23.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
15.01.21 / Geschichte / Die Gründung des Landes Thüringen / Anlässlich des 100. Jahrestags nahmen mehrere Landeshistoriker eine Würdigung der damaligen Ereignisse vor

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-21 vom 15. Januar 2021

Geschichte
Die Gründung des Landes Thüringen
Anlässlich des 100. Jahrestags nahmen mehrere Landeshistoriker eine Würdigung der damaligen Ereignisse vor
Dirk Klose

Vor 101 Jahren wurde das Land Thüringen gegründet. In einem Kraftakt hatten sich sieben Einzelstaaten aus freien Stücken zusammengeschlossen. Damit war diese Region, jahrhundertelang Inbegriff deutscher Kleinstaaterei, zu einem einheitlichen politischen Land geworden, allerdings noch ohne die Gebiete um die heutige Landeshauptstadt Erfurt, die erst 1944 hinzukamen. Die acht Sterne im heutigen Landeswappen symbolisieren Sachsen-Altenburg, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sonderhausen, Reuß und Erfurt.

Aus Anlass dieses Jubiläums haben mehrere Landeshistoriker eine kritische Würdigung der damaligen Ereignisse vorgenommen. Der Band „Engere Heimat“ beschreibt nicht nur detailliert die Politik in allen sieben Einzelstaaten, sondern geht auch auf die politische Zerklüftung der Region ein, die sich 1920 im Kapp-Lüttwitz-Putsch in bürgerkriegsähnlichen Unruhen äußerte, ferner auf die für Thüringen prekären Vermögensstreitigkeiten mit den früheren Fürstenhäusern: Schließlich erläutert er, warum Preußen eisern an seinem großen Regierungsbezirk Erfurt festhielt.

Es ist ein inhaltlich weit gefasster, ungemein materialreicher Band. Er gibt Zeugnis, wie sich die Region angesichts drohender Bedeutungslosigkeit gewissermaßen selbst aus dem Sumpf zog. Der Preußen-Historiker Heinrich von Treitschke hatte über die thüringischen Kleinstaaten geäußert: „Unsere Cultur verdankt ihnen unsäglich viel, unser Staat gar nichts.“ Und im Jahr 1906 hatte der SPD-Politiker Arthur Hofmann mit dem Wort vom „Thüringer Kleinstaatenjammer“ dem allgemeinen Missvergnügen Ausdruck verliehen.

Die Fürsten hatten noch nicht abgedankt, als schon erste Gespräche über einen Zusammenschluss stattfanden. Im Mai 1919 war der „Gemeinschaftsvertrag über den Zusammenschluss der thüringischen Staaten“ ausgehandelt. Er trat Anfang 1920 in Kraft, ab dem 1. Mai 1920 stand Thüringen „reichsrechtlich“ neben den anderen Ländern. Ein Jahr später wurde die neue Landesverfassung verabschiedet, Weimar wurde Landeshauptstadt. 

Ein Land scherte damals aus: der südlichste Staat Sachsen-Coburg. In einer Volksabstimmung entschied sich eine deutliche Mehrheit für den Anschluss an Bayern, mit der Folge, dass das Land 1945 zur amerikanischen Besatzungszone und später zur Bundesrepublik gehörte. Alle anderen Thüringer mussten dagegen in den DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl leben. 

Christian Faludi/Marc Bartuschka (Hg.): „Engere Heimat. Die Gründung des Landes Thüringen 1920“, Weimarer Verlagsgesellschaft im Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2020, gebunden, 408 Seiten, 18 Euro