18.01.2022

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15.01.21 / Heimatkreisgemeinschaften

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-21 vom 15. Januar 2021

Heimatkreisgemeinschaften

Allenstein-Land

Kreisvertreter: Andreas Galenski, Sauerbruchstraße 2, 42549 Velbert, Tel.: 02051 – 8 77 29, Kreisvertreter-Allenstein@t-online.de, www.allenstein-landkreis.de Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen. Tel.: 05401 - 977-0

Vorstandssitzung 

Der Gesamtvorstand kam mit seinen sechs Mitgliedern letztmalig am 10. Oktober 2020 um 10 Uhr im Landhotel „Hahnebecke“ im sauerländischen Meinerzhagen zu einem Arbeitsfrühstück unter Corona- Bedingungen zusammen. Während der mehrstündigen Gespräche hielt Kreisvertreter Andreas Galenski einen Rückblick auf die Kreisversammlung 2020 vom 29. August 2020 und die Aktivitäten des Vorstandes. 

Dabei bedauerte er den Ausfall vieler Veranstaltungen und der schon vorbereiteten Heimatreise des Gesamtvorstandes und auch das Nichtzustandekommen des schon zur Tradition gewordenen Neujahrsempfanges für 2021. Auch teilte er mit, dass sich die Beziehungen zum Vorstand der Stadtgemeinschaft Allenstein, der bei den gemeinsamen Wahlen der Landkreisgemeinschaft unterlegen war, nicht verbessert haben. 

Im Rahmen seiner Vorausschau einigten sich die Vorstandsmitglieder, dass sie am Ostpreußentreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg im Sommer 2021 teilnehmen und sich dort einbringen werden. Der Heimatbeauftragte, Ehrenvorsitzende Herbert Monkowski, berichtete über den Ablauf der Bruderhilfe 2020, die er erstmals mit unserem Schriftführer und Versandleiter Jan Hacia im Spätsommer im Landkreis Allenstein unternommen hat. An vorher festgelegten Orten wurden an 178 hilfsbedürftige Heimatverbliebene 4340 Euro verteilt. Anschließend wurde Jan Hacia, der als Nachfolger von Herbert Monkowski vorgesehen ist, in das Abrechnungsverfahren unterwiesen. Schriftleiter Andreas Galenski und die Redakteure Artur Korczak, Horst Tuguntke und Herbert Monkowski informierten über den Stand des künftigen Heimatjahrbuches 2020. Sie einigten sich, dass das Buch aus Portogründen 310 Seiten umfassen und in einer Stärke von 3ooo Exemplaren zum 6.Dezember 2020 erscheinen soll. Der Versand an die Mitglieder erfolgt durch die Druckerei in Velbert; den Versand an die Heimatverbliebenen übernimmt Versandleiter Jan Hacia.

Heimatjahrbuch Weihnachten 2020: Dieses ist im Dezember 2020 bei den Mitgliedern und bei der AGDM in Allenstein angekommen. Es umfasst auf 310 Seiten 100 Artikel, geordnet in 10 Kapiteln. Der Schriftleiter musste zuvor 21 Artikel herausnehmen; diese werden bei der folgenden Ausgabe bevor- zugt behandelt werden. Wer das Heimatjahrbuch nicht erhalten hat, kann dieses beim Versandleiter Jan Hacia, Verkehrsstraße 7, 44809 Bochum anfordern. Die Arbeiten an dem neuen Kreisbuch Landkreis Allenstein durch den Historiker Dr. Meindel, sind noch nicht abgeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen!

