16.04.2024

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26.02.21 / Wintersport / Kanada blieb unerreicht / Eishockey in Ostpreußen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-21 vom 26. Februar 2021

Wintersport
Kanada blieb unerreicht
Eishockey in Ostpreußen

„Neben Berlin und Bayrischen Vereinen hat das Kampfspiel des Eises in Ostpreußen eine besondere Pflegestätte gefunden, denn keine andere Provinz besitzt derart günstige Eisverhältnisse wie die im fernen Osten. Königsberg ist Mittelpunkt, und um die Ostpreußische Meisterschaft entspinnt sich jedes Jahr ein heftiger Kampf. Die im Sport äußerst tüchtige Provinz scheint sich zu einem ‚deutschen Kanada‘ zu entwickeln, die 136 Eistage des letzten Winters reden eine deutliche Sprache“, so fasst die „Berliner Zeitung am Mittag“ im Jahre 1928 den Eishockeysport in Ostpreußen zusammen, dabei erreichte dieser Sport erst elf Jahre später seinen eigentlichen Höhepunkt im „Ostland“, wie Ostpreußen bei sportlichen Themen genannt wurde. Im Endspiel um die deutsche Jugendmeisterschaft gewann Ostland im Finale gegen Wien, doch ein Spiel gegen die noch heute auf dem Eis gefürchteten Kanadier sollte es für diese Jugendmannschaft nicht mehr geben.

Heimatbriefe als Quelle

Oliver Botsch hat sich auf die Suche gemacht, um den Eishockeysport in Ostpreußen ein Stück weit wieder ins Bewusstsein zu bringen. Seine 66 Seiten starke Broschüre „Eishockey in Ostpreußen und Danzig bis 1945“ erschien in Eigenregie im Jahr 2011. Zu seinen Quellen gehörten unter vielen anderen auch die Heimatbriefe der Kreisgemeinschaften Rastenburg, Lyck, Ortelsburg, Wehlau, Tilsit und natürlich Königsberg. Diese Heimatbriefe bieten auch heute noch einen reichen Fundus an Themen. Vielleicht werden noch viele dem Beispiel von Oliver Botsch folgen.  Auf den DIN-A4-großen Seiten trägt Botsch sämtliche Spielergebnisse und Zeitungskommentare zusammen. So spielten beispielsweise nicht nur die großen Sportvereine gegeneinander, sondern auch die das Königsberger Stadtgymnasium gegen der Oberrealschule Wehlau. An diesem 11. Februar 1929 gewann Wehlau mit 1:3. Noch Anfang März gewann im selben Jahr der Königsberger Hockeyclub gegen Prussia Samland Königsberg mit 6:0. 1929 entschied der VdS Tilsit das Finale gegen den VfL Rastenburg mit 0:3. Schiedsrichter Koller, so recherchierte Botsch, wurde von der Prussia Samland Königsberg gestellt und Frohwerk lautete der Name des Tilsiter Torhüters.

Zum Eislaufen bedarf es Eis

Aber nicht nur die Mannschaften mit ihren Ergebnissen finden hier einen Platz. Interessant beschreibt der Autor, wie das sportliche Winterereignis Schlittschuhlaufen in Königsberg Einzug hielt. Eislauf gab es nicht nur auf dem Oberteich und den Wiesen der Lomse, sondern natürlich auch auf dem Schlossteich. In den 30er Jahren wurde dieses Gut auch wirtschaftlich genutzt. Im Jahr 1910 betrug die Pacht für die Schlossteich­nutzung pro Winter noch 2000 Mark.

Magistratsbeschluss

Mit dem Direktor des städtischen Amtes für Leibesübungen, Julius Podehl, wurde jedoch ein Magistratsbeschluss herbeigeführt, der besonders positive Auswirkungen auf das sportliche Geschehen in Königsberg hatte. Es wurden alle Stacheldrähte auf dem Schlossteich beseitigt und die Eislaufplätze nicht mehr einzeln verpachtet. Jetzt wurde der gesamte Bereich hergerichtet und alle durften ihrer eisigen Leidenschaft frönen. Im Ostpreußenblatt vom 2. März 1963 heißt es: „Südlich der Schloßteichbrücke wurde in der Mittelachse ein Kunstlaufplatz und ein Eishockeyplatz, ferner nahe der Stadthalle ein Platz für Schulklassen ausgewiesen und durch die Fähnchen und Schneewälle kenntlich gemacht. Die gesamte zwischen diesen Einheiten verbleibende Fläche stand der Allgemeinheit zur Verfügung“. Ein Rundlauf vom Münzplatz zur Stadthalle zurück ergab die Laufstrecke rund einen Kilometer. „Gleich im ersten Jahr wurden so viele Tages- und Dauerkarten verkauft, daß die für die Pflege der Eisbahn auflaufenden Kosten voll wieder eingebracht wurden. Die Sportplätze wurden für die interessierten Vereine nach Stundenplan vergeben.“ Mit diesem Beschluss konnten alle und nicht nur wenige die Eisflächen nutzen. 

Herbert Schibukat

Ein Superstar des Eishockeys war der Rastenburger Herbert Schibukat. Schon mit fünf Jahren stand er 1919 auf Schlittschuhen und kam schon früh in die Jugendmannschaft des Rastenburger Sportvereins. Mit 19 Jahren war er der jüngste Spieler der Nationalmannschaft. Selbst während des Zweiten Weltkrieges erzielte er im Eishockey Tore, seinerzeit jedoch für den Rot-Weiß-Berlin, der Sammelpunkt für viele Nationalspieler war. Doch letztlich verhinderte der Krieg die Sportkarriere vieler junger Spieler. Schibukat schaffte es immerhin noch in den Verein Preußen Krefeld und trat als Verteidiger in der Eishockeymeisterschaft 1951/52 auf. Auch bei den Olympischen Spielen in Oslo 1952 traf er gegen die Norweger und bestritt ein Jahr später sein letztes Länderspiel mit einem Tor gegen Schweden.CRS