21.01.2022

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29.01.21 / Reisestationen / Von Alt Storkow über Zamzow nach Dramburg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04-21 vom 29. Januar 2021

Reisestationen
Von Alt Storkow über Zamzow nach Dramburg
Hermann Welk

Auf der Septemberreise durch Hinterpommern wurden große und kleine Ortschaften besucht, die einst den Mitreisenden Heimat waren. Es stand jetzt Alt Storkow auf dem Programm. Das Dorf liegt am äußersten nordöstlichen Ende des Kreises Saatzig. In der Ortsmitte des kleinen Bauerndorfes ist die Kirche erhalten geblieben. Auch das Gelände des ehemaligen Rittergutes gibt es noch. Am nördlichen Ende des Dorfes befindet sich der Friedhof. Dort wurde auf Initiative des Heimatkreisvorsitzenden Horst Born, der in Alt Storkow geboren wurde, im Jahre 2006 ein Lapidarium mit etwa 50 noch vorgefundenen Kreuzen und Grabsteinen sowie eine Leichenhalle errichtet. Der Besuch dieser vorbildlichen Anlage wie auch die des Großen Krebses in Nörenberg gehören zu dem Pflichtprogramm jedes Saatzigbesuchs. Insge­samt hat der Heimatkreis in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit dem Segen der katholischen Kirche bzw. mit staatlicher Genehmigung elf Lapidarien mit Grabsteinen und Grabkreuzen unserer verstorbenen Vorfahren geschaffen. Außerdem sind an mehreren Orten Gedenksteine aus deutscher Zeit vorhanden bzw. von uns neu errichtet worden.

Weiter ging unsere Fahrt nach Zamzow, ebenfalls am äußeren nordöstlichen Ende des Kreises Saat­zig. Hier fanden wir nur drei Häuser vor. Der Ort liegt am Truppenübungsplatz, heute von der Nato genutzt, an dessen Grenze wir mehrere Kilometer entlangfuhren.

Danach gelangten wir nach Dramburg, der ehemaligen Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Nach­dem der brandenburgische Kurfürst das Gebiet im 13. Jahrhundert erworben hatte, erhielten die Prenzlauer Ritter von Goltz den Auftrag, die Region wirtschaftlich zu entwickeln. Sie holten deut­sche Einwanderer in das Land. Dramburg erhielt 1297 das Magdeburger Stadtrecht. Die Stadt ent­wickelte sich trotz schwerer Schicksalsschläge zu einer blühenden Ansiedlung mit etwa 8.000 deut­schen Einwohnern im Jahre 1939, heute sind es mehr als 12.000 Polen. Das bedeutendste Bauwerk der Stadt ist die spätgotische Kirche St. Marien, ab 1946 umbenannt in Auferstehungskirche. In der von uns besichtigten Turmhalle dieser Kirche befinden sich zwei große Buntglasfenster mit den Namen der einflussreichen Großgrundbe­sitzer von Knebel-Doeberitz, von Borkenhagen, von Griesheim, von Zadow, von Borcke und von Grünberg. Diese Fenster stammen aus dem Jahre 1914, wurden im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört und da­nach von einem polnischen Künstler originalgetreu restauriert. 

Ein kurzer Abstecher nach Schiefelbein und Labes beendete den Ausflug in Gefilde außerhalb uns­res Kreises Saatzig. Über Freienwalde kamen wir nach Karkow, wo wir die Ruine des Schlosses sahen und dann im Durchfahren auch das Geburtshaus einer Mitfahrerin erkannten.

Erlebnis Heimat

Auf der gesamten Fahrt durch den Kreis Saatzig konnten wir sehen, dass die Wälder gesund sind, dass die Felder, soweit erkennbar, sachgerecht bewirtschaftet werden und die Natur im Gleichge­wicht ist. Jede Menge Kormorane und Rehe begegneten uns. Auch ein Fuchs und in einiger Entfer­nung davon ein Hase waren bei Sonnenschein auf dem weiten Land recht nah an der von uns befah­renen Straße zu beobachten. 

Insgesamt war diese Tagesfahrt, die einen besonderen Teil unserer Heimatreise ausmachen sollte, bei bestem Sonnenwetter ein einmaliges und besonderes Erlebnis. Wenn auch die Dörfer und viele Straßen abseits der Touristenströme einen tristen Eindruck bei uns hinterließen, kehrten wir tief beeindruckt und dankbar, die Heimat wiedergesehen zu haben, in unser Hotel zurück.