17.01.2022

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Folge 14-21 vom 09. April 2021 / Wirtschaft / Daimler baut Digital-Campus an der Spree / Autokonzern macht Hauptstadt zum Technologie-Zentrum – Trotzdem gehen viele Arbeitsplätze verloren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-21 vom 09. April 2021

Wirtschaft
Daimler baut Digital-Campus an der Spree
Autokonzern macht Hauptstadt zum Technologie-Zentrum – Trotzdem gehen viele Arbeitsplätze verloren

Ein „Digital-Campus“ soll einen Teil der Arbeitsplätze und die Zukunft des Daimler-Werks in Berlin-Marienfelde sichern. Vergangenes Jahr hatte der Stuttgarter Autobauer einen Investitionsstopp und ein Auslaufen der Motoren- und Getriebeproduktion am Standort Marienfelde verkündet. Die rund 2400 Daimler-Mitarbeiter stehen seitdem vor einer ungewissen Zukunft.

Nun scheint es zumindest für den Standort an sich eine Perspektive zu geben. Wie Daimler im März bekanntgab, haben sich Geschäftsführung und Betriebsrat in Berlin geeinigt, das Werk in Marienfelde zu einer „digitalen Anlauffabrik mit einer Reihe modernster Pilotlinien und Testzellen“ umzubauen.

Mercedes-Produktionschef Jörg Burzer kündigte an, die „Digital Factory Campus“ werde zum Vorreiter für alle 30 Mercedes-Werke weltweit. Vertreter der anderen Mercedes-Fabriken sollen künftig in Berlin auch Schulungen erhalten. „Digital Factory Campus“ werde eine Blaupause dafür, wie Bandarbeiter in der Motorenproduktion zu IT-Facharbeitern umgeschult würden, so Burzer.

Kooperation mit Siemens

Kooperieren will Daimler bei dem Berliner Projekt mit dem Münchner Technologiekonzern Siemens. Beide Unternehmen arbeiten bereits jetzt in anderen Bereichen zusammen. Daimler nutzt beispielsweise Steuerungsprogramme für Maschinen, die von Siemens stammen.

In der Hauptstadt will der Autobauer mit der Hilfe von Siemens neue Produktionsprozesse testen und weiterentwickeln. Ziel ist es nach Angaben beider Konzerne, die Automatisierung in der Daimler-Produktion technologisch auf die nächste Ebene zu hieven.

Für Daimlers Digital-Campus in Berlin soll Siemens unter anderem Lösungen zur Energieeffizienz entwickeln. Siemens soll dem Stuttgarter Konzern offenbar auch dabei helfen, seine Mitarbeiter digital zu schulen. Nach Angaben von Burzer plant Daimler, „die gesamte Belegschaft an weltweit allen Produktionsstandorten“ in den kommenden Jahren „digital durchqualifiziert“ zu haben.

Siemens und Daimler wollen jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag in die Partnerschaft investieren. Das relativ niedrige Investitionsvolumen deutet darauf hin, dass Berlin-Marienfelde nach dem Auslaufen der Motorenproduktion wahrscheinlich kein Produktionsstandort mehr sein wird. Auf eine solche Perspektive hatte allerdings die IG Metall gehofft. Bislang ist offen, wie viele Arbeitsplätze durch die Umwandlung in einen Digital-Campus erhalten bleiben. Ein Daimler-Manager sagte gegenüber dem „Handelsblatt“ immerhin so viel: „Wir werden die Belegschaft deutlich reduzieren.“

400 Millionen Euro investiert

Die 1902 eröffnete Fabrik in Berlin-Marienfelde ist das älteste noch produzierende Daimler-Werk. Deutlich mehr Geld als für das Berliner Werk nimmt Daimler bei seinem Stammsitz in Untertürkheim in die Hand. Anfang März wurde öffentlich, dass der Konzern 400 Millionen Euro investiert, um in seinem Stammwerk in Stuttgart einen „Mercedes-Benz Drive Systems Campus“ aufzubauen. In dem Kompetenzzentrum will Daimler elektrische Antriebe samt Batterietechnologien entwickeln. N.H.