Horst Tuguntke


Preußisch Eylau

Kreisvertreterin: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller,  E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet: www.preussisch-eylau.de. Unser Büro in Verden ist nur noch unregelmäßig besetzt. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kreisvertreterin Evelyn v. Borries

Kreisblatt Nr. 110 erschienen 

Rechtzeitig vor den Feiertagen erschien die zweite Ausgabe 2020 des Kreisblatts Preußisch Eylau, nachdem bereits im September eine Sondernummer als Ersatz und „Trostpflaster“ für das ausgefallene Kreistreffen versandt worden war. In der nun vorliegenden Ausgabe Nr. 110 hat Frank Steinau wieder Interessantes für jedermann zusammengetragen, vor allem auch aus der ferneren Vergangenheit, denn eine gute Zeitschrift hat immer auch die Aufgabe, Geschichte in Erinnerung zu rufen. So lesen wir nicht nur über die Pest vor 300 Jahren, die ganze Landstriche Ostpreußens entvölkerte, und die damals angeordneten Gegenmaßnahmen (publiziert von Irmi Gegner-Sünkler), - Agnes Miegels Ballade „Die Frauen von Nidden“, durfte bei diesem Thema nicht fehlen -, sondern auch über Veränderungen der Gesellschaftsstruktur im 17. und im 19. Jahrhundert, die wesentliche Schritte in Richtung auf die moderne Rechtsgleichheit für alle  darstellten. So beschreibt der Aufsatz von Dagmar Trowitz über den „preußischen Rebellen“ Christian Ludwig von Kalckstein anschaulich das  Vorgehen des Großen Kurfürsten in Berlin bei der Durchsetzung der absoluten Herrschaft gegenüber den preußischen Ständen, die sich damals noch auf die von der polnischen Krone gewährten Freiheiten berufen konnten. Der Brandenburger, nicht zimperlich, setzte auch Spione und Agenten ein. Ein John Le Carré hätte hier genügend Stoff gefunden.  Ein anderer Beitrag, von Horst Schulz, handelt von der Bauernumsiedlung im Rahmen der Reformen des beginnenden 19. Jahrhunderts. Hier wurden Bauern aus der Gutsabhängigkeit gelöst und erhielten eigene Höfe – die aus heutiger Sicht eigentlich  viel zu klein waren, um rentabel bewirtschaftet werden zu können; ein Grund für die spätere Landflucht auf der Suche nach industriellen Arbeitsplätzen. 

Das Heft wird abgerundet mit immer wieder neuen Berichten über Krieg, Flucht und Ankunft im Westen sowie das Leben der verbliebenen Deutschen, Polen und Ukrainer seit 1945 in Ostpreußen. Wichtig für alle, die Ahnenforschung betreiben, ist auch die Vorstellung des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen.

Wer diese Ausgabe des Kreisblatts nicht erhalten hat, kann es unter der o. a. Adresse anfordern, desgleichen die von Gerd Birth gefertigte Sonderausgabe vom 19./20. September 2020, die vor allem die Arbeitsberichte 2019/2020 des Vorstands enthält. 

Martin Lehmann


Tilsit-Stadt

Stadtvertreter: Erwin Feige, Am Karbel 52, 09116 Chemnitz, 

Telefon (0371) 3363748. 

Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

100 Jahre Fluglandeplatz Tilsit Teichort/Weynothen

Am 01.04. 2021 jährt sich die Eröffnung des Flughafens Tilsit zum 100-mal. Nachdem der erste zivile Flughafen Deutschlands 1919 - 1921 in Königsberg-Devau angelegt wurde, war bereits 1921 der Luftlandeplatz Tilsit in der zweitgrößten Stadt Ostpreußens eröffnet worden. Nach der Errichtung des polnischen Korridors, im Ergebnis des Versailler Vertrages, war Ostpreußen vom Reich getrennt und kein freier Landweg mehr vorhanden. Für Paket- und Briefpost, Kuriersendungen und auch erste Personentransporte wurden Fluglinien von Berlin nach Königsberg genutzt. Ab 1921 erfolgten vom Flugplatz Weynothen erste Flüge nach Memel, Königsberg und zur Freien Stadt Danzig. Tilsit war zu dieser Zeit ein kleiner Flugplatz mit regionaler Bedeutung. Er wurde neben dem Übungsgelände/Exerzierplatz der Tilsiter Garnison in der Stadtheide errichtet. Verwalter war der Magistrat der Stadt Tilsit, Nutzer die Verkehrsgesellschaften Deruluft und später die 1926 gegründete Lufthansa. 

