21.01.2022

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29.01.21 / „Fachkräftemigrationsmonitor“ / Trotz Corona die alte Leier der Einwanderungslobby / Die Bertelsmann-Stiftung fordert nach wie vor noch mehr Immigration und eine Besserstellung insbesondere nichteuropäischer Einwanderer

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-21 vom 29. Januar 2021

„Fachkräftemigrationsmonitor“
Trotz Corona die alte Leier der Einwanderungslobby
Die Bertelsmann-Stiftung fordert nach wie vor noch mehr Immigration und eine Besserstellung insbesondere nichteuropäischer Einwanderer
Peter Entinger

Die Argumentation der Einwanderungslobby ist hinlänglich bekannt: Die deutsche Bevölkerung sei überaltert. Die Zahl der arbeitsfähigen Deutschen nehme ab. Der deutschen Wirtschaft drohe deshalb Fachkräftemangel. Dieses Problem lasse sich durch eine Forcierung der Einwanderung lösen. Um auswanderungswillige Ausländer zur Einwanderung nach Deutschland zu animieren und zu motivieren, bedürfe es indes einer Willkommenskultur. Und die sei in Deutschland noch immer nicht ausgeprägt genug. Ungeachtet von Corona, Lockdown und der wegen ihnen drohenden Arbeitslosigkeit (siehe Artikel unten) wiederholt die Bertelsmann-Stiftung diese Argumentation auch in der jüngsten  Ausgabe ihres sogenannten Fachkräftemigrationsmonitors. 

Junge Ausländer brauche das Land

Laut dieser Veröffentlichung zeigt eine Befragung von Unternehmen durch Civey im September und Oktober 2020, dass 55 Prozent der befragten Führungskräfte in jenem Jahre Engpässe bei Fachkräften erfahren haben und für 2021 keine Besserung erwarten. „Größere Unternehmen sind häufiger vom Fachkräftemangel betroffen als kleine“, sagt Matthias Mayer, eine der Autoren und laut Impressum „Senior Expert Programm Integration und Bildung“. Besonders der Gesundheitssektor und das Bauwesen litten unter Engpässen. Dies könne in Zeiten der Pandemie nicht sonderlich überraschen. Schon seit Jahren setze die Pflegebranche auch qualifiziertes Personal aus dem Ausland ein. Junge Deutsche finde man für diesen schlecht bezahlten Knochenjob kaum. Doch durch die Corona-Ausbrüche, teilweise Grenzschließungen und die Angst um die eigene Gesundheit scheine es auch schwieriger zu werden, Menschen aus Süd- und Osteuropa für diese Arbeit in Deutschland zu gewinnen. 

Für die Studie wurden je nach Frage 500 oder 2500 Entscheider in deutschen Unternehmen verschiedener Größen vom 21. September bis 20. Oktober 2020 online befragt. Um dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken, setzten die befragten Unternehmen in erster Linie darauf, neue Mitarbeiter auszubilden sowie das vorhandene Personal durch Weiterbildung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im eigenen Betrieb zu halten. Nur 17 Prozent gäben dagegen an, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.

Wie genau sich die Corona-Krise in Deutschland auf den Bedarf und die Zuwanderung von Fachkräften auswirken werde, sei noch nicht absehbar. Strukturelle Probleme der deutschen Wirtschaft hinsichtlich Facharbeitern seien indes auch schon vor dem Pandemie-Ausbruch sichtbar gewesen. So habe es bereits 2019 einen Rückgang an ausländischen Facharbeitern gegeben. Zudem sei eine stärkere Abwanderung von Arbeitsmigranten erkennbar gewesen. Deutschland sei im Vergleich zu anderen Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einfach nicht mehr attraktiv genug. 

Neben dem seit mehreren Jahren bekannten Fachkräftemangel in der Medizin, der Pflege und dem Baugewerbe kämen andere Bereiche dazu. Denn auch Arbeitskräfte mit einem höheren Fortbildungs- oder Studienabschluss würden dringend gesucht. Das gelte vor allem für Berufe aus den Bereichen Gesundheit sowie Mathematik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Technik (MINT). Laut Erhebungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sind heute zwei von drei Arbeitsplätzen, die eine entsprechende Berufsausbildung oder ein Studium voraussetzen, schwer oder gar nicht zu besetzen. Als Ursachen für den spürbaren Fachkräftemangel führen Forscher verschiedene Gründe an, nicht zuletzt die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft. Aufgrund der abnehmenden Geburtenraten in den letzten Jahrzehnten stünden dem Arbeitsmarkt immer weniger Fachkräfte zur Verfügung. Auch wenn Demographen nicht mehr mit einem weiterhin so starken Schrumpfen der Bevölkerung rechnen, werde die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter weiter kräftig sinken – um gut zehn Prozent bis zum Jahr 2040.

Das Land sei nicht anziehend genug

Seit Jahren gebe es daher Bestrebungen, vermehrt Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren. Aber sprachliche Verständigungsprobleme und Schwierigkeiten, Qualifikationen einzuschätzen zu können, seien immer noch die Hauptfaktoren, die Unternehmen von einer Suche im Ausland abhielten. Die Bertelsmann-Studie legt allerdings Wert auf den Hinweis, dass der geringe Fachkräftezuzug nicht zuletzt strukturell bedingt sei in dem Sinne, dass Zuwanderer auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlechter gestellt seien als Einheimische und unter ihnen solche aus Nicht-EU-Staaten noch einmal hinter solchen aus EU-Staaten zurückbleiben würden. 

Wie genau sich die Corona-Krise in Deutschland auf den Bedarf und die Zuwanderung von Fachkräften auswirken wird, ist nach Einschätzung der Autoren derzeit noch nicht absehbar. Allerdings gebe es bisher keine Anzeichen, dass die Pandemie etwas an der strukturellen Herausforderung des demografischen Wandels für die deutsche Wirtschaft ändern werde. „Auch wenn wir mit großen Unsicherheiten bei den Entwicklungen am Arbeitsmarkt rechnen müssen, werden Fachkräfte aus dem Ausland für deutsche Unternehmen angesichts der sinkenden Zahl einheimischer Arbeitskräfte eine zunehmend wichtige Rolle spielen“, erklärt Mayer. Das Credo und die Botschaft der Autoren lässt sich in etwa so zusammenfassen: Es würden vor allem junge Menschen aus dem Ausland benötigt, um dem Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen. Doch die, die qualifiziert seien, fänden Deutschland in aller Regel nicht attraktiv genug.