27.01.2022

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Folge 14-21 vom 09. April 2021 / Operation „Zapata“ / Als die USA in Kuba einen „Regime Change“ durchdrücken wollten / Vor 60 Jahren scheiterte die Invasion in der Schweinebucht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-21 vom 09. April 2021

Operation „Zapata“
Als die USA in Kuba einen „Regime Change“ durchdrücken wollten
Vor 60 Jahren scheiterte die Invasion in der Schweinebucht
Wolfgang Kaufmann

Eine der wichtigsten Konstanten der US-Außenpolitik während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Bestreben Washingtons, nicht genehme Regierungen rund um die Welt mittels geheimdienstlicher Aktionen zu destabilisieren oder gar zu stürzen. Und zwar unabhängig davon, ob im Weißen Haus nun Demokraten wie John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson oder Republikaner wie Dwight D. Eisenhower und Ronald W. Reagan saßen. 

Die Blaupause für solche Unternehmungen lieferten die Operationen „Ajax“ vom August 1953 und „PBSUCCESS“ vom Juni 1954. Im ersteren Falle wurde der iranische Premierminister Mohammad Mossadegh aus dem Amt gedrängt, weil er die Bodenschätze seines Landes verstaatlichen wollte. Und im zweiteren Fall traf es den guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Árbenz Guzmán, dessen geplante Landreform bei dem US-Konzern United Fruit Company die Alarmglocken läuten ließ. Beide Male hatte Eisenhower den Auslandsgeheimdienst CIA beauftragt, auf konspirativem Wege zu intervenieren. Und in beiden Fällen fiel das Ergebnis für den Auftraggeber zufriedenstellend aus. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass der Präsident Ähnliches erwog, als die Entwicklung in dem karibischen Inselstaat Kuba, der nur 154 Kilometer südlich der Küste des US-Bundesstaates Florida liegt, den Interessen Washingtons zuwiderzulaufen begann.

Unter der Führung der Comandantes Fidel Alejandro und Raúl Modesto Castro Ruz, Juan Almeida Bosque, Camilo Cienfuegos Gorriarán und Ernesto „Che“ Guevara hatten Rebellenverbände Anfang 1959 die Macht in Kuba erobert und den von den USA tolerierten Diktator Fulgencio Batista y Zaldívar gestürzt. Nachfolgend errichteten sie ein zunehmend kommunistischer anmutendes Regime, das ab dem Sommer 1959 mit der entschädigungslosen Enteignung von US-Vermögenswerten in Höhe von einer Milliarde US-Dollar begann und anschließend auch noch seine Fühler in Richtung Moskau ausstreckte. Damit drohte in unmittelbarer Nähe zu den USA ein Vorposten der Sowjetunion zu entstehen. Darauf reagierte Washington am 2. Januar 1961 mit dem kompletten Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Eisenhower segnete „Zapata“ ab

Zu diesem Zeitpunkt hatte Eisenhower bereits die Operation „Zapata“, also die von der CIA inszenierte Invasion auf Kuba, abgesegnet. Sein diesbezüglicher Entschluss datiert auf den 17. März 1960. Gemäß der Planung sollte der „Brigade 2506“ genannte militärische Arm einer Koalition aus fünf verschiedenen Gruppierungen von Exilkubanern, der sogenannten Revolutionären Demokratischen Front (Frente Revolucionario Democrático, FRD), mit heimlicher Unterstützung der CIA auf Kuba landen und dort die Voraussetzungen für die Ankunft einer aus Miami eingeflogenen Gegenregierung unter José Miró Cardona schaffen. Diese sollte dann Washington und einige US-hörige Mitgliedsländer der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) um Unterstützung bitten, damit US-Marines an der Spitze einer internationalen Interventionsstreitmacht nach Kuba in Marsch gesetzt werden könnten.

Als vermeintlich geeignetsten Ort für die Landung hatte der mit der Vorbereitung der Operation betraute stellvertretende CIA-Planungsdirektor Richard M. Bissell die Schweinebucht (Bahía de Cochinos) an der kubanischen Südküste im Sumpfgebiet der Halbinsel Ciénaga de Zapata auserkoren. Eisenhowers Nachfolger John F. Kennedy erfuhr einen Tag vor seiner Amtseinführung von der bevorstehenden Aktion und gab im März grünes Licht, allerdings unter der Maßgabe, dass US-Bodentruppen erst eingreifen dürften, wenn die Brigade 2506 ein nennenswertes Territorium kontrollierte.

Die Operation „Zapata“ begann am 15. April 1961 mit der Bombardierung von drei kubanischen Flugplätzen durch zweimotorige leichte Bomber vom Typ Douglas B-26 „Invader“ (Eindringling) der USA mit kubanischen Hoheitsabzeichen. Dem folgte zwei Tage später die Anlandung von rund 1500 Angehörigen der Brigade 2506 unter dem Kommando der CIA-Männer Grayston Lynch und William Robertson sowie des Exilkubaners José Alfredo Pérez San Román. Die Invasoren kamen auf insgesamt sechs Schiffen und führten unter anderem leichte Panzer vom Typ M41 „Walker Bulldog“, Artillerie und Raketenwerfer mit. Während des Absetzens der Exilkubaner an den beiden Stränden Playa Girón und Playa Larga entbrannten sofort erste Feuergefechte mit kubanischen Milizen. Fidel Castro alarmierte daraufhin die regulären Streitkräfte, die unter seiner persönlichen Führung in Richtung Schweinebucht vorrückten. