18.01.2022

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Folge 13-21 vom 01. April 2021 / Schifffahrt / Gefährliche Folgen der Hochstapelei / Immer mehr Container gehen über Bord

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-21 vom 01. April 2021

Schifffahrt
Gefährliche Folgen der Hochstapelei
Immer mehr Container gehen über Bord
Wolfgang Kaufmann

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Konsumgütern aus China seit Mitte vorigen Jahres hat dazu geführt, dass Engpässe beim Transport von Waren auf dem Seeweg entstanden. Dies trieb die Frachtpreise in die Höhe. Jene stiegen mittlerweile bis auf das Zehnfache. 

Preistreibender Mangel herrscht nicht nur an geeigneten Schiffen. Vielmehr fehlen zunehmend auch die genormten ISO-Container, mit denen rund neun Zehntel aller Frachten, die nicht aus Schüttgut bestehen, über die Weltmeere befördert werden. Ein Grund für diesen Containermangel ist, dass die Behälter immer öfter auf See verlorengehen. Verantwortlich hierfür ist die Praxis, die Container ständig höher auf Deck zu stapeln. Zehn Lagen übereinander sind inzwischen vielfach keine Seltenheit mehr. Dadurch wirken extreme Kräfte auf die Schiffe und deren Ladung. So kommt es beim seitlichen Auftreffen von Wellen zum gefährlichen parametrischen Rollen, bei dem sich Container aus ihrer Verankerung reißen und ins Meer stürzen können.

Allein seit November 2020 sind 3000 ISO-Container als verloren gemeldet worden – und die Dunkelziffer liegt wohl noch um einiges höher. Das ist weit mehr als der Durchschnitt der Jahre von 2008 bis 2019, den die Reedereien mit rund 1300 beziffert haben. 

Besonders spektakulär waren zwei Fälle der letzten Monate. Anfang Dezember geriet das japanische Containerschiff „One Apus“ während seiner Fahrt von Yantian in China nach Long Beach an der US-Westküste in einen Sturm. Daraufhin rissen sich 1816 der rund 14.000 geladenen Frachtbehälter los und gingen 1600 Seemeilen nordwestlich von Hawaii über Bord. Fotos vom Oberdeck des Schiffes zeigten danach ein erschreckendes Schadensbild. Und Mitte Januar büßte die unter dänischer Flagge fahrende „Maersk Essen“ während der Passage von Xiamen nach Los Angeles bei rauer See 750 ihrer 13.092 mitgeführten Container ein.

Handel, Umwelt, Sicherheit

Solche Verluste sind nicht nur teuer, weil hierdurch wertvolle Fracht im Meer verschwindet, sondern auch gefährlich. Meist gehen die Container schnell unter, aber manchmal treiben sie noch längere Zeit auf oder kurz unter der Wasseroberfläche. Ein Kühlcontainer schwamm vor einigen Jahren geschlagene elf Monate zwischen Frankreich und England hin und her. Das birgt die Gefahr von Kollisionen von Schiffen mit diesen sogenannten UFOs (Unidentified Floating Objects). Nach Angaben von Versicherern kommt es allein in den Gewässern um Europa drei- bis fünfmal pro Jahr zu derartigen Zusammenstößen. Ebenso befinden sich in den Containern oft umweltschädliche Substanzen, die das Meer vergiften. So enthielten mindestens 64 der Frachtbehälter, welche die „One Apus“ verlor, Gefahrgüter.