26.01.2022

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12.02.21 / Vernachlässigt / Der Kampf gegen andere Krankheiten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-21 vom 12. Februar 2021

Vernachlässigt
Der Kampf gegen andere Krankheiten

Wie ein ungewollt an die Öffentlichkeit gelangtes Dokument aus dem Bundesinnenministerium besagt, könnten bereits der erste Lockdown im Frühjahr 2020 und die anderen damaligen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hierzulande zum Tode von bis zu 125.000 Menschen geführt haben. Schließlich starben ja nicht nur suizidal Veranlagte, die mit der Situation überfordert waren, sondern auch chronisch Kranke, Krebspatienten und andere gesundheitlich Gehandicapte aus dem Grunde, dass deren Versorgung streckenweise fast komplett zusammenbrach.

Allein zwischen März und Mai 2020 wurden acht von zehn geplanten operativen Eingriffen verschoben oder ganz abgesagt, darunter auch 50.000 Krebsoperationen. Gleichzeitig behandelten die Notaufnahmen der Kliniken ein Drittel weniger Patienten mit Herzinfarkten, Schlaganfällen und ähnlichen Krankheitsbildern – offensichtlich scheuten die Betroffenen in leichteren Fällen den Weg ins Krankenhaus. Und das hat Konsequenzen, wie der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin, Andreas Gassen, bereits Anfang Juni 2020 konstatierte: „Ein verschleppter Herzinfarkt oder ein zu spät entdeckter Tumor sind in der Regel sehr viel folgenreicher als eine Corona-Infektion.“

Infolge des ersten Lockdowns entfielen auch bis zu 80 Prozent der Vorsorgeuntersuchungen oder wurden gefährlich lange hinausgezögert. Ebenso blieben jene Personen auf der Strecke, die eine intensive präventive Betreuung benötigten, zum Beispiel wegen Suchtproblemen, Essstörungen oder psychischen Erkrankungen. Niemand vermag genau auszurechnen, wie viele Tote es durch all das geben wird oder schon gegeben hat, aber die deutsche Corona-Bekämpfung fordert definitiv Opfer. Und deren Zahl könnte am Ende höher liegen als die der „an oder mit Corona“ Gestorbenen.W.K.