26.01.2022

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12.02.21 / Porträt / „Vordrängler“ unter Beschuss

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 06-21 vom 12. Februar 2021

Porträt
„Vordrängler“ unter Beschuss

Der Fall sorgte bundesweit für Empörung: Der Oberbürgermeister (OB) von Halle an der Saale, Bernd Wiegand, hat sich und seine engste Rathaus-Umgebung vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen. Der CDU-Kreisvorsitzende von Halle, Marco Tullner, will aus dem Rathaus erfahren haben, dass „das gesamte OB-Büro bis hin zum Praktikanten und drei von vier Beigeordneten“ ebenfalls geimpft worden seien, wie Tullner der „Mitteldeutschen Zeitung“ mitteilte.

Wiegand ist parteilos, war nur kurz von 2009 bis 2011 einmal Mitglied der SPD. Politisch unterstützt wird er von der Wählervereinigung „Hauptsache Halle“. Geboren 1957 in Braunschweig hat er ein Studium als Diplomverwaltungswirt abgeschlossen und wurde 2001 in Rechtswissenschaft promoviert. 

2012 und 2019 entschied er zweimal die Stichwahl zum Hallenser Oberbürgermeister für sich, erst gegen einen CDU-Konkurrenten, 2019 gegen einen Kandidaten der Linkspartei.

Ein unbeschriebenes Blatt war Bernd Wiegand schon vor der Impf-Affäre nicht. So erhob die Staatsanwaltschaft 2014 Anklage gegen den Rathauschef wegen des Verdachts auf Untreue. Dem Oberbürgermeister wurde vorgeworfen, seine drei engsten Mitarbeiter in zu hohe Erfahrungsstufen erhoben zu haben, was eine unstatthaft hohe Besoldung nach sich gezogen habe, welche im Stadtsäckel in sieben Jahren mit insgesamt 300.000 Euro zu Buche schlug. 

Vom Vorwurf der Untreue wurde Wiegand später von der Wirtschaftskammer des Landgerichts Halle freigesprochen. Dennoch stellten die Richter fest, dass er  sich „zielgerichtet“ über die bisherige Einstellungspraxis in der Stadtverwaltung hinweggesetzt habe. Allerdings sei dies nicht aus finanziellen, sondern aus anderen Gründen geschehen.

Das Verhältnis Wiegands zum Stadtrat gilt schon länger als angespannt. Dort wird ihm Selbstherrlichkeit vorgeworfen. Da passte sein Vordrängeln bei der Impfung ins Bild. Zumindest die FDP will nun seinen Rücktritt.  H.H.