18.01.2022

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15.01.21 / Nachlese / Ein Reich und seine Geschichte(n) / Zum 150. Jahrestag der Reichsgründung erscheinen zahlreiche Bücher, die sowohl die damaligen Ereignisse als auch die folgenden Jahrzehnte in einem neuen Licht erscheinen lassen. Eine – keineswegs vollständige – kleine Übersicht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-21 vom 15. Januar 2021

Nachlese
Ein Reich und seine Geschichte(n)
Zum 150. Jahrestag der Reichsgründung erscheinen zahlreiche Bücher, die sowohl die damaligen Ereignisse als auch die folgenden Jahrzehnte in einem neuen Licht erscheinen lassen. Eine – keineswegs vollständige – kleine Übersicht

Geschichte eines Reiches 

Versailles, 18. Januar 1871: Im Spiegelsaal des berühmten Schlosses der französischen Könige wird das deutsche Kaiserreich ausgerufen. Seine folgende Entwicklung war geprägt von immenser wirtschaftlicher Dynamik bei weitgehendem politischem Stillstand, demokratischen Lernprozessen und autoritärer Verkrustung, bahnbrechenden Sozialreformen und heftigsten sozialen Konflikten. 

In zwölf Kapiteln, die jeweils von den Ereignissen eines bestimmten Tages ausgehen, beleuchtet Christoph Nonn diese faszinierend bunte Epoche und lässt die Menschen lebendig werden, die sie gestalteten und durchlebten. So etwa der Künstler Anton von Werner, der die Kaiserproklamation gleich mehrfach malte, Julie Bebel, die selbstbewusst in der Politik wie in der gemeinsamen Drechslerwerkstatt an die Stelle ihres Manns August trat, wenn der wieder einmal im Gefängnis saß, oder der Schuster Wilhelm Voigt, der als „Hauptmann von Köpenick“ eine Stadt zum Narren hielt und damit eine Nation zum Lachen brachte.

Christoph Nonn 12 Tage und ein halbes Jahrhundert. Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs 1871 bis 1918 C.H.Beck 2020, gebunden, 687 Seiten mit 16 Abbildungen ISBN: 978-3-406-75569-9, 34,- Euro





Ein Feldzug und seine Folgen  

Dieses Buch widmet sich dem Deutsch-Französischen Krieg und seinen Folgen für beide Seiten. Ebnete die Schlacht von Sedan im Spätsommer 1871 den Weg zur deutschen Kaiserproklamation, so markiert die Gefangennahme des Kaisers Napoleon III.  nicht nur das Ende der französischen Monarchie, sondern auch den Niedergang der einstigen Grande Nation. 

Klaus-Jürgen Bremm legt mit dieser Arbeit eine umfassende Gesamtdarstellung und teilweise Neubewertung jener historischen Ereignisse vor. Ein Schwerpunkt ist dabei das militärische Geschehen – so werden die entscheidenden Schlachten wie Weißenburg, Wörth und Spichern, Metz und Sedan detailliert analysiert –, doch auch die Bedeutung der Propaganda und das Schicksal der Zivilisten werden in den Blick genommen. 

Obwohl beide damals entstandenen Staaten – das deutsche Kaiserreich und die französische Dritte Republik – längst wieder aus der Geschichte verschwunden sind, sollte nach Meinung des Autors die Bedeutung des sogenannten „Einigungskrieges“ nicht unterschätzt werden. 

Klaus-Jürgen Bremm 70/71. Preußens Triumph über  Frankreich und die Folgen wbg Theiss 2020, Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten mit 27 s/w Abb. und Karten, ISBN:  978-3-8062-4019-1 28 Euro





Würdigung eines Königs 

Rund 30 Jahre herrschte Wilhelm I. (1797–1888) über Preußen, davon 17 Jahre über ganz Deutschland – und hinterließ in der Geschichte tiefere Fußspuren als weithin angenommen. Der Monarch, dessen Popularität im Lauf seines Lebens heftig schwankte, bewirkte einen tiefgreifenden politischen Umbruch in Preußen. Er stürzte sein Land in den Heeres- und Verfassungskonflikt und machte mit seinen Armeereformen Preußens Siege in den deutschen Einigungskriegen überhaupt erst möglich. Bislang kaum bekannt ist, wie Wilhelm I. zunächst als Oberster Kriegsherr und dann als Deutscher Kaiser beträchtliche Wirkungsmacht entfaltete. Ohne sein Agieren wäre die preußisch-deutsche Geschichte in mancherlei Hinsicht anders verlaufen. 