Das Flugfeld war anfangs 500 mal 500 Meter im Quadrat und in der Mitte des Flugfeldes befand sich der Landekreis mit der weißen Kennung „Tilsit“. Begrenzt wurde das Flugfeld durch Gräben. In den 20er Jahren wurde ein festes Empfangsgebäude mit einem Windsack am Mast erbaut. Das Empfangsgebäude war auch für Übernachtung von Fluggästen ausgelegt und beherbergte ein Restaurant. Inhaber dieses war nach 1933 Fritz Mans. Bei Flugankünften wurde per Hand eine halbe Stunde vorher das Landezeichen entsprechend der herrschenden Windrichtung ausgelegt. Nachtlandungen waren eine Ausnahme und nach besonderer Anforderung wurde die Landebahn mit grünen, weißen und roten Lichtern befeuert. Der Untergrund war eine feste Grasnarbe, in der Südecke leicht sandig. In den 30er Jahren wurden für die Abstellplätze der Flugzeuge betonierte Flächen angelegt. Ein Flugzeughangar zum Unterstellen der Flugzeuge wurde errichtet und ein Tanklager mit 1000 Liter Flugbenzin war vorhanden. Für Flugzeuge des Fabrikats Junkers bestand anfangs eine Werkstatt mit Materiallager. Am Flugplatz befand sich eine Polizeiwache, der auch Aufgaben der Passkontrolle zugeordnet wurden. Spezielle medizinische Kräfte wurden nicht vorgehalten und bei Notwendigkeit von Tilsit gestellt. Zur Stadt Tilsit war die Entfernung ca. 7 Kilometer, zur Straßenbahnhaltestelle 3,5 Kilometer und der Eisenbahnhaltepunkt Alt Weynothen war 1,5 Kilometer entfernt. Die Verkehrsanbindung wurde später mit Bussen und Taxis verbessert.

Zuerst wurde der Flugplatz Tilsit einmal täglich mit Hin- und Rückflug von Königsberg angeflogen. Die Flugzeit für die 90 km betrug 30 Minuten. Eine höhere Bedeutung erlangte der Flugplatz Tilsit durch die Verbindungen der 1921 gegründeten Deutsch-Russischen/ Sowjetischen Fluggesellschaft (Deruluft). Diese Fluggesellschaft hatte die alleinige Lizenz des Flugverkehrsbetriebes zwischen Deutschland und Russland. Ab 1922 wurden neben der Post auch Passagiere befördert. Alle Fluglinien führten über Königsberg. Die Linie nach Petersburg landete ab 1928 in Tilsit zwischen und führte über Riga zum Zielort. dreimal wöchentlich wurde diese Strecke bedient, sie war im Flugplan der „Deruluft“ die Streckennummer 3b. Die Strecke Königsberg-Moskau führte über Tilsit und wurde ab 1924 täglich geflogen.

Über die eingesetzten Flugzeugmodelle und ihre Leistungen einige Bemerkungen: Den damaligen Flugverkehr darf man nicht mit den derzeitigen Dimensionen vergleichen. Auf den genannten Strecken flogen vorwiegend folgende Maschinen:

Focker FII/ FIII: gebaut in Schwerin, Nutzlast 700 kg, 125km/h. Reisegeschwindigkeit, Landegeschwindigkeit 70 Km/h, Reichweite 850-900 km, 4/5 Passagiere, max. 6 Stunden Flugzeit, 185 PS, 250 Meter Start-Landestrecke,

Junkers F-13: erstes Ganzmetallflugzeug/Wellblech, gebaut in Dessau, 1075 Kilogramm. Nutzlast, 140-160 km/h Reisegeschwindigkeit, Reichweite 1200 km, 

4/5 Passagiere, 185 PS, Startstrecke 200 Meter, Landestrecke 150 Meter, ANT-9 russisch: ab 1929 flogen diese sowjetischen Typen die“ Deruluft“-Strecken, Nutzlast 2000 kg, 170 Km/h Reisegeschwindigkeit, 1000 Kilometer Reichweite, 

115 km/h Landegeschwindigkeit, 220 Meter Landestrecke, 9 Passagiere, 300 PS. 

