17.01.2022

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26.02.21 / Tierparks im Lockdown / Wenn’s dem Affen zu langweilig wird / Zootiere vermissen ihre Besucher: Pfleger lassen sich allerhand einfallen, um ihre Schützlinge zu unterhalten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-21 vom 26. Februar 2021

Tierparks im Lockdown
Wenn’s dem Affen zu langweilig wird
Zootiere vermissen ihre Besucher: Pfleger lassen sich allerhand einfallen, um ihre Schützlinge zu unterhalten
Dagmar Jestrzemski

Wegen des Lockdown bleiben auch fast alle Zoos und Tierparks geschlossen. Während die Betreiber mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen, ist auch für viele Tiere die Umstellung auf ein besucherloses Dasein offenbar problematisch. Die Parkanlagen sind verödet, und auch im Affen- und Elefantenhaus sind nur die Tierpfleger unterwegs. Schon während des ersten Lockdown bemerkten die Mitarbeiter veränderte Verhaltensweisen bei vielen ihrer Schützlinge. 

Vor allem die im Zoo geborenen großen Säugetiere wirken auch im zweiten Lockdown wieder gelangweilt oder nervös. Den Gorillas und Schimpansen fehlt nicht nur die Aufmerksamkeit der Besucher, sondern auch ihre eigene Beobachtung der vielen neugierig dreinblickenden Menschen. Menschenaffen können gut zwischen Gesichtern unterscheiden. 

Toni hat jetzt einen Fernseher

Im Münchener Tierpark Hellabrunn setzen sich die Gorillas an die Scheibe, um die vorbeikommenden Pfleger zu einer Ansprache zu bewegen. Im Dresdener Zoo wurde dem Orang-Utan Toni zur Unterhaltung in der besucherlosen Zeit ein Fernseher vor das Glasfenster gestellt. Die Kapuzineräffchen im Berliner Zoo sehnen sich ebenfalls nach den Gästescharen, wie ihre Pfleger versichern. Im Zoo und im Tierpark der Hauptstadt bleiben während des erneuten Lockdowns nur die Außenanlagen unter strengen Auflagen geöffnet. 

Aber auch andere hochintelligente Tiere wie Robben und Papageien interagieren auf ihre Weise mit den Besuchern, die sie jetzt vermutlich vermissen. Selbst die Tiger im Frankfurter Zoo kommen in ihrem Außengehege öfter als gewöhnlich ans Gitter heran, wenn sich ihnen ihre Pflegerin nähert. Nicht nur für Hauskatzen, auch für Löwen und Tiger sind Düfte eine willkommene Abwechslung, umso mehr während der besucherlosen Zeit. 

Die Tierpfleger von Hellabrunn stecken den Löwen Wolle von den Lamas in einen Papiersack. Der wird von den Löwen zerfetzt, sodass die Wolle in alle Richtungen fliegt. Zebrakot, im Gehege verteilt, weckt ebenfalls das Interesse der Großkatzen. Den Elefanten im Hamburger Tierpark Hagenbeck geht mit den ausbleibenden Besuchern auch die traditionelle, kurzweilige Fütterung durch dieselben ab. 

Ziegen wollen gestreichelt werden

Vergeblich warteten die Dickhäuter schon während des ersten Lockdown auf die Zoobesucher, die ihnen Karottenstücke zureichten, welche sie vorsichtig mit der Rüsselspitze abnahmen. Ersatzweise werden die Tiere nun beschäftigt, indem mehr Streufutter auf der Anlage verteilt wird, sodass sie sich auf Futtersuche begeben müssen. Am meisten vermissen wohl die Ziegen in den Streichelzoos die Kinder und ihre täglichen Streicheleinheiten. Die Tierpfleger im Zoo Hellabrunn werden jetzt von den Ziegen regelrecht bestürmt, sobald sie ihr Gehege betreten.

Mit einer spektakulären Aktion machte der Kansas City Zoo im US-Bundesstaat Missouri auf sich aufmerksam: Im Mai brachte der Zoo seine Pinguine Bubble, Maggie und Berkley ins örtliche Kunstmuseum. Die putzigen Tiere watschelten durch leere Räume, vorbei an Gemälden der berühmten alten Meister. Zeitweise schienen sie tatsächlich interessiert zu gucken.