05.03.2024

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Folge 12-21 vom 26. März 2021 / Brexit-Folgen / Eingeimpfte Handelsinteressen / Die EU und Großbritannien zanken um einen Impfstoff – Ist das ein Vorgeschmack auf einen Handelskrieg?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12/21 vom 26. März 2021

Brexit-Folgen
Eingeimpfte Handelsinteressen
Die EU und Großbritannien zanken um einen Impfstoff – Ist das ein Vorgeschmack auf einen Handelskrieg?
Norman Hanert

Der Streit zwischen der EU-Kommission und dem Impfmittelhersteller AstraZeneca ist in eine weitere Eskalationsstufe eingetreten. Mitte März musste das britisch-schwedische Pharmaunternehmen einräumen, dass es bis zur Jahresmitte nur rund 100 Millionen Dosen seines COVID-19-Impfstoffs an die EU-Staaten liefern kann. Damit fällt die Liefermenge nochmals hinter die ohnehin schon deutlich nach unten korrigierten Lieferpläne zurück. Der Pharmakonzern wollte eigentlich bis zur Jahresmitte 220 Millionen Impfdosen an die EU-Länder ausliefern, ursprünglich waren sogar einmal 300 Millionen Dosen vorgesehen.

Ungeachtet dessen, dass AstraZeneca eine beschleunigte Lieferung ankündigte, drohte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem Unternehmen: „Wir haben die Möglichkeit, einen geplanten Export zu verbieten. Das ist die Botschaft an AstraZeneca: Du erfüllst erst deinen Vertrag gegenüber Europa, bevor du beginnst, in andere Länder zu liefern.“ 

Einige Kommentatoren im englischsprachigen Raum sehen den Streit zwischen der EU-Kommission und AstraZeneca bereits als Teil eines aufflammenden Handelskrieges zwischen der EU und Großbritannien: Der US-Investmentberater Bill Blain äußerte bereits im Zusammenhang mit der vorübergehenden Aussetzung von Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca in Frankreich, Deutschland und Italien die Vermutung, dass dieser Schritt weniger einen medizinischen Hintergrund hat denn einen politischen. Blain wies dabei auf die geopolitische Umorientierung Großbritanniens hin.

Geopolitische Umorientierung

Tatsächlich hat die Regierung unter Boris Johnson ein Strategiedokument mit dem Titel „Global Britain“ erarbeitet, das für die nächsten zehn Jahre eine starke Ausrichtung Großbritanniens auf Asien und den pazifischen Raum vorsieht.

Insgesamt muss die EU-Kommission mit der Neuorientierung zur Kenntnis nehmen, dass Großbritannien nach dem Brexit wieder stärker als eigener Machtfaktor in der Weltpolitik auftreten will. Sicherheitspolitisch wird sich die Insel weiterhin stark an die „Five Eyes“-Allianz mit den USA, Kanada, Australien und Neuseeland anlehnen. Das Kürzel „E3“ (für European three) kann wiederum als Symbol der neuen britischen Europapolitik gesehen werden. Statt der EU-Kommission in Brüssel werden die Regierungen Frankreichs und Deutschlands immer öfter direkte Ansprechpartner der britischen Regierung sein.