Diese Flugzeuge waren in den 1920er Jahren am Himmel über Tilsit und wurden am Stadtflugplatz abgefertigt. In den 1920er Jahren fanden in Tilsit mehrmals Flugtage statt bei denen bekannte Flieger wie der spätere Generaloberst Ernst Udet, Gerhard Fieseler und die Pilotin Elly Beinhorn mit ihren Flugschauen teilnahmen. Bei Kunst- und Schauflügen zeigten sie vor tausenden Zuschauern wagehalsige Flugmanöver in ihren Doppeldeckern. Für die Tilsiter wurden damals Rundflüge in zweisitzigen Maschinen über Tilsit angeboten und von finanzkräftigen Einwohnern genutzt. Der Flugplatz wurde in den 1930er Jahren auf eine Größe von 1000 mal 1000 Meter im Quadrat erweitert, um den neuen Typen zu entsprechen und im Rahmen des Aufbaus der Luftwaffe ab 1933, deren Anforderungen gerecht zu werden. 1926 hatte die Lufthansa den Flugplatz Tilsit in ihren Flugplan aufgenommen und flog diesen einmal wöchentlich an. 1926 warb die Lufthansa damit, Strecken von Paris bis Tilsit mit Passagieren zu fliegen. 1937 verschlechterten sich die deutsch-sowjetischen Beziehungen und „Deruluft“ wurde aufgelöst. Der Tilsiter Flugplatz wurde nur noch wenig angeflogen und verlor seine Bedeutung. Im Sommer 1939 übernahm die Luftwaffe den Flugplatz Tilsit. Zivile Flugstrecken nach Tilsit gab es nicht mehr, alles hatte sich der Kriegsführung unterzuordnen. Einheiten der Luftwaffe nutzten 1939 im Krieg gegen Polen und im Juni 1941 gegen die Sowjetunion kurzzeitig das Flugfeld und die Infrastruktur. Anschließend wurde es auf und um den Tilsiter Flughafen ruhig.

In den Tilsiter Rundbriefen Nr. 23 und 26 wurde von einigen ehemaligen Tilsitern, so von Hubert Musail, von den Versuchen berichtet, den in Ostpreußen populären, besonders auf den Dünen von Rossitten ausgeübten Segelflugsport, auch in Tilsit zu installieren. Mit großer Hingabe wurden Segelflugzeuge in langer Handarbeit, im Hangar neben dem Empfangsgebäude aufgebaut. In Tilsit wurde der „Luftfahrerbund Grenzland Nord-Ost“, der Tilsiter Segelflieger, gegründet. Diese Enthusiasten hatten bis 1933 auf dem Flugplatz ihr Revier und starteten hier ihre ersten Gleitflüge. Ein gutes Segelflugrevier war Tilsit nicht, es fehlte die notwendige Thermik. Aber mancher Tilsiter Junge bereitete sich hier auf erfolgreiche Flüge auf der Kurischen Nehrung vor. In Tilsit versuchte man die fehlende Thermik zu erzeugen, indem man ein Auto dem Segelflugzeug vorspannte und hochschleppte. Einen Schleppstart hinter einem Motorflugzeug gab es in Tilsit nicht. 1933 wurde der Luftfahrbund von der Flieger SA übernommen und später im NS-Fliegerkorps junge Menschen auf den Dienst in der Luftwaffe vorbereitet.

