19.01.2022

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22.01.21 / Parallelgesellschaft / Unter Drogen- und Waffenhändlern / Autoren-Trio des „Spiegel“ hat sich mit einem V-Mann des Verfassungsschutzes unterhalten, der selbst dem kriminellen Clanmilieu entstammt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-21 vom 22. Januar 2021

Parallelgesellschaft
Unter Drogen- und Waffenhändlern
Autoren-Trio des „Spiegel“ hat sich mit einem V-Mann des Verfassungsschutzes unterhalten, der selbst dem kriminellen Clanmilieu entstammt
Wolfgang Kaufmann

Murat Cem ist der Tarnname des vermutlich wichtigsten Polizeispitzels in der Geschichte der Bundesrepublik. Den Lebensweg dieser sogenannten Vertrauensperson der Sicherheitsbehörden zeichnen die „Spiegel“-Journalisten Jörg Diehl, Roman Lehberger und Fidelius Schmid in ihrem Buch „Undercover. Ein V-Mann packt aus“ nach.

Der wohl bis heute nicht eingebürgerte Sohn türkischer Einwanderer ging niemals längere Zeit einer normalen Arbeit nach. Er verdiente sein Geld über 20 Jahre lang damit, dass er sich das Vertrauen von Drogen- und Waffenhändlern, Banknotenfälschern und Mördern oder radikalen Moslems erschlich und diese bei passender Gelegenheit auffliegen ließ. Angeblich hätte er auch seine prominenteste Zielperson Anis Amri, den Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, im Vorfeld des Terroranschlages stoppen können, aber das soll an der Inkompetenz der Behörden gescheitert sein.

Das Autorentrio zeigt viel Verständnis für den gar nicht so kleinen Kriminellen „Cem“, der nur zum V-Mann wurde, um einer empfindlichen Haftstrafe wegen Drogenhandels zu entgehen. Damit dürfte es alleine auf weiter Flur stehen, denn „Cem“ ist kein Sympathieträger – ganz gleich wie viele noch üblere Existenzen er ins Gefängnis gebracht hat. Und es liegt auch im Bereich des Möglichen, dass der Zuträger, welcher immerhin zwei Jahrzehnte Zeit hatte, sich im Lügen und Verstellen zu üben, den „Spiegel“-Journalisten ein X für ein U vormachte und sie mit allerlei Falschinformationen fütterte. Überprüfbar sind letztlich nur sehr wenige seiner Aussagen.

Die Schilderung der angeblichen Einsätze „Cems“ kommt über weite Strecken arg monoton daher, denn meist geht es um Drogen und kriminelle Elemente mit Immigrationshintergrund. Irgendwann hat man als Leser einfach genug von beidem. Dazu kommt der Stil des Buches: Das Stakkato kurzer Sätze, die von ebenso knappen floskellastigen Dialogen unterbrochen werden, ist ermüdend und erweckt den Eindruck, als hätten die Verfasser ihr Werk in „einfacher Sprache“ verfertigen wollen.

Auf der Habenseite steht die recht authentische Darstellung des turko-arabischen Migrantenmilieus, welche – egal, ob man „Cem“ nun im Detail glaubt oder nicht – zum Nachdenken darüber anregt, wieso unser Staat die Entstehung derartiger Parallelwelten duldet und keine wirklichen Anstrengungen unternimmt, um den immer größer werdenden kriminellen und radikalislamischen Sumpf auszutrocknen. Aber das war wohl kaum die Intention der drei Edelfedern vom „Spiegel“.

Jörg Diehl/Roman Lehberger/Fidelius Schmid: „Undercover. Ein V-Mann packt aus“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2020, gebunden, 320 Seiten, 20 Euro