24.01.2022

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12.03.21 / Porträt / Ziemlich dunkelrotes Bond-Girl

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 10-21 vom 12. März 2021

Porträt
Ziemlich dunkelrotes Bond-Girl
Harald Tews

Man stelle sich einmal Björn Höcke als Parteivorsitzenden vor. Ein Mann der vom Verfassungsschutz beobachteten, aber mittlerweile aufgelösten Gruppierung „Der Flügel“ als Chef der AfD? Die Medienlandschaft würde sich vor Entrüstung gar nicht mehr einkriegen. Aber mit einer Vorsitzenden der Partei Die Linke, die gleich in zwei vom Verfassungsschutz beobachteten Linke-Gruppierungen Mitglied war, hat niemand ein Problem.

Janine Wissler, die seit Ende Februar zusammen mit Susanne Hennig-Wellsow Parteivorsitzende ist, war opportunistisch genug, um kurz vor ihrer Ernennung zur Parteichefin aus dem trotzkistischen Netzwerk Marx21 und den linksextremen Sozialistischen Linken auszutreten. Ihre extrem ideologische Grundhaltung wird die 39-jährige Hessin aber so schnell nicht ablegen. Wozu auch? Es scheint sich ja keiner daran zu stören.

Die ZDF-Satiresendung „heute show“, bei der die Linken meist gut wegkommen, hat Wissler und Hennig-Wellsow in einer Fotomontage sogar als leichtbekleidete Bond-Girls neben Wladimir Putin geadelt. Den niedlichen Scherz auf die russlandfreundliche Linke fanden die beiden Damen gar nicht lustig. Zu frauenfeindlich. Diese Steilvorlage nahmen sie gerne auf, um Sympathiepunkte zu sammeln.

Obwohl sie weiter links steht als ihre Co-Vorsitzende, tritt Wissler nie mit ideologisch verbohrten Thesen auf. Sie ist eloquenter Gast in Talkshows, und selbst Hessens früherer SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, der mit der Diplom-Politologin per „du“ ist, schätzt „Janines Humor“ und ihre „rhetorische Schärfe“.

Wissler, die sich früher noch mit „ß“ schrieb, aber das „ss“ im digitalen Zeitalter für moderner hält, sitzt als Abgeordnete und als Fraktionsvorsitzende der Linken im Hessischen Landtag. Ihren Aufstieg in der Partei verdankt sie auch dem Elternhaus: Ihre Mutter war DKP-Mitglied. Über ihr Engagement bei den Globalisierungskritikern von Attac und der „Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit“ (WASG), die sie mitbegründet hatte, gelangte sie zu den Linken. Hier wird man sehen, ob sie als Parteichefin ihren Humor behalten wird.