18.01.2022

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Folge 13-21 vom 01. April 2021 / Operation Geschäftsfreund / Wie Globke Israels Atomwaffenprogramm förderte / Laut „Times“ unterstützte Adenauers angeblich judenfeindlicher Kanzleramtschef den Judenstaat beim Aufstieg zur Nuklearmacht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-21 vom 01. April 2021

Operation Geschäftsfreund
Wie Globke Israels Atomwaffenprogramm förderte
Laut „Times“ unterstützte Adenauers angeblich judenfeindlicher Kanzleramtschef den Judenstaat beim Aufstieg zur Nuklearmacht
Norman Hanert

Bis heute ist die Existenz von Israels Atomwaffenprogramm ein offenes Geheimnis. Offiziell haben die israelischen Regierungen weder bestätigt noch dementiert, dass der Staat Atommacht ist. Im Jahr 1986 machte allerdings der Nukleartechniker Mordechai Vanunu die Existenz des bis dahin geheim gehaltenen israelischen Atomforschungsprogrammes öffentlich. Der ehemalige Brigadegeneral Yitzhak Yaakov enthüllte in einem Interview im Jahr 2000, dass Israel spätestens im Sechs-Tage-Krieg von 1967 über die Option eines Atomwaffeneinsatzes verfügt hat.

Milliardenschwerer KfW-Kredit

Am 4. März dieses Jahres hat nun die britische „Times“ einen Artikel veröffentlicht, in dem es um die Frühphase der israelischen Atomforschung, die Hilfestellung durch die Bundesrepublik und die wichtige Rolle, die dabei Hans Globke spielte, geht. Globke war von 1953 bis 1963 Konrad Adenauers Kanzleramtschef. Dessen Entscheidung, gerade Globke zu einem seiner engsten Mitarbeiter zu machen, wird bis heute unter Historikern extrem unterschiedlich bewertet. So verzichtet auch der Artikel des Berliner „Times“-Korrespondenten Oliver Moody nicht darauf, Globke als „Hitlers Henchman“, als Handlanger des Diktators zu bezeichnen. Darüber hinaus zeichnet der Artikel das Bild eines Beamten, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik als „Spionagemeister, Diplomat und Königsmacher“ neu inszeniert habe.

Allerdings soll laut dem Artikel Globke eine ganz entscheidende Rolle bei Geheimverhandlungen für einen Kredit gespielt haben, der Israel bei seinem Nuklearprogramm half. Die Gespräche dazu sollen einige Monate vor dem Prozess gegen Adolf Eichmann in Gang gekommen sein, der am 11. April 1961 aufgenommen wurde. Resultat der damaligen Geheimverhandlungen war ein Darlehen im heutigen Wert von 5,5 Milliarden US-Dollar. Offizieller Zweck war ein „Entwicklungsprojekt“, eine atomar betriebene Meerwasserentsalzungsanlage in der Wüste Negev. Letztere ist allerdings nie gebaut worden.

Kernforschungszentrum Negev 

Schon frühere Recherchen, unter anderem der Journalistin und Buchautorin Gaby Weber, haben nahegelegt, dass das Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stattdessen in den Aufbau von Israels Kernforschungszentrum Negev nahe der Stadt Dimona geflossen ist. Schon in den vergangenen Jahren sind in den Medien vereinzelt Informationen zu dieser Finanzierung aufgetaucht, die in Bonn als „Operation Geschäftsfreund“ gelaufen sind.

Die Verwendung des deutschen Darlehens für Israels Nuklearforschung ist offenbar nicht nur mit Kenntnis Adenauers und Globkes erfolgt. Der „Times“-Bericht verweist auf ein Memorandum des Auswärtigen Amtes, in dem es um ein Treffen zwischen dem damaligen Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß und David Ben Gurion ging. In dem Gespräch kam Israels Premierminister auch auf die Entwicklung von Nuklearwaffen zu sprechen: „In dem Gespräch erklärte Ben Gurion, der Kanzler hätte ihm versprochen, dass Deutschland sich an der Entwicklung in der Negev-Wüste beteiligen würde.“

Verquickung mit Eichmann-Prozess

Thematisiert wird in dem Bericht der „Times“ auch der Prozess gegen Adolf Eichmann. Demzufolge soll die deutsche Seite die Verhandlungen zur Nuklearentwicklung während des Prozesses vorübergehend ausgesetzt haben. Zudem verweist Moody darauf, dass Globke durch seine Position als Kanzleramtschef über gute Kontakte zu den Geheimdiensten verfügte. Dieser Einfluss soll genutzt worden sein, um mit Hilfe der CIA seinen Namen aus dem Eichmann-Prozess herauszuhalten.

Bereits in den vergangenen Jahren hat Weber in argentinischen und bundesdeutschen Archiven Hinweise entdeckt, die sie auf eine Dreieckskooperation zwischen der Bundesrepublik, Argentinien und Israel in der Nuklearforschung schließen lässt. Gut belegt ist, dass deutsche Piloten und Entwickler nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend am Aufbau der argentinischen Luftwaffe mitgewirkt haben. Laut den Recherchen von Weber sollen in der Ära des Präsidenten Juan Perón deutsche Kernphysiker in argentinischen Forschungszentren gearbeitet haben.