18.01.2022

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05.03.21 / Neues im Jubiläumsjahr / Drei Bücher von und über Ulrich Schacht / Die „edition buchhaus loschwitz“ legt einen Essayband vor, andere folgen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-21 vom 03. März 2021

Neues im Jubiläumsjahr
Drei Bücher von und über Ulrich Schacht
Die „edition buchhaus loschwitz“ legt einen Essayband vor, andere folgen

In Vergessenheit zu geraten droht Ulrich Schacht nicht. Zweieinhalb Jahre nach seinem Tod, in dem Jahr, in dem er seinen 70. Geburtstags begangen hätte, finden gleich drei Werke, die seinen Namen auf dem Titelblatt verzeichnen, ihren Weg in die Buchhandlungen. Soeben erschienen ist eine Zusammenstellung von Essays, die er bereits an verschiedenen, mitunter entlegenen Orten publiziert hatte. Nun sind sie in einer Sammlung greifbar, was ob ihrer gemeinsamen inhaltlichen Bezüge, vor allem aber ob ihrer Zeitlosigkeit sehr zu begrüßen ist. 

In der „edition buchhaus loschwitz“ liegt mit „Im Schnee treiben. Essays zum poetischen Weltverständnis“ ein Band vor, der einen Eindruck von Schachts beeindruckendem Bildungshorizont vermittelt. Poesie, das Poetische wird hier von einem, der selbst eine Vielzahl einfühlsamer Gedichte geschaffen hat, in den Blick genommen, im weiten Sinne. Literarische, historische, geographische, philosophische und religiöse Sphären werden verbunden, und – sonst wäre es wohl kein „echter“ Schacht – das Provozierende kommt ebenso zu seinem Recht.

Der mystische Zusammenhang

Unter der Überschrift „Dem Finger Gottes nah“ hat Heimo Schwilk ein Vorwort beigesteuert, in welchem er der Frage nach den Positionen, nach den Antrieben, nach der „Kraftquelle“ des Autors Schacht nachgeht. Beharrt habe dieser darauf, „dass die Schöpfung nicht aus dem Nichts kommt, sondern einen Schöpfer voraussetzt“. Beklagt habe er, dass der „mystische Zusammenhang zwischen dem Ganzen und dem Einzelnen“ heute „kaum mehr spürbar“ sei.

Schacht ist der Auffassung, der Poet bezeuge „Elementares, das nicht zur Debatte steht“. Die „Moderne“, gegen die er hier anschreibt, lebe „als ideologisches Ereignis“ von „der totalen Behauptung, alles gründe sich in Grundlosigkeit“. Die „moderne Poesie“ ist ihm Widerspruch in sich: „Poesie ist immer nur Poesie; aber das ist ihr unerschöpflicher Reichtum“. Und: „Das Lachen ist dem Gedicht nicht fremd; aber das befohlene Lachen ist ihm fremder als das unterdrückte.“ 

Für die Natur-Poesie – eines seiner ureigensten Felder – plädiert er. Die Frage, was ihn etwa an Küsten, auf Inseln ziehe, „wo Wind, Brandung und Getier den intakten Ton angeben“, beantwortet er mit: „Das Idyll.“ Und er fügt hinzu, dem „Idyll ist zu trauen“. Nicht alle Überlegungen Schachts sind so unmittelbar eingängig wie diese. Manches muss und sollte man zweimal lesen, am Ende erschließen sich die Dinge mit großem Erkenntnisgewinn.

Schacht vertritt die Ansicht, „Geschichte des Gedichts ist ohne Geschichte des Gebets nicht oder nur misszuverstehen“, und er nimmt Bezug auf den für ihn auch anderweitig zentralen Satz von Leon Bloy „Das Gebet ist die Arbeit der Freien.“ Zu einer „Moral der Poesie“ merkt er an: „Wenn es das Gedicht nicht gäbe, gäbe es die Welt nicht in ihrer subjektiven Zuspitzung: auf der sie – als ästhetisches Freiheits-Ereignis – beruht.“ 

Von Biermann bis Tellkamp

In einem Essay gelingt es Ulrich Schacht, Geld, Gold und Gedichte zusammenzubringen. Ausführlich betrachtet wird der Romantiker Joseph von Eichendorff, der auch schon zu seiner Zeit die Individuen zugunsten von Massen verschwinden sah. Und immer wieder kommen in dem Band die von Schacht geschätzten Weltgegenden zur Sprache, etwa Spitzbergen oder die russische Inselgruppe Franz-Josef-Land nördlich von Sibirien, und er spricht gar von der „Droge Arktis“. 

Das zweite Werk, welches in diesem Jahr erscheinen wird und mit Ulrich Schacht verbunden ist, stammt nicht aus seiner Feder. Unter dem bezeichnenden Motto „Wegmarken und Widerworte“ haben über sechzig Autoren – darunter viele Freunde und ihm persönlich Verbundene – Texte zu einem Gedenkbuch beigesteuert, etwa Wolf Biermann, Uwe Kolbe, Sigrid Damm oder Uwe Tellkamp. Die „Evangelische Verlagsanstalt Leipzig“ bringt das Buch im Juni heraus.

Zum Dritten hat die „Edition Rugerup“ für Herbst einen Band mit größtenteils bislang unveröffentlichten Gedichten Schachts angekündigt. Er selbst hatte diese Zusammenstellung vor seinem Tod noch weitgehend zum Abschluss gebracht. Und wie bei der Essay-Sammlung wird sich der von ihm so geschätzte hohe Norden im Titel finden, wieder symbolisiert durch das winterliche Weiß: „Schnee fiel in meinen Schlaf.“ E.L.