20.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
05.02.21 / Verschiebebahnhof

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-21 vom 05. Februar 2021

Verschiebebahnhof
Bodo Bost

Die Hauptroute der Einwanderung in die EU führt von Griechenland noch immer über Nordmazedonien und Serbien nach Bosnien, wo sich im nördlichen Kreis Bihac die Gestrandeten stauen. Aber immer mehr Immigranten weichen jetzt auf ihrem Transit in die EU nach Albanien aus. Trotz Corona nahm 2020 die Zahl der in Albanien offiziell registrierten Flüchtlinge laut Auskunft des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) mit 12.000 noch zu. Die Mehrheit von ihnen sieht in Albanien nur eine Durchgangsstation und will ihre Reise fortsetzen, zumeist in Richtung Italien, auch weil die Versorgung vor Ort miserabel ist. Seit Mai 2019 arbeitet die albanische Grenzpolizei mit der EU-Grenzschutzagentur Frontex zusammen. 

Serbien hat mittlerweile auch einen neuen Grenzzaun zu Nordmazedonien gebaut und schickt von dort, wie Ungarn, die ungewollten Grenzbrecher zurück. Albaniens Grenzen sind dagegen immer noch relativ durchlässig. Schlepper schleusen Leute von dort mit Geld auch direkt über die Adria nach Italien, entweder in Containern oder mit kleinen Booten.

Während die Immigranten aus dem Westbalkan als Asylsucher in Deutschland in den Genuss einer hoch entwickelten und politisch gesteuerten Willkommenskultur kamen, verweigern deren Heimatländer eine solche den nachrückenden Migranten aus dem Nahen Osten. Sonst hätten sich Szenen wie die um das Migrantenlager Lipa in Bosnien über Weihnachten nicht abspielen können. Solche Szenen spielen sich ab in Regionen, aus denen selbst fast die Hälfte der Einwohner als Migranten fortgezogen ist. 

Die Hälfte der derzeitigen albanischen Bevölkerung war einmal Asylsucher in Mitteleuropa. Dass aus dem Küstenstaat, der bislang vor allem als Herkunftsland von Migranten von sich Reden machte, jetzt selbst ein Aufnahmeland für Migranten geworden ist, zeigt die ganze Absurdität des Asylwesens in Europa, das immer mehr anmutet wie ein riesiger Verschiebebahnhof.