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26.02.21 / Immanuel Kant / Zum Jubiläum / „Der bekannteste Denker Europas“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-21 vom 26. Februar 2021

Immanuel Kant
Zum Jubiläum
„Der bekannteste Denker Europas“
Edmund Ferner

In der laufenden Kant-Dekade zu seinem 300. Geburtstag ist unsere Ostpreußische Landsmannschaft in Schleswig-Holstein bemüht, den größten deutschen Philosophen zu würdigen.

Im Alter zwischen 24 und 46 Jahren veröffentlicht Immanuel Kant Bücher über alles, was ihn interessiert: Theorie des Himmels, Erdbeben, das Schöne und Erhabene, Geschichte, Politik, Erziehung und Menschenkenntnis. Darüber hält er in Königsberg Vorlesungen. Er ist ein bekannter Literat und Aufklärer. Im Alter zwischen 45 und 57 Jahren arbeitet er an seinen philosophischen Hauptwerken. 1781 erschient die „Kritik der reinen Vernunft“, 1788 die „Kritik der praktischen Vernunft“ und 1790 die „Kritik der Urteilskraft“. Die drei Bücher stehen im Zusammenhang. Sie gründen eine neue, eine kritische Philosophie und damit Kants Ruhm.

Sohn eines Sattlers

Der Sohn eines Königsberger Sattlers ist seit 1770 Professor für Logik und Metaphysik. Seine Vaterstadt verlässt der Junggeselle fast nie. Sein Tag von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends verläuft mit großer Regelmäßigkeit. Klein, mager, etwas schief gewachsen, nennen Freunde ihn den kleinen „Magister“. Jeder bewundert seinen scharfen Verstand. Die wachsende Anerkennung macht ihn selbstsicher. Jeden Kreis weiß er witzig zu unterhalten. 

Seine Lehrtätigkeit gestaltet er als Anleitung zum Denken. Da Logik sein Fach ist, fragt er früh, wie weit Logik reicht. Er entdeckt, dass Logik und reale Verhältnisse nur teilweise übereinstimmen, nämlich soweit wie die Kategorien des Verstandes reichen. Deckungsgleich sind Logik und Realität nicht. Deshalb kann immer nur von begrenzter Erkenntnis die Rede sein. Die „Dinge an sich“ wie Kant sie nennt, bleiben unerkannt, auch wenn sie auf die Erkenntnis einwirken. Erkannt wird nur, was dem Verstand entspricht. Begrenztheit ist der Preis der Gewissheit.

Kant sieht, dass alle Wissenschaft auf Gewissheit gründet. Die Rätselfrage aller Erkenntnis bringt er auf den Punkt: Wie weit ist Übereinstimmung zwischen den Bildern des Verstandes und den tatsächlichen Gegebenheiten möglich? Und er zieht die Grenze: Sie ist nur möglich, soweit die Verstandesregeln reichen.

Diese Grenze aufgezeigt zu haben, ist Kants Verdienst. Die Entdeckung ist für viele eine Offenbarung, andere wollen sich damit nicht abfinden. Die von Kant behauptete Begrenztheit des Verstandes stört sie. Daraus entsteht der deutsche Idealismus, der sich auf Kant beruft, ihn aber zu überwinden trachtet.

Für diesen Zweck bietet die „Kritik der praktischen Vernunft“ sich an. Hier untersucht Kant die Willensfreiheit, das freie Handeln und die Moral. Für die Freiheit gilt die Begrenztheit der Erkenntnisse nicht. Der Wille kann gegen die Realität handeln.

Deutscher Idealismus

So verkümmert im deutschen Idealismus die Erkenntniskritik. Das Absolute wird zum Wunschtraum. Die Freiheit soll ihn verwirklichen.

Auch Kant sieht den Menschen durch Freiheit bestimmt. Weil diese den Verstand übersteigt, ist sie ihm „übersinnlich“. Zu verstehen ist sie nur in Verbindung mit den Gesetzen der Moral. Sie sind Thema der Kritik der praktischen Vernunft. 

Der Autor ist Vorsitzender der Landesgruppe Schleswig-Holstein der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.