Robert-Tarek Fischer beschreibt in dieser Arbeit das bewegte Leben Wilhelms I. im Stil einer modernen, chronologisch strukturierten Biographie und fokussiert dabei auf jene Initiativen und Entscheidungen, mit denen Wilhelm I. Einfluss auf die Geschichte nahm. Das Buch zeichnet ein neues Bild des bislang unterschätzten ersten Deutschen Kaisers.

Robert-Tarek Fischer Wilhelm I. Vom preußischen König zum ersten Deutschen Kaiser Böhlau 2020, gebunden, 404 Seiten mit 12 farbigen und 13 s/w Abbildungen, ISBN: 978-3-412-51926-1, 27,99 Euro





Wege in die Moderne 

Als der deutsche Nationalstaat 1871 die politische Bühne betrat, hatte das junge Kaiserreich gegenüber anderen Ländern einiges aufzuholen: Die einzelnen Regionen des Reichs mussten zusammenwachsen und eine gemeinsame Identität entwickeln. Auch unter den europäischen Großmächten wollte sich Deutschland behaupten – nicht zuletzt, indem es sich Kolonien in Afrika und Asien verschaffte.

Jens Jäger zeigt in seiner Arbeit, dass das Kaiserreich weit moderner war als heute gemeinhin angenommen: ein Nationalstaat, der an der Spitze des technischen Fortschritts stand und aktiv an der um 1880 beginnenden Globalisierung teilnahm. Schnelle Eisenbahn- und Schiffsverbindungen entstanden, die Kommunikationsnetze wurden ausgebaut – und die einstigen Kleinstaaten wuchsen rasch zu einer Nation mit gemeinsamem Selbstverständnis zusammen. Auch nach außen vernetzte sich das Kaiserreich. So bildeten sich in der Zeit zwischen 1871 und 1914 gesellschaftliche Strukturen heraus, die für die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert entscheidend sein sollten. 

Jens Jäger Das vernetzte Kaiserreich. Die Anfänge von Modernisierung und Globalisierung in Deutschland Reclam 2020, gebunden mit Schutzumschlag, 259 Seiten mit 13 Abbildungen, ISBN: 978-3-15-011304-2, 22,- Euro





Szenen einer Ausstellung 

Drei Kriege, drei Siege, eine Nation? In seiner Sonderausstellung „Krieg Macht Nation“ widmete sich das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden im vergangenen Jahr der 150. Wiederkehr der Gründung des Kaiserreichs.

Der Begleitband zeigt die Exponate der Ausstellung und beschreibt in begleitenden Essays, welche Ziele und Hoffnungen die Menschen von damals mit der Idee der Nation verbanden und welche Rolle Kriege dabei spielten. Ausgehend von den europäischen Revolutionen 1848/49 wird eine Epoche von ungeheurer Dynamik gezeigt, in denen Fabriken, Eisenbahnen, Telegraphen, Massenpresse und das Streben nach gesellschaftlicher Teilhabe den Alltag der Menschen verwandeln. 

Dabei wird die Reichsgründung als ergebnisoffener Prozess erkennbar, den viele Menschen miteinander ausgehandelt und gegeneinander erkämpft haben. Über deutsche Perspektiven hinaus öffnet die Publikation den Blick für die Auswirkungen der Einigungskriege auf die damals unterlegenen Mächte Dänemark, Österreich und Frankreich.

Gerhard Bauer et. al. / Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Krieg Macht Nation. Wie das deutsche Kaiserreich entstand Sandstein Verlag 2020, 432 Seiten mit 474 meist farbigen Abbildungen, ISBN: 978-3-95498-545-6, 48,- Euro