16.01.2022

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22.01.21 / Spanien / Belagerungszustand durch Illegale / Immigranten-Boom wegen Corona – Afrikaner wählen den Weg über die Kanaren in Richtung Europa

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-21 vom 22. Januar 2021

Spanien
Belagerungszustand durch Illegale
Immigranten-Boom wegen Corona – Afrikaner wählen den Weg über die Kanaren in Richtung Europa
Bodo Bost

Die Pandemie hat zwar mit ihren Reisebeschränkungen den Tourismus zum Erliegen und die Reiseindustrie an den Rand des Ruins gebracht, nicht jedoch die Migrationsbewegungen gestoppt. Für die illegale Schleusermafia brachte das erste Corona-Jahr einen Boom. Seit Beginn des Jahres 2021 erreichen weiter 400 Immigranten Woche für Woche die spanischen Kanareninseln. 

Die unberechenbare Atlantik-Route mit ihren gefährlichen Strömungen ist weitaus gefährlicher und länger als die Mittelmeer-Route. Schlauchboote wie im Mittelmeer sind hier nicht möglich. 23.000 illegale „Boots-Touristen“ schafften es 2020 auf die Kanaren. Das sind 143 Prozent mehr als im vorherigen Jahr. 1851 Menschen sollen dabei den Tod gefunden haben, auch deshalb, weil auf dem Atlantik keine eigens zu ihrer Aufnahme entsandten Schiffe fahren. 

Dennoch wagen immer mehr die Passage in Holzbooten, die billiger sind als die Schlauchboote im Mittelmeer, wo das Schleusergeschäft in den Händen von Profis und der Mafia liegt, die mit den Schlepperschiffen der Nichtregierungsorganisationen oft gemeinsame Sache machen. Vor allem gibt es an den weiten Stränden, wo die Sahara auf die Küste trifft, keinerlei Polizeiposten, weil es sich zumeist um unbewohnte Landstriche handelt. 

42.000 Afrikaner neu in Spanien

Spanien ist für Immigranten aus Afrika im vergangenen Jahr zum wichtigsten Tor nach Europa geworden, weil die sozialistische Minderheitsregierung schwach ist und kein Mittel dagegen weiß. Nach den jüngsten Angaben des spanischen Innenministeriums erreichten 2020 insgesamt 42.000 Menschen aus Afrika das Land, mehr als die Hälfte davon kam auf den Kanaren an. Trotz der Pandemie verzeichnete Spanien mehr Immigranten als im Vorjahr, fast die Hälfte der gesamten EU: In Italien wurden laut dem Migrationsdienst IOM 34.100 Immigranten registriert, in Griechenland 15.500, in der ganzen EU waren es knapp 100.000.

2021 könnte es ähnlich weitergehen. Vor der Pandemie stammte noch die größere Zahl von Immigranten aus den Ländern Schwarzafrikas wie Mali, Senegal und der Elfenbeinküste, wo der terroristische Dschihadismus sein Unwesen in den Wüstenregionen treibt. Corona hat in den schwarzafrikanischen Ländern nicht so stark gewütet wie in Nordafrika, aber esr hat zur Verarmung weiter Kreise beigetragen. Deshalb können sich immer weniger die teure Überfahrt nach Europa leisten.

Inzwischen stellen mit mehr als 

11.000 Marokkanern und Sahraouis die direkten Küsten-Anwohner die Mehrheit der Immigranten in Spanien. Erstmals seit Jahrzehnten sind auch aus Algerien und Tunesien die Zahlen der Immigranten über das Mittelmeer nach Spanien wieder am Ansteigen. 2020 waren es so viele wie noch in keinem Jahr zuvor. Immer mehr Algerier und Tunesier fliehen auch vor Corona aus ihrer Heimat. 

Madrid ist völlig überfordert

Die Rückführung dieser Asylsuchergruppe verläuft schleppend, obwohl Spanien mit allen Staaten entsprechende Rücknahme-Abkommen geschlossen hat. Oft sind die Grenzverletzer schnell nach Frankreich oder Deutschland weitergereist, siehe Anis Amri in Berlin oder der Nizza-Attentäter im Sommer. 

Ein Großteil der Immigranten in Spanien reist jedoch legal als Touristen in einem Flugzeug ein, denn Südamerikaner benötigen für Spanien kein Visum. Mit den Südamerikanern haben, trotz der massiven Einschränkung der Bewegungsfreiheit für die eigenen Bevölkerung, im vergangenen Jahr 85.000 Asylsucher Anträge in Spanien gestellt, die meisten davon waren Venezolaner, Kolumbianer und Honduraner. Spanien liegt damit erstmals in der Europäischen Union vor Frankreich und Deutschland.

Spanien ist von dem Ansturm der Asylbewerber völlig überfordert. Das spanische Asylsystem stand schon vor dem Beginn der Pandemie am Rande des Zusammenbruchs. Vor einem Jahr stapelten sich bei den Behörden rund 120.000 unbearbeitete Anträge. Auch die wenigen Unterkünfte sind hoffnungslos überfüllt.

Seit die Pandemie den Tourismus zum Erliegen gebracht hat, werden immer mehr Asylsucher in Spanien in Hotels untergebracht. Was mit diesen passiert, falls der Tourismus wieder anläuft, weiß niemand. In Spanien hofft man einfach, dass nach der Pandemie auch die Immigration wieder zurückgeht.