16.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
26.02.21 / Corona-Folgen / Die Weltbevölkerung wächst kaum noch / „Fruchtbarkeitskiller“ Krise und Unsicherheit – Auswirkungen auf die Geburtenrate in West und Ost

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-21 vom 26. Februar 2021

Corona-Folgen
Die Weltbevölkerung wächst kaum noch
„Fruchtbarkeitskiller“ Krise und Unsicherheit – Auswirkungen auf die Geburtenrate in West und Ost
Bodo Bost

Erste statistische Angaben für das Jahr 2020 deuten darauf hin, dass die Corona-Pandemie in den westlichen Ländern nicht nur Auswirkungen auf die Mortalität, sondern auch auf die Fruchtbarkeit hat.

Wie das Statistische Bundesamt im Januar mitteilte, gab es im Jahr 2020 nach vorläufigen Schätzungen kein Bevölkerungswachstum in Deutschland. Dass die Pandemie Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung hat, besonders in den westlichen Ländern, erscheint nicht überraschend, denn sie wirkt sich auf alle drei Faktoren der Entwicklung aus: Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Migration. In erster Linie hat die Pandemie die Sterberate erhöht, je nach Land um fünf bis 20 Prozent. Dass es 2020 auch weniger Geburten gab, ist jedoch eine Überraschung. Rückläufige Geburtenzahlen infolge von Krisen und Unsicherheit sind zwar nichts Ungewöhnliches. Sie sind normalerweise allerdings mit einer neunmonatigen Verspätung feststellbar. Der Corona-bedingte Geburtenrückgang hätte sich also frühestens ab Oktober 2020 zeigen und hätte erst 2021, vielleicht sogar noch später, voll zum Tragen kommen dürfen. Deshalb war man umso überraschter, als schon im Januar drei trendsetzende Länder wie China, Russland und Frankreich historische Geburtentiefstände verkündeten. 

In Russland, das flächenmäßig größte Land der Erde, ist die Einwohnerzahl erstmals seit 15 Jahren geschrumpft. Sie sank nach Angaben des Russischen Amtes für Statistik (Rosstat) im vergangenen Jahr um etwa eine halbe Million. Experten sehen den Hauptgrund für den Rückgang in der Pandemie. Nach Angaben von Rosstat starben allein von Januar bis November 2020 rund 229.700 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Übersterblichkeit von mehr als 13 Prozent. Das ist ein weltweiter Spitzenwert. Die Anzahl der Corona-Toten war also etwa dreimal so hoch wie in der Pandemiestatistik wiedergegeben.

Vor allem im bevölkerungsreichsten Land der Erde, in China, ist die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr auf einen „alarmierenden“ Tiefstand seit Beginn der demografischen Aufzeichnungen im Jahre 1953 gefallen. Allein im Vergleich zum Vorjahr seien in China 15 Prozent weniger Neugeborene amtlich gemeldet worden, berichtete das Ministerium für öffentliche Sicherheit in Peking. Die Zahl sei von 11,8 auf 10 Millionen gefallen. Experten warnten schon seit einiger Zeit vor einer Überalterung im Reich der Mitte, die damit noch deutlich schneller als erwartet voranschreitet. 

Das könnte auch Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Wirtschaftsnation haben. Als Gründe für diesen Rückgang wurde in der Volksrepublik nicht die Pandemie genannt, obwohl sie dort angefangen hat, sondern die hohen Kosten für Bildung und Wohnungen infolge des Wirtschaftswachstums und der Zunahme der Korruption. Infolge der hohen Lebenshaltungskosten geht auch die Zahl der Eheschließungen in China zurück, während die Scheidungsrate sich auf einem hohen Niveau eingependelt hat. Auch die Abschaffung der Ein-Kind-Politik im Jahre 2015 hatte keinen positiven Effekt auf die Geburtenhäufigkeit, denn viele Paare warten wegen der steigenden Lebenshaltungskosten mit der Heirat und gründen erst später Familien.

Auch in Frankreich hat sich die Pandemie bereits 2020 negativ auf das Bevölkerungswachstum niedergeschlagen. Das Land verzeichnete 2020 zwar noch keinen Sterbeüberschuss, allerdings stieg laut dem französischen Amt für Statistik, dem Institut national de la statistique et des études économiques, die Mortalität mit neun Prozent erheblich. Dort fiel erstmals der Geburtenüberschuss auf nur noch 60.000. Die Geburtenhäufigkeit pro Frau ist in Frankreich zum ersten Mal unter den Reproduktionsfaktor 2,1 gefallen, der notwendig ist, um die Bevölkerung gleich groß zu halten. 

Ihrer geburtenfreundlichen Politik hatte es die Französische Republik zu verdanken, dass die Bevölkerung von 1950 bis 2019 von 50 auf 67 Millionen angestiegen war. In Deutschland ist im gleichen Zeitraum die Bevölkerung lediglich von 75 auf 83 Millionen gestiegen, und dies hauptsächlich aufgrund der Zuwanderung. 

Wegen der Pandemie errechneten die Statistiker erstmals auch seit Jahrzehnten einen Rückgang bei der Lebenserwartung. 2019 sei sie noch angestiegen, 2020 ist sie leicht zurückgegangen. Bei Frauen betrug der Rückgang 0,4 Jahre, bei Männern ein halbes Jahr.