18.01.2022

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05.03.21 / Salzburger Domquartier / Aus dem Dornröschenschlaf erweckt / Die Privatkapelle von Erzbischof Schwarzenberg wurde restauriert – Das Kleinod des Historismus steht zur Besichtigung offen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-21 vom 03. März 2021

Salzburger Domquartier
Aus dem Dornröschenschlaf erweckt
Die Privatkapelle von Erzbischof Schwarzenberg wurde restauriert – Das Kleinod des Historismus steht zur Besichtigung offen
Helga Schnehagen

Bis ins 19. Jahrhundert lenkten die Fürsterzbischöfe von ihrer Salzburger Residenz aus die Geschicke des Territoriums. Über Jahrhunderte wurde an dem Palast mit seinen drei Innenhöfen und rund 180 Räumen gebaut. Friedrich Fürst zu Schwarzenberg (1809–1885) war nach der Säkularisation von 1803 der letzte Erzbischof, der die Residenz als Wohn- und Repräsentationsort nutzen durfte. 

Weniger bekannt als seine berühmten Vorgänger, spielte er dennoch eine wichtige Rolle für die Geschichte des Gebietes. Denn es war auch seinem Wirken zu verdanken, dass Salzburg nach den Wirren der Napoleonischen Kriege als Provinzstadt des Habsburgerreiches nicht in der Bedeutungslosigkeit versank. Schwarzenberg war 1835, mit nur 26 Jahren, zum Erzbischof von Salzburg gewählt worden und entwickelte sich durch sein soziales Engagement sowie als Kunstmäzen und Diplomat zu einer der bedeutendsten Salzburger Persönlichkeiten im 19. Jahrhundert.

Jetzt wurde seine Privatkapelle aus dem Dornröschenschlaf erweckt und mit einem finanziellen Aufwand von rund 220.000 Euro durch die Salzburger Burgen & Schlösser Betriebsführung aufwendig restauriert. Bei der um 1844 entstandenen Kapelle handelt es sich um eines der frühesten Beispiele des Historismus in Österreich. Ein Gesamtkunstwerk, wie es heute dort nur noch selten in dieser Vollständigkeit zu finden ist. Nach Schwarzenbergs Weggang aus Salzburg in Richtung Prag geriet dieses frühe Beispiel neugotischer Kunst in Vergessenheit. Der Raum wurde profaniert, die Inneneinrichtung deponiert, die Wandmalereien überfasst. Nur durch viel Glück blieb die Kapelle erhalten.

Nicht nur dass die in verschiedenen Institutionen ausgelagerte Ausstattung wie Altar, Kerzenständer, Betschemel oder Beichtstuhl an ihren Ursprungsort zurückfand, sie wird auch durch die Schenkung eines Gemäldes von Radbot Habsburg aus dem Besitz seiner Vorfahren ergänzt. Es zeigt den Heiligen Ferdinand und die Heilige Adelheid, die Namenspatrone des Großherzogs der Toskana, Ferdinand IV., und seiner Frau Prinzessin Alicia von Bourbon-Parma. Das Bild war ein Geschenk zu ihrer Silberhochzeit, die am 11. Januar 1899 in der Residenz gefeiert wurde, wo das Paar ein halbes Jahrhundert (1868–1919) gewohnt hat. 

Ab sofort kann die Schwarzenberg-Kapelle im Rahmen des Rundgangs durch das Domquartier besichtigt werden. Das Domquartier umfasst den gesamten Gebäudekomplex, der den Domplatz einrahmt: die Alte Residenz mit den Prunkräumen und der Residenzgalerie, das Nordoratorium und die Orgelempore des Doms, das Dommuseum und die Kunst- und Wunderkammer, die Lange Galerie St. Peter sowie das Museum St. Peter. Das Domquartier ist täglich außer Dienstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet (Internet: www.domquartier.at).