18.01.2022

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Folge 13-21 vom 01. April 2021 / Bundeswehr / Es fehlt an Zeit und Geld / Bei der Flugabwehr wurde die Entwicklung hin zum verstärkten Einsatz von Drohnen verschlafen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-21 vom 01. April 2021

Bundeswehr
Es fehlt an Zeit und Geld
Bei der Flugabwehr wurde die Entwicklung hin zum verstärkten Einsatz von Drohnen verschlafen
Peter Entinger

Bedingt abwehrbereit. Besseres lässt sich über den gegenwärtigen Zustand der Flugabwehr der Bundeswehr nicht sagen. 

Der über Jahrzehnte bewährte Flugabwehrkanonenpanzer (FlakPz) Gepard wurde um die Jahrtausendwende ausrangiert. In einem internen Schreiben des Bundesverteidigungsministeriums wird darauf hingewiesen, dass derzeit lediglich das veraltete, qualitativ und quantitativ unzureichende Leichte Flugabwehr System ((LeFlaSys) Ozelot zur Verfügung steht. In der vergangenen Woche hat das Ministerium dem Bundestag ein Konzept vorgelegt, das vorsieht, das Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-System MIM-104 Patriot ab 2023 zu modernisieren. Darüber hinaus sollen bis spätestens 2026 neue Fähigkeiten in der mobilen Flugabwehr aufgebaut werden, um das System Ozelot zu ersetzen. 

Doch die Finanzierung ist noch ungeklärt. Denn nach den Corona-Konjunkturpaketen fehlt das Geld für neue Waffen. 

Dabei sind die Warnungen aus dem Ministerium eindringlich. „Die Beschaffung einer Flugabwehr für den Nahbereich ist zwingend erforderlich und schnellstmöglich anzugehen“, heißt es in dem Konzept. Dieses Vorhaben sei von höchster Priorität. „Die Bundesregierung hat viel zu spät auf die Bedrohung durch Drohnen reagiert und eine ganze Generation von Technologieentwicklungen verschlafen“, erklärte der FDP-Obmann im Verteidigungsausschuss Alexander Müller. 

Die Bundeswehr hatte früher eine hoch spezialisierte Heeresflugabwehrtruppe für die Bekämpfung feindlicher Flugkörper im Nahbereich. Die Aufgaben der 2012 wegen Sparprogrammen und einer veränderten Bedrohungslage außer Dienst gestellten Truppengattung im Heer sollten von der Luftwaffe übernommen werden. 

Die militärische Entwicklung hin zu dem verstärkten Einsatz von Drohnen wurde schlicht verschlafen. „Wir haben in Bergkarabach gesehen, dass mit Drohnen eine andere Art von Krieg geführt wird. Wir sehen, dass Drohnen ein Mittel sind, die asymmetrische Bedrohungen darstellen können, weil sie auch von nicht-staatlichen Gruppierungen, Terrorgruppen genutzt werden“, erklärte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) höchst überrascht und kündigte an: „Deswegen müssen wir unsere gesamte Luftverteidigung noch mal überprüfen.“

Unter dem Strich fehlt es an Zeit und Geld: „Die Bundeswehr steht vor einer doppelten Herausforderung. Sie muss zum einen große Teile des klassischen militärischen Geräts ersetzen, das auf kurz oder lang hoffnungslos veraltet ist: Schützenpanzer, Artillerie und vieles mehr. Zugleich aber muss die Bundeswehr in völlig neue Fähigkeiten investieren, etwa auf den Feldern Cyber, Drohnen und Hyperschallwaffen“, sagt der frühere Bundeswehroffizier und heutige CDU-Fraktionsvize Johann Wadephul.