20.01.2022

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29.01.21 / Skandal-Flughafen / BER kommt aus Pannenserie nicht heraus / Rettungseinsätze nach Stromschlägen – Abfertigung bleibt trotz niedriger Passagierzahlen desaströs

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-21 vom 29. Januar 2021

Skandal-Flughafen
BER kommt aus Pannenserie nicht heraus
Rettungseinsätze nach Stromschlägen – Abfertigung bleibt trotz niedriger Passagierzahlen desaströs

Sieht man von den finanziellen Ausfällen ab, dann konnte der Großflughafen BER bei Berlin im vergangenen Herbst wie unter idealen Laborbedingungen in Betrieb gehen: Pandemiebedingt sind Flugplan und Passagierzahlen extrem ausgedünnt. So meldete die Flughafengesellschaft für den vergangenen Dezember nur noch rund zehn Prozent der Passagierzahlen der Berliner Flughäfen vom Dezember 2019. 

Verdi fordert Terminal-Schließung

Erneute Pannen werfen bei Beobachtern nun allerdings die Frage auf, ob der BER einen Start unter Volllastbedingungen überhaupt bewältigt hätte. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi hat Sicherheitspersonal beispielsweise an Geräten der Gepäckkontrollen im neuen Terminal 1 inzwischen 60 Mal Stromschläge erlitten. Mehrere Mitarbeiter mussten nach solchen Vorfällen sogar in Krankenhäusern behandelt werden. Laut Gewerkschaftsangaben ist es allein am 6. Januar alleine zu elf Unfällen durch Stromschläge gekommen, viermal waren dabei Rettungseinsätze erforderlich. Nach den Stromschlägen litten die betroffenen Mitarbeiter unter Schmerzen, Taubheitsgefühl und Benommenheit. Ein Verdi-Vertreter klagt: „Manche Mitarbeiter werden mehrmals während einer Schicht von Stromschlägen betroffen. Eine Kollegin traf es viermal, sie quittierte für den Tag ihren Dienst.“

Verantwortlich für die Geräte ist laut Arbeitnehmervertretern die Bundespolizei. Diese bestätigte, dass es Probleme mit elektrostatischen Aufladungen gebe. Als mögliche Gegenmaßnahmen hat die Behörde ein regelmäßiges feuchtes Wischen des Fußbodens und andere Bekleidungsmaterialien für das Personal empfohlen. Aus Sicht von Verdi haben aber auch Gummimatten und Antistatik-Schlüsselanhänger keine wirksame Abhilfe gebracht. „Geholfen hat das bisher kaum“, so Gewerkschaftsvertreter Benjamin Roscher. Inzwischen hat Verdi sogar die Schließung des erst im Oktober in Betrieb genommenen Terminals verlangt. 

Chaos nach nur zwei Flugzeugen

Schon kurz nach der Eröffnung hatten Flughafenmitarbeiter und Besucher überdies Schäden im Dach des neuen Flughafengebäudes festgestellt. Dabei war Regenwasser durch ein undichtes Oberlicht in ein Treppenhaus getropft. Um das Wasser aufzufangen, platzierten Mitarbeiter zunächst eine Kiste unter der undichten Stelle. Die geringe Auslastung des Flughafens würde es derzeit sogar erlauben, entsprechend der Verdi-Forderung auf das neue Abfertigungsgebäude zunächst ganz zu verzichten. Bislang steht noch das nahegelegene Terminal des alten Flughafens Schönefeld bereit. Dort gibt es Tage, an denen kein einziges Flugzeug auf die Reise geschickt oder empfangen wird.

Selbst der stark ausgedünnte Flugplan ist für den Großflughafen aber offenbar eine große organisatorische Herausforderung: Am 17. Januar drängelten trotz Corona-Auflagen Hunderte Passagiere dicht gedrängt vor der Passkontrolle im alten Terminal 5. Ursache des Gedrängels warer zwei Flugzeuge, die mit insgesamt 427 Passagieren kurz nacheinander aus Albanien und Moldawien gelandet waren. Trotz der aktuellen Minimalauslastung hatte es die Flughafengesellschaft allem Anschein nach nicht geschafft, die Passagiere aus Osteuropa entsprechend den Pandemieregeln abzufertigen, was beispielsweise das Einhalten von Mindestabständen erfordert hätte. N.H.