17.01.2022

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19.03.21 / Impfunglücke / Der Lübecker Totentanz war kein Einzelfall

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 11-21 vom 19. März 2021

Impfunglücke
Der Lübecker Totentanz war kein Einzelfall

Zu welch dramatischen negativen Folgen Impfungen führen können, zeigt beispielhaft der sogenannte Lübecker Totentanz des Jahres 1930. Damals kam es bei der Einführung der Tuberkulose-Schutzimpfung bei Neugeborenen nach dem von Albert Calmette und Camille Guérin entwickelten Verfahren zu einer folgenschweren Panne. Im Anschluss an die Impfung von 256 Säuglingen in Lübeck erkrankten 131 der Kinder. Das führte zum Teil zu schweren Folgeschäden, und 77 Erkrankte starben gar. 

Verantwortlich hierfür zeichneten der Leiter des Städtischen Gesundheitsamtes Ernst Altstaedt und der Krankenhausdirektor Georg Deycke. Die beiden hatten es unterlassen, vor Beginn der Impfkampagne im Februar 1930 zu überprüfen, ob der bereits im August des Vorjahres hergestellte Impfstoff aus abgeschwächten Tuberkulose-Erregern in der Zwischenzeit vielleicht mit gefährlicheren Bakterien kontaminiert worden war. Und genau solche Verunreinigungen hatte die nicht ausreichend beaufsichtigte Krankenschwester Anna Schütze versehentlich vorgenommen. Aufgrund ihrer Unachtsamkeit erhielten 

Deycke und Altstaedt Haftstrafen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Ein weiteres Impfdebakel ereignete sich in den 1980er Jahren in Guinea-Bissau. Wie das dänische Research Centre for Vitamins and Vaccines 2017 herausfand, führten die damals in dem westafrikanischen Staat verabreichten Dreifachimpfungen gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf und Keuchhusten zu einer fünf- bis zehnmal höheren Kindersterblichkeit im Vergleich zur Gruppe der Nichtgeimpften.

Später sorgte der Sechsfach-Impfstoff Hexavac für viele schwere Komplikationen, die teilweise zum Tode der Betroffenen führten. Und Pandemrix, das bei der Schweinegrippe-Pandemie von 2009 zum Einsatz kam, löste laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) bei mehr als 1300 Menschen eine Narkolepsie (Schlafkrankheit) aus.W.K.