23.01.2022

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05.03.21 / Erste Sekretäre / Was aus den FDJ-Chefs wurde

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-21 vom 03. März 2021

Erste Sekretäre
Was aus den FDJ-Chefs wurde
Manuel Ruoff

Die bekanntesten Vorsitzenden der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die zu Zeiten der SBZ und DDR den Titel „Erster Sekretär“ trugen, sind zweifellos Erich Honecker und Egon Krenz. Als Einzige brachten sie es nach ihrer FDJ-Zeit zum Partei- und Staatschef. Bezeichnenderweise haben sie mit jeweils neun Jahren – 1946 bis 1955 bei Honecker, 1974 bis 1983 bei Krenz – die längste Amtszeit. 

Es folgt mit acht Jahren – 1959 bis 1967 – Horst Schumann. Drei Jahre nach der Abgabe des FDJ-Amtes wurde er Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig, was er bis 1989 blieb. Karrierefördernd war, dass sein Vater Georg Schumann von der kommunistischen NS-Widerstandsgruppe Schumann-Engert-Kresse-Gruppe einen gewissen Bekanntheitsgrad besaß. Weniger karrierefördernd waren seine Differenzen mit Honecker. Bei den Leipziger Montagsdemonstrationen spielte er keine Rolle, da er krankheitsbedingt ausfiel. Er starb 1993.

Auf ein gutes halbes Dutzend Amtsjahre als Erster Sekretär brachte es Schumanns direkter Nachfolger und Krenz’ direkter Vorgänger, Günther Jahn. Ab 1976 war er in der SED Erster Sekretär der Bezirksleitung Potsdam. Im November 1989 trat er von diesem Amt zurück. 1991 trat er aus der PDS aus. 2015 starb er.

Krenz’ Nachfolger Eberhard Aurich brachte es auf sechs Amtsjahre. Zusätzlich zu seinem Amt in der FDJ war er ab 1981 Mitglied des Zentralkomitees der SED und Abgeordneter der Volkskammer sowie ab 1986 Mitglied des Staatsrates. Die Posten in FDJ und SED behielt er bis 1989, die in Parlament und kollektivem Staatsoberhaupt bis 1990. 1991 trat er aus der PDS aus. 

Auf vier Jahre Amtszeit kam Honeckers direkter Nachfolger, Karl Namokel. 1959 wurde er auf dem VI. Parlament der FDJ wegen „Schwächen und seiner fehlenden Erfahrungen in der Jugendarbeit“ abgelöst. Vier Jahre später endete auch seine Mitgliedschaft im SED-Zentralkomitee und in der Volkskammer. Er starb ein Jahr vor der Friedlichen Revolution.

In den dem Mauerfall folgenden beiden Jahren des Umbruchs gaben sich die FDJ-Chefs die Klinke in die Hand. Nach der Absetzung Aurichs auf der 13. Tagung des Zentralrats der FDJ wurde Frank Türkowsky dessen Nachfolger. Der gebürtige Görlitzer kam von der FDJ-Bezirksleitung Dresden, in der er ab 1988 Zweiter und ab August 1989 Erster Sekretär gewesen war. Als Ergebnis des XIII. Parlaments der FDJ wurde Türkowsky bereits im Januar 1990 abgelöst. Er ging zurück nach Dresden, wo er bis 1992 in der dortigen Bezirksleitung der PDS tätig war.

Türkowskys Nachfolgerin, Birgit Schröder, war die erste Frau an der Spitze der FDJ. Sie amtierte vom Januar 1990 bis zum 3. Bundeskongress im März 1991. Vorher war sie ab 1988 Erster Sekretär der FDJ-Stadtbezirksleitung Magdeburg-Nord gewesen. 

Das Jahr 1990 war für die FDJ als Kaderschmiede von DDR und SED gleich in doppelter Hinsicht von großer Bedeutung. Die DDR hörte auf zu existieren. Und die SED erkannte die FDJ nicht mehr als ihren Jugendverband an. Für die Karriereplanung ist die FDJ damit ziemlich uninteressant geworden. Weder Kaderschmiede der Bundesrepublik noch der Linkspartei hatte die FDJ 2003 nur noch um die 150 Mitglieder.