Der Insterburger Lothar Hinz berichtete, dass 1942, in Vorbereitung auf den Dienst als Flugzeugführer der Luftwaffe, nochmals eine Segelfliegerausbildung auf dem Tilsiter Flugplatz aufgenommen wurde. Er erwähnte, dass der Platz in Tilsit im Dornröschenschlaf lag, kein Flugzeug war hier stationiert, es gab keinerlei Flugbetrieb. Das am nördlichen Platzrand liegende Empfangsgebäude war verwaist, in der Flugzeughalle am Westrand waren die Unterkünfte der 15 bis 16jährigen Flugschüler. Bis zum Sommer 1944 erfolgte die Ausbildung mit einem Gleiter und einem Segelflugzeug. Eine Schleppwinde gewährleistete die notwendige Startgeschwindigkeit.

Im Sommer/Herbst 1944 wurde es auf dem Flugplatz Tilsit noch einmal lebhaft. Die deutschen Armeen wurden auf die Reichsgrenzen zurückgedrängt, und der Kampf um Ostpreußen begann im Sommer. Alle Flugplätze der Provinz wurden durch die Luftwaffe belegt und die Reste der deutschen Luftwaffe in den Kampf gegen die vorrückende Rote Armee geworfen. In der Literatur ist zu entnehmen, dass der Feldflugplatz Tilsit Ost und Tilsit West belegt wurde. Woher kommen plötzlich 2 Tilsiter Flugplätze? 1941 errichtete die Luftwaffe beim Dorf Lobellen an der Scheschuppe, bei Groß Lenkeningen, einen Feldflugplatz zur Stationierung von Kampf- und Jagdfliegern zum Angriff auf die Sowjetunion. Er wurde entlang der Straße Juckstein-Lobellen angelegt und das Grundstück vom Besitzer des Gutes, von der Groeben, bereitgestellt. Er hatte eine längere Start- und Landebahn als Tilsit. Dieser Platz wurde bis zum Juli 1941 genutzt und verlor nach dem schnellen Vormarsch in die Tiefe Russlands seine Bedeutung, Der Flugplatz wurde ab Juli 1944 mit Kampf- und Aufklärungskräften der deutschen Luftwaffe aktiviert und von hier bis zum Oktober 1944 Kampfeinsätze geflogen. Er wurde von der Luftwaffe als Tilsit-Ost geführt. Hier waren die 1. und 2. Gruppe des Jagdgeschwader-51 („Mölders“), ausgerüstet mit Messerschmidt 109-G, im Oktober 1944, das Jagdgeschwader-1, mit der 2. und 3. Gruppe, ausgerüstet mit Messerschmidt 109-G, im Juli bis September 1944 und die 2.Gruppe des Schlachtgeschwader 4, bewaffnet mit der Focke-Wulf 190, im September bis Oktober 1944 stationiert. Auch einzelne Flugzeuge FW-189/ FW-190 der Nahaufklärungsgruppe 12, kamen von hier zum Aufklärungseinsatz gegen die Truppen der 1. Baltischen und der 3.Weissrussischen Front der Roten Armee zum Einsatz, die an den ostpreußischen Grenzen standen. Diese Kräfte wurden durch Flak-Einheiten am Feldflugplatz gesichert. Mehrere Angriffe auf den Fliegerhorst führten in den umliegenden Dörfern zu Gebäudeschäden. Auf dem Flughafen Tilsit, als Fliegerhorst Tilsit-West bezeichnet, waren der Stab und die Stabsstaffel des JG-51, mit dem Kommandeur Ritterkreuzträger Major Fritz Losigkeit, im September 1944 stationiert. Dieser Flughafen hatte keine Flak-Abwehr und auch nicht die Bedeutung wie Lobellen. Ab Ende Oktober waren beide Flugplätze im Wirkungsbereich der russischen Artillerie und durch die Frontnähe gefährdet. Das JG-51 verlegte man nach Pillau-Neutief, die anderen nach Insterburg und Heiligenbeil. Es waren die letzten deutschen Flugzeuge auf dem Tilsiter Flugplatz. Das JG-51 war bis zur Einnahme von Pillau am 25.04.1945 vom Flugplatz Neutief aus im Einsatz und sicherte vor allem den Abtransport ostpreußischer Flüchtlinge über See und im Lufttransport. Diese Verbände gingen im Kampf um Ostpreußen im April 1945 unter.

