26.01.2022

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19.02.21 / Immigration / Geflüchteter Syrer strebt in den Bundestag / Als Vertreter der Grünen fordert er die Änderung der Inschrift auf dem Reichstagsgebäude

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-21 vom 19. Februar 2021

Immigration
Geflüchteter Syrer strebt in den Bundestag
Als Vertreter der Grünen fordert er die Änderung der Inschrift auf dem Reichstagsgebäude
Bodo Bost

Der 31-jährige Tariq Alaows kandidiert für die Grünen als erster Immigrant aus Syrien für den Bundestag. Alaows hatte in Aleppo und Damaskus ein Jurastudium begonnen, als der syrische Bürgerkrieg ausbrach. Weil er an friedlichen Demonstrationen teilnahm und humanitäre Hilfe für den Roten Halbmond leistete, sei er ins Visier des Regimes geraten. Als er im Juli 2015 von den offenen Grenzen Deutschlands erfuhr, habe er sich zur „Flucht“ entschieden. 

Nach zwei Monaten erreichte er über die Balkanroute Deutschland, wo er monatelang in Bochum in einer Turnhalle leben musste. Nachdem er in wenigen Monaten im Selbststudium Deutsch gelernt hatte, begann er, sich erneut politisch zu betätigen. In der Gruppe „Refugee Strike Bochum“ streikte er für bessere Wohnverhältnisse für Immigranten. Gleichzeitig fand er einen Job als Sozialberater, der anderen Asylsuchern Rechtsberatung anbietet. Aktuell besitzt Alaows eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland, er hoffe aber bald auf die deutsche Staatsangehörigkeit. Nur damit kann er für den Bundestag kandidieren. Für den Wahlkreis Dinslaken/Oberhausen wurde er dennoch bereits als Direktkandidat der Grünen aufgestellt. 

Als Direktkandidat aufgestellt

In seinem Presse-Vorstellungsgespräch stellte der grüne Immigrant nur Forderungen wie mehr Rechte und soziale Hilfen für Immigranten. Von einer Bringschuld zur Integration sprach er bislang nicht. In einem Interview des Redaktionsnetzwerkes Deutschland hatte er sogar gefordert, die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ am Reichstagsgebäude in „Für alle Menschen, die in Deutschland leben“ zu ändern. Nach heftiger Kritik bei Twitter ruderte er aber zurück: „Es geht nicht um die Inschrift, es geht um die Taten.“  

Um seine Chancen auf ein Bundestags-Mandat zu erhöhen, will er sich am 10. und 11. April beim Wahlparteitag der Grünen in Dortmund für einen Platz auf der Bundestagsliste der NRW-Grünen bewerben. Seine Chancen stehen gut für einen aussichtsreichen Listenplatz, hieß es aus Parteikreisen.

Obwohl Alaows nur kandidieren kann, weil die Kanzlerin im Herbst 2015 die Grenzen aufgemacht hatte, ist er von ihrem Regierungkurs enttäuscht. Indirekt macht er sie für das Sterben im Mittelmeer und die unwürdigen Zustände in den Lagern an den EU-Außengrenzen verantwortlich, weil Deutschaland die Aufnahme von mehr Zuwanderern blockiere. 

2017 hatte der angesehene Soziologieprofessor Bassam Tibi (76), der 1962 Syrien verlassen hatte, um in Deutschland zu studieren, der PAZ gesagt: „Wenn ein Staat darauf verzichtet, seine Grenzen zu kontrollieren, ist er wissenschaftlich gesehen ein ,failed state‘, ein gescheiterter Staat. Das Recht auf Asyl ist ein individuelles und kein Gruppenrecht.“