21.01.2022

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05.02.21 / Halbleiterindustrie / Der Hunger nach Silizium / Engpässe bei der Herstellung von Mikrochips treffen die deutsche Autoindustrie besonders hart

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-21 vom 05. Februar 2021

Halbleiterindustrie
Der Hunger nach Silizium
Engpässe bei der Herstellung von Mikrochips treffen die deutsche Autoindustrie besonders hart
Wolfgang Kaufmann

Der deutschen Automobilindustrie gehen die Mikrochips aus, die mittlerweile massenhaft in den Fahrzeugen verbaut werden. Deshalb mussten Volkswagen, Audi und Daimler inzwischen sogar die Produktion zurückfahren und Kurzarbeit anmelden. „Wir haben ein gravierendes Problem“, sagte kürzlich der VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh. Dieses war allerdings vorauszusehen.

Zu Beginn der Corona-Krise liefen weniger Fahrzeuge als davor vom Band. Deshalb waren die Chiphersteller gezwungen, sich neue Abnehmer zu suchen. Und die fanden sie auch. So stieg die Nachfrage seitens der Firmen, die Unterhaltungselektronik wie Fernseher und Spielkonsolen fertigen, durch veränderte Freizeitgewohnheiten angesichts der Lockdowns und des Zwangs zum Zuhausebleiben. Ebenso wurden die Halbleiter auch für die Beatmungsgeräte gebraucht, von denen eine Zeit lang gar nicht genug geliefert werden konnten. Dadurch wuchsen die Gewinne von Mikrochipherstellern wie Intel, Infineon, Carl Zeiss SMT oder Siltronic 2020 sogar um durchschnittlich vier Prozent.

Abhängigkeit von China

Inzwischen sind die Halbleiterschmieden dabei, wieder mehr Bauteile für die Autoindustrie in ihre Produktpalette aufzunehmen. Allerdings dauert die erneute Umstellung der Anlagen zwischen einem viertel und einem halben Jahr. Dazu kommt der Mangel an Silizium. Vor dem hatte die Deutsche Rohstoffagentur schon 2019 gewarnt: Silizium sei eine Ressource mit „hohen potentiellen Beschaffungsrisiken“. Das Element gibt es zwar in der Natur in Hülle und Fülle, aber die Betriebe für seine industrielle Weiterverarbeitung stehen meist in China. Und dort mussten im Laufe des letzten Jahres immerhin 20 Silizium-Produzenten wegen fehlenden Stroms die Arbeit einstellen – ausbleibender Regen hatte zur Abschaltung vieler Wasserkraftwerke geführt.

Dazu kamen weitere Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie. Daraus resultierte ein starker Einbruch bei den Silizium-Exporten Chinas. Statt wie bisher fünf Millionen Tonnen warf das Reich der Mitte 2020 bloß 2,2 Millionen Tonnen auf den Weltmarkt, während die anderen Produzentenländer von den USA über Brasilien und Australien bis Deutschland wie immer nur knapp eine Million Tonnen beisteuerten. Das hatte Einfluss auf die gesamte globale Fertigungskette bei Halbleitern, zumal mit der Solarbranche inzwischen auch noch ein weiterer großer Silizium-Abnehmer bereitsteht.

Diese Situation animiert nun verbreitet zum Umdenken. So forderte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie kürzlich mehr „technologische Souveränität“ durch die Erhöhung der eigenen Produktionskapazitäten bei Silizium, um die Abhängigkeit von China zu verringern.