinder. Der Meister darf diesen tragen, manchmal auch Gesellen. Doch Lehrlinge und Gesellen haben eher ein Käppchen auf dem Kopf. Früher wurde im Hut sogar Schreibzubehör untergebracht.

Berührt man die goldenen Knöpfe der Jacke, so heißt es, bringe es einem Glück. Also immer kräftig reiben!