Von der Nutzung des Tilsiters, nunmehr Sowjetsker Flugplatzes, nach Einnahme der Stadt am 20.01.1945 und in den folgenden Jahren ist wenig bekannt. Als Verkehrsflugplatz wurde er offenbar nicht mehr genutzt. Anzunehmen ist eine teilweise militärische Nutzung von der starken sowjetischen Garnison in Sowjetsk bis Anfang der 90er Jahre, zu Verbindungsflügen durch Hubschrauber und Kleinflugzeuge. Die kurzen Start- und Landebahnen und die Graspiste lassen keine Nutzung durch moderne Kampfflugzeuge zu. Die ersten Besucher nach Öffnung des nordöstlichen Ostpreußens nach 1991, haben den Flugplatz nicht gesehen. 

Der Tilsiter Siegfried Harbrucker, ab 1943 Luftwaffenpilot, berichtete im TR 31 von einem Besuch im Jahr 1993. Er hatte in Tilsit Kontakt zu Mitgliedern einer „Sowjetsker Luftsportgruppe“, die sich mit Modellbauten und Leichtflugzeugbau beschäftigten. Inwieweit sie dabei den ehemaligen Flugplatz nutzten ist nicht bekannt. Ein dabei kennengelernter Luftfahrtenthusiast, ein Veteran der russischen Luftwaffe, organisierte für Herrn Harbrucker einen Rundflug mit dem alten sowjetischen Anderthalbdecker AN-2. Diese Maschine wurde aus Königsberg herangeflogen und durch den Herrn Nikitin alle Behördengenehmigungen herbeigeschafft. Eine solche Hauruckaktion wäre in Deutschland undenkbar. 

So sah Siegfried Harbrucker den alten Tilsiter Flugplatz wieder. Der Platz war ungemäht, steppenartig bewachsen, das Flughafengebäude und der Hangar stehen nicht mehr, an einem 2 Meter hohen Mast war eine Windfahne kurzfristig aufgehängt und die AN-2 stand auf den bröckelnden Resten der ehemals betonierten Abstellfläche. Mit der Maschine haben er auf dem Co-Pilotensitz und seine Frau auf einem improvisierten Sitz in der Kabine einen eindrucksvollen Flug über Tilsit unternommen. Er sah seine Heimatstadt und die Memel von oben und hatte unvergessliche Eindrücke. Heute wäre ein solcher Rundflug im Grenzgebiet zur EU-Außengrenze und bei den politischen Verhältnissen im Kaliningrader Oblast unmöglich. Er wird wohl der letzte Tilsiter gewesen sein, der vom heimatlichen Flughafen abhob. Der Flugplatz Tilsit ist nach 100 Jahren Geschichte. 

Ich habe mich in meinem Bericht auf die noch verfügbaren Fakten zur Geschichte des Tilsiter Luftlandeplatzes gehalten. Dazu gehört auch dessen letztliche Nutzung zur Verteidigung Ostpreußens im Sommer/Herbst 1944. Diese historischen Ereignisse, die handelnden Personen sollten wir nicht aus unserer heutigen Per-spektive beurteilen. Sie waren widersprüchlich, aber wir müssen sie aushalten. Unsere Großväter und Väter handelten im Glauben, ihre Heimat zu verteidigen und viele gaben im Kampf um Fluchtmöglichkeiten der Zivilbevölkerung Ostpreußens, ihrer Rettung vor der hereinbrechenden Roten Armee, das Wertvollste, ihr Leben. 

Dieser kleine Bericht soll ein Stück vergessener heimatlicher Geschichte zurückbringen, sie ist nicht entsorgt. Sie ist ein Teil des zu bewahrenden historischen Erbes. Lassen wir die Vergangenheit zu uns sprechen, hören wir ihr zu.

Bernd Polte

Stadtvertreter Tilsit