16.01.2022

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22.01.21 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-21 vom 22. Januar 2021

Für Sie gelesen

Ein Mann der ersten Stunde

In seinem aktuellen Buch „Im Wandel der Zeiten“ erzählt Markus Meckel, der Außenminister der untergegangenen DDR war, seine „ganz persönliche Geschichte“. Er wollte trotz aller Distanz zum SED-System stets in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) verbleiben, aber „etwas verändern“. 

Als er 1982 eine Pfarrstelle in Vipperow (Mecklenburg) erhielt, entstand dort ein erster Friedenskreis, der sich mit der Aufrüstung in Ost und West beschäftigte und an dem trotz Missbilligung der Amtskirche auch Nicht-Christen teilnahmen. Überall bildeten sich ähnliche Netze. 

Etwas in der DDR verändern

Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR-Gründung, kam es in Schwarte zur Gründung der SDP, der Sozial-Demokratischen Partei in der DDR. Laut Meckels Rede sollte sie ein Zeichen des Anfangs einer wirklichen Demokratie sein. 

Die Haltung der westdeutschen SPD war ablehnend. Dass deren Vorsitzender Hans-Joachim Vogel sie nicht mit „Genosse“ anredete, sondern nur mit „Freunde“ (wie bei ausländischen Sozialdemokraten) und bis zuletzt gegen eine Wiedervereinigung war, verschweigt Meckel in seinem Buch. 

Er war gegen einen bloßen Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland, doch sein Ziel nach einer gesamtdeutschen Verfassung scheiterte. Als Grund für die Schwäche der SDP bei den Wahlen im März 1990 sieht er die SPD-Politik, die sich „nur sehr begrenzt um den Osten des eigenen Landes gekümmert hat“. 

Begrenzter Einfluss

Unter der neuen Regierung mit Lothar de Maizière als Ministerpräsident wurde Meckel zwar Außenminister, doch sah er seinen Einfluss begrenzt. Seinem Eindruck nach verhandelte Bonn ohne die DDR-Regierung mit Moskau, jene verlor an Gestaltungsmöglichkeiten, man interessierte sich nicht für sie. „Hier feiert sich eine Bundesregierung, als hätte sie die Einheit gemacht, als wäre sie nicht Ergebnis von Verhandlungen der beiden Teile.“ Umso aufschlussreicher für den Leser ist Meckels Blick hinter die Kulissen der Zwei-plus-Vier-Gespräche und auf den Einigungsvertrag. 

Vertrauen gewinnen

Man müsse, so betonte Meckel noch vor wenigen Jahren, „den Ostdeutschen vermitteln, im vereinten Deutschland anerkannt und angekommen zu sein“. 

Diese Probleme aber seien weder wirtschaftlich noch im Bewusstsein der Mitteldeutschen gelöst. Wohl mit gewisser Verbitterung schreibt er abschließend: „Nur eine Politik, die wirklich Problemlösungen anbietet, wird wieder das Vertrauen der Menschen gewinnen können. Man sollte sein Buch nachdenklich lesen. 

Friedrich-Wilhelm Schlomann 

Markus Meckel: „Zu wandeln die Zeiten“, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2020, gebunden, 492 Seiten, 29,80 Euro