23.01.2022

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15.01.21 / Kommentare / Corona-Gleichschritt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-21 vom 15. Januar 2021

Kommentare
Corona-Gleichschritt
Erik Lommatzsch

Beabsichtigt war die Botschaft der „Tagesschau“ vom 11. Januar in dieser Form sicher nicht, aber dem aufmerksamen Zuschauer konnte sie nicht entgehen. Natürlich war in erster Linie Corona das große Thema. Nach dem Sinn vieler Maßnahmen, nach Logik, nach dem Zusammenhang mit dem ursprünglichen Anliegen – dem Schutz vor einer Infektion und der Eindämmung einer Krankheit – sollte man ohnehin nicht mehr fragen. 

Ein von Anfang an seitens der Regierenden und der von ihnen in Anspruch genommenen kleinen Auswahl von „Experten“ äußerst wichtiger Orientierungspunkt kam in besagter ARD-Sendung überdeutlich zum Tragen: die Einheitlichkeit, gern auch als „Gerechtigkeit“ verklärt. Dies allerdings in der intellektuell anspruchslosesten Form und nicht, wie es jedem, der dem Kindesalter entwachsen ist, geläufig sein sollte: Gerechtigkeit bedeutet Gleiches für Gleiche und Ungleiches für Ungleiche.

Gehuldigt wird hingegen der absoluten Gleichförmigkeit. So hieß es: „Bundesgesundheitsminister Spahn appellierte heute noch einmal an alle Länder, die Maßnahmen einheitlich umzusetzen und zur Einhaltung aller Regeln im Privaten.“ Wenig später kam der Kita- und Schulbetrieb zur Sprache: „Für die Rückkehr zum Normalbetrieb fordert die Familienministerin daher bundeseinheitliche Regelungen.“ Franziska Giffey wörtlich: „Wenn es zu Lockerungen kommen kann, dann muss natürlich das Wohl der Kinder, die Frage der Bildungsgerechtigkeit, der Vereinbarkeit im Vordergrund stehen und dann ist es wichtig, dass sich die Bundesländer eben auf einen möglichst einheitlichen oder einheitlicheren Weg verständigen.“

Nein, die hier angestrebte Einheitlichkeit hat mit „Gerechtigkeit“ nichts zu tun, sie wirkt fatal, für die Zukunft in einem überhaupt noch nicht abzuschätzenden Ausmaß. Schließungen von Geschäften, Gaststätten, Bildungs-, Sport- oder Kultureinrichtungen und vielem mehr werden sichtlich nach dem Prinzip verordnet, dass alle gleich zu leiden haben. Hinweise darauf, dass die Aussagekraft der Corona-Zahlen ohnehin stark umstritten ist, dass die überwiegende Zahl der an beziehungsweise mit Corona Verstorbenen oder der schweren Fälle Menschen eines sehr hohen Alters betrifft, dass es insbesondere Senioren- oder Pflegeeinrichtungen sind, die mit Corona-Problemen konfrontiert sind, gelten als inopportun. Gezielte – und wohl wirkungsvollere – Bekämpfung bei schnellstmöglicher Wiederherstellung des freien öffentlichen Lebens ist nicht gefragt. Geboten wird das „Lahmlegen“ in der Breite unter Inkaufnahme der wirtschaftlichen und – meist nur am Rande thematisierten – gesellschaftlichen Folgen.

Statt Entlastung wird nach Belastung gerufen, im Sinne der „Gleichheit“. Dies treibt Blüten wie die Forderung der Grünen-Co-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt, die zuletzt eine „Corona-Arbeitsschutzverordnung“ verlangte. Auch hier der Ruf nach einer bundeseinheitlichen Regelung: Unternehmen, die trotz vorhandener Möglichkeiten kein Homeoffice gestatteten, solle mit Bußgeldern Druck gemacht werden. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte bezüglich des Karnevalsauftakts bereits vor zwei Monaten lautstark verkündet: „Wir alle müssen auf das Feiern am 11. November verzichten.“ In der Berichterstattung regelrecht kriminalisiert werden Ausflügler in die derzeit verschneiten Landschaften – sollen sie doch zu Hause bleiben wie alle, egal woher sie sind und wohin sie fahren und was das mit der Pandemielage zu tun hat.

Darüber hinaus hat sich die Maske zum Symbol, zum Bekenntnis entwickelt, der Einheitsfront anzugehören. Vergessen scheint zu sein, dass „Experte“ Christian Drosten noch Ende Januar 2020 die Maske dezidiert für unsinnig erklärte. „Damit hält man das nicht auf“, so der Virologe. Inzwischen klingt es ganz anders. Gleiches trifft auf Jens Spahn zu. Der Sinneswandel ist mit vielem zu erklären, mit wissenschaftlichem Erkenntnisfortschritt definitiv nicht.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Zurückweisung von Privilegien für Geimpfte durch die Verantwortlichen. Diese Vorteile müssten in deren Gedankengebäude doch eine natürliche Folge der dann gegebenen Immunisierung sein. Nein, lieber alles gleich. Oder auch gleich schlecht, das scheint keine Rolle zu spielen. Die Art der hier propagierten Einheitlichkeit ist übrigens ein Wesensmerkmal sämtlicher sozialistischer Politikentwürfe.