26.01.2022

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08.01.21 / Der Wochenrückblick / Hinter der Wolke / Wie die Ablenkung gescheitert ist, und warum die Falschen beim Impfen gewonnen haben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-21 vom 08. Januar 2021

Der Wochenrückblick
Hinter der Wolke
Wie die Ablenkung gescheitert ist, und warum die Falschen beim Impfen gewonnen haben
Hans Heckel

Das war zur Jahreswende das ganz große Thema: Wie gehen wir mit Impf-Verweigerern um? Viele große Medien, allen voran die öffentlich-rechtlichen Gebührensender, stürzten sich gleich zum Beginn der Impf-Kampagne kurz nach Weihnachten voller Hingabe auf diese knifflige Frage. Allein die moralische Dimension, gute Güte! Gefährden „Verweigerer“ nicht absichtlich das Leben ihrer Mitmenschen?

So geriet der „Impf-Skeptiker“ oder gar „-Verweigerer“ zur düsteren Fortentwicklung des verruchten Lockdown-Kritikers, dem man erfolgreich das Etikett „Corona-Leugner“ aufgedrückt hatte. Das neueste Feindbild der Saison war damit auf dem Markt.

Und damit auch die ersten Zweifel, die sich bald bestätigen sollten. Denn wer ein intaktes Erinnerungsvermögen sein Eigen nennt, der hat nicht vergessen, zu welchem Zweck solche Feindbilder gewöhnlich gezimmert werden. Nämlich, um hässliche Wahrheiten zu verbergen und jene über die Klippe der Verdammnis zu schubsen, welche diese Wahrheiten erkennen und petzen.

In den 90er Jahren hatten wir die „Europa-Feinde“ am Wickel. Mit dem Brandmal wurden jene Ketzer gezeichnet, welche schon vor  der Euro-Einführung erkannt hatten, dass die Gemeinschaftswährung vor allem dazu dienen werde, die Deutschen abzukochen. Heute wissen das alle, aber nun ist es zu spät.

2015 folgten die „Rassisten“, die Deutschland angeblich „abschotten“ wollten. In Wahrheit haben die Gescholtenen nur gefordert, ordentliche Grenzkontrollen durchzuführen, statt einfach alle reinzulassen. Eine Million Hartz-IV-Empfänger und zahllose radikal-islamische Anschläge weiter müssen alle einsichtigen Deutschen erkennen, wie richtig diejenigen lagen, die damals als Rechtsradikale verfemt wurden.

Nach der Euro-Einführung hat es etliche Jahre gedauert, bis in harten Zahlen manifest wurde, wovon die Kampagne gegen die „Europa-Feinde“ ablenken sollte. Nach dem Antirassismus-Feldzug zur Tarnung der Kapitulation an der Grenze fiel das Blendwerk schon deutlich rascher in sich zusammen. Die inszenierte Aufregung über „Impf-Skeptiker“ traf es noch schneller: Nach wenigen Tagen flog auf, was wirklich im Busch ist. Auf Drängen der Bundeskanzlerin höchstselbst wurde der Start der Schutzimpfungen so sagenhaft versemmelt, dass sich ganz Deutschland die Augen reibt. Mit letzter Kraft haben Merkels Adlaten noch versucht, mit dem Kampfbegriff „Impf-Nationalisten“ eine dürftige „Kampf gegen Rechts“-Wolke vor die blamable Wahrheit zu schieben. Das wirkte jedoch nur noch peinlicher, die Wolke verflog blitzschnell.

Was zutage tritt, ist ein wahres Gesamtkunstwerk, zusammengebastelt aus den typischen Merkmalen unserer Zeit und ihrer politischen Vortänzer. Da ist alles drin: Sture Europa-Ideologie und deutsche Selbstverzwergung auf der einen sowie französische Selbstüberschätzung auf der anderen Seite, unterwürfige Merkel-Gefolgschaft der Berliner Akteure anstelle von Rückgrat und schließlich die in der Merkel-Ära zur höchsten Blüte gereifte Übung, alle wichtigen Entscheidungen hintenrum durchzukungeln, statt sie offen und sachlich zu diskutieren. Jetzt haben wir den Salat.

Warum impfen die USA, Großbritannien und Israel mit einem deutschen Präparat viel schneller als Deutschland? Weil, wie wir lesen, die EU-Partner Berlin im Falle eines Alleinganges Egoismus vorgehalten und womöglich alte Ressentiments wiederbelebt hätten. Aha, die Nazi-Karte also. Komisch, dass die Karte bei Merkels Alleingängen in der Energiewende oder bei der Grenzöffnung überhaupt nicht gespielt wurde, während sie jetzt angeblich schon wieder aus den Ärmeln unserer „Freunde“ geblinkt haben soll.

Das lässt nur den einen Schluss zu: Überall, wo Deutschland erfolgreicher zu sein droht als die „Partner“, sind wir die Nazis. Bauen wir hingegen großen Mist zu unserem eigenen Schaden, lässt man uns gnädig ganz allein in die Grütze laufen. 

Man kann es aber auch positiv sehen: Wir hatten ja gar keine Ahnung, wie gut es „Europa“ (gemeint ist die EU) trotz aller globalen Probleme geht! Im Osten steigt mit China ein Gigant empor, doch die Furcht, zwischen der neuen Supermacht in Asien und der alten in Amerika zerrieben zu werden, spielt offenbar keine Rolle. Viel wichtiger ist den EU-Partnern das Ziel, das stärkste Glied des eigenen Kontinents, Deutschland, möglichst schwach und klein zu halten, wobei Merkel augenscheinlich mitmacht.

Paris wollte um jeden Preis verhindern, dass ein deutscher Impfstoff die große Wende bringt, der französische Hersteller Sanofi sollte das Rennen gewinnen. Leider hat Sanofi bis heute kein Vakzin zustande gebracht, sodass wir jetzt alle so dermaßen blöde dastehen. Guter Rat ist da gar nicht so leicht zu finden. Das kann man vor allem daran sehen, welch bezaubernde Begründungen man uns für das Versagen auftischt.

Da heißt es etwa, dass der Biontech-Impfstoff teurer sei als das, was Sanofi (immer noch nicht) anbietet. Die Beträge allerdings, die genannt werden, fallen derart mikroskopisch aus, dass man sie auf einer Grafik neben den Billionen-Programmen zur Corona-Wirtschaftshilfe mit bloßem Auge kaum erkennen könnte.

Besonders ärgerlich ist es, dass uns mit den USA, Großbritannien und Israel drei Länder davongezogen sind, die ausgerechnet von den toxisch-männlichen Populisten Trump, Johnson und Netanjahu regiert werden, während mit Merkel, der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und der zypriotischen EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides drei ganz und gar fortschrittliche, christdemokratische Frauen den Karren in den Dreck gefahren haben. 

Berlins Regierender Bürgermeister Müller hat als Begründung für den Lockdown ja unlängst gefragt, wie viele Corona-Todesopfer uns unser Einkaufsbummel wert sei. Wehe dem, der nun zurückfragt, wie viele (weil nicht geimpfte) „Corona-Tote“ wir für „mehr Europa“ oder „mehr Frauen an der Macht“ und „weniger Populisten“ in Kauf nehmen möchten. Das zu fragen, wäre natürlich an Zynismus nicht zu überbieten, weshalb wir es uns verkneifen.

Außerdem ist mit Trump ja sowieso bald Schluss. Obwohl er das nicht wahrhaben will, der störrische Kerl. Wir lernen in den Medien, dass dieses uneinsichtige Verhalten endgültig offenlegt, wie undemokratisch der Gruselpräsident in Wirklichkeit denkt. Wir denken uns da unseren Teil. Vor allem denken wir um, und zwar gründlich. Seit Trumps Wahl hatten dessen Gegner nämlich im Grunde das Gleiche getan, was sie ihm jetzt vorwerfen: Sie wollten Trump um jeden Preis vorzeitig aus dem Amt schießen, weil sie ihre Wahlschlappe nicht anerkennen mochten.

Dieselben Medien, die Trump heute Uneinsichtigkeit nach der Niederlage vorwerfen, feierten diese vierjährige Dauerattacke auf den Wahlsieger von 2016 noch als Inbegriff demokratischen Engagements. Wie sich die Maßstäbe doch verschieben, sobald sich die Interessenlage geändert hat.