17.01.2022

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Folge 12-21 vom 26. März 2021 / Ostpreußischer Erfinder / „Sub Marine Explorer“ / Der Memeler Julius Kroehl und sein zwölf Meter langer Tauchapparat

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 12/21 vom 26. März 2021

Ostpreußischer Erfinder
„Sub Marine Explorer“
Der Memeler Julius Kroehl und sein zwölf Meter langer Tauchapparat
Wolfgang Kaufmann

Vor 20 Jahren entdeckte der US-amerikanische Unterwasserarchäologe James P. Delgado an der Nordküste der unbewohnten Insel San Telmo im Golf von Panama die total verrosteten Überreste eines kleinen U-Bootes von rund zwölf Metern Länge und 30 Tonnen Gewicht. Nach langwierigen Recherchen fand er schließlich heraus, dass es sich um das Wrack der 1869 aufgegebenen „Sub Marine Explorer“ handelte.

Konstrukteur dieses Tauchapparates war Julius Kroehl gewesen. Der hatte 1820 im ostpreußischen Memel das Licht der Welt erblickt und später in Berlin Ingenieurwesen studiert. Danach war er in die USA ausgewandert. Dort eröffnete der Neuankömmling, er ursprünglich Kröhl hieß, eine Werkstatt für Metallverarbeitung. Während des amerikanischen Sezessionskrieges diente der US-Bürger in der Marine der Nordstaaten und ersann in jener Zeit ein U-Boot, das drei Ausstiegsschleusen für Taucher besaß, deren Aufgabe darin bestehen sollte, Sprengladungen an feindlichen Schiffen anzubringen. Allerdings zeigte die Admiralität kein Interesse an dem Projekt von Kroehl. Der Grund für den abschlägigen Bescheid im Jahre 1863 war wohl der Umstand, dass mit der „USS Alligator“ bereits ein ähnliches Fahrzeug existierte. Das sank dann allerdings bald darauf auf dem Weg zu seinem ersten Einsatz.

Vom Militär abgelehnt

Der kurz vor dem finanziellen Ruin stehende Kroehl – er hatte bereits 17.000 US-Dollar für Material ausgegeben – wandte sich nach der Zurückweisung durch das Militär an den Bruder des berühmten New Yorker Juweliers Charles Lewis Tiffany, der mit vier anderen Geschäftsleuten die Pacific Pearl Company gegründet hatte. Diese Gesellschaft wollte die Perlentaucherei im Archipiélago de las Perlas vor der Südküste Panamas revolutionieren und benötigte dafür entsprechende Unterwassertechnik. Also finanzierte William Henry Tiffany den Weiterbau der „Sub Marine Explorer“, die am Ende rund 100.000 Dollar kostete, auf der Werft von Ariel Patterson in Brooklyn.

Zum Zeitpunkt der Fertigstellung des U-Bootes im Jahre 1865 verkörperte dieses den absoluten Höchststand der damaligen Technik: Genau wie die heutigen Vertreter seiner Art konnte es mithilfe von speziellen Tanks sinken und wieder aufsteigen. Die maximale Tauchtiefe der eisernen Zigarre, die bis zu sechs Mann aufnehmen konnte, lag bei 40 Metern, die Tauchzeit bei vier Stunden. Und es besaß die von Kroehl erdachten Schleusen am Boden – nunmehr vorgesehen zur Nutzung durch Perlentaucher.

Erfolgreich im Einsatz für Juwelier

Die erste Vorführung der „Sub Marine Explorer“ erfolgte am 30. Mai 1866 in einem New Yorker Hafenbecken an der North Third Street vor Offizieren, Unternehmern und Journalisten. Das U-Boot glitt um 13.30 Uhr mit Kroehl und drei weiteren Wagemutigen an Bord langsam in die Tiefe und tauchte dann erst 90 Minuten später vor dem jubelnden Publikum wieder auf, wonach die Besatzung stolz einen Eimer Schlamm vom Grund präsentierte. Kurze Tauchgänge waren zuvor zwar auch schon anderen Unterwassergefährten gelungen, aber keines funktionierte nach dem fortschrittlichen Prinzip, das Kroehl verwendete.

Die nunmehr einsatzbereite „Sub Marine Explorer“ wurde im September 1866 in ihre Einzelteile zerlegt, nach Panama gebracht und dort wieder zusammengesetzt. Danach sollte die Perlensuche starten. Von der erhoffte sich Tiffanys Gesellschaft einen Reingewinn von 450.000 Dollar pro Jahr, während Kroehl ein Jahresgehalt von 2500 Dollar winkte. Doch das konnte der Erfinder nicht mehr kassieren.

Caissonkrankheit

Am 22. Juni 1867 begannen die ersten Tauchgänge vor der Insel Flamenco, wobei zeitweise sogar der panamaische Staatspräsident Vicente Olarte Galindo zugegen war. Diese wurden sehr erfolgreich absolviert. Allerdings starb Kroehl bereits am 9. September 1867 in einem Hospital in Panama-Stadt. Als Todesursache wurde damals Malaria angegeben, doch wird vermutet, dass dem gebürtigen Ostpreußen die auch als Dekompressions-, Druckfall- oder Taucherkrankheit bekannte Caissonkrankheit zum Verhängnis wurde. Beim zu schnellen Auftauchen nach längerem Verweilen in der Tiefe, wo Überdruck herrscht, können Gasblasen im Blut entstehen und tödliche Embolien verursachen. Das wusste man seinerzeit aber noch nicht: Die erste medizinische Abhandlung hierüber erschien erst 1869, ohne dass sich die Gefahr anschließend sofort herumgesprochen hätte.

Deshalb war nach Kroehls Tod auch ein neuer Ingenieur bereit, die Tauchfahrten fortzusetzen. Unter dem Kommando von Henry Augustus Dingee stieg die „Sub Marine Explorer“ im Sommer 1869 an elf aufeinander folgenden Tagen zum Meeresgrund bei San Telmo hinab und „erntete“ 12.700 Pfund Perlmutt sowie diverse Perlen im Wert von 2000 Dollar. Danach wurde das U-Boot wegen weiterer Todesfälle durch „Fieber“ aufgegeben und am Strand der panamaischen Insel zurückgelassen, wo Delgado es dann 2001 fand. Der Unterwasserarchäologe erwog eine Bergung und Restaurierung des technischen Denkmals, jedoch würde dieses beim Versuch, es von seinem letzten Ruheplatz wegzuschleppen, sehr wahrscheinlich wegen der bereits äußerst weit fortgeschrittenen Korrosion in zahllose Einzelteile zerbrechen.