18.01.2022

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15.01.21 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-21 vom 15. Januar 2021

Für Sie gelesen

Zwischen zwei Kulturen

Mittlerweile sind die in der Bundesrepublik geborenen Kinder der sogenannten Gastarbeiter erwachsen. Und leiden unter Identitätskrisen. Davon zeugt nicht zuletzt das Buch „Das ist auch unser Land“ von Cigdem Toprak. Die Politikwissenschaftlerin türkischer Herkunft, die für mehrere große Zeitungen schreibt, offenbart darin ungewollt das psychische Elend, welches dadurch entsteht, dass Menschen versuchen, den Spagat zwischen zwei extrem unterschiedlichen oder sogar unvereinbaren Kulturen zu bewältigen. Wobei sie aber nicht die Immigration als die wahre Wurzel des Übels sieht, sondern über die angeblich so bornierte und um Abkapselung bemühte Aufnahmegesellschaft hierzulande philosophiert.

Als Kronzeugen für ihre Ausführungen über „Rassismus“, „Ausgrenzung“, „Diskriminierung“, erzwungene „Ghettoisierung“ und so weiter benennt Toprak Rapper, Hip-Hop-Produzenten, Models, Influencer, Martial-Arts-Kämpfer, Sneaker-Designer und Angehörige ähnlicher „Berufe“, welche natürlich allesamt auf ihre ganz spezielle Weise dazu beitragen, das bunte Deutschland voranzubringen. Aber vielleicht hätte sich Toprak auch einmal in andere migrantische Milieus begeben sollen, wo es etwas „bürgerlicher“ zugeht und die Nachkommen der Einwanderer nicht permanent damit beschäftigt sind, Haare in der deutschen Suppe zu finden.W. Kaufmann

Cigdem Toprak: „Das ist auch unser Land. Warum Deutschsein mehr als deutsch sein ist“, Christoph Links Verlag, Berlin 2020, broschiert, 253 Seiten, 18 Euro





Sowjetische Schicksale

Ljudmila Ulitzkaja, eine der wichtigsten russischen Schriftstellerinnen, verbindet in ihrem Roman „Jakobsleiter“ die große Geschichte mit dem Schicksal einer einfachen Familie nach der Oktoberrevolution. Die Bühnenbildnerin Nora findet im Nachlass ihrer Großmutter Marussja deren Briefwechsel mit Jakob, ihrem Mann. Von dem Großvater wusste Nora wenig. Neugierig geworden, erfährt sie, dass er ein Wirtschaftswissenschaftler war, der, weil er auf Missstände hinwies, die längste Zeit seines Lebens in der Verbannung in Sibirien verbracht hat. Seine Frau ließ ihn schließlich fallen.

Nora erlebt selbst Brüche und Verwerfungen. Sie bekommt einen Sohn von einem Mann, den sie nicht liebt, ist lange einem georgischen Theaterregisseur hörig, den sie zwar liebt, der aber verheiratet ist. Ihr Sohn droht in den USA, wo sein Vater lebt, auf die schiefe Bahn zu geraten, sodass die resolute Nora ihn wieder zurück nach Moskau holt. MRK

Ljudmila Ulitzkaja: „Jakobsleiter. Roman“, dtv, München 2020, Taschenbuch, 608 Seiten, 14,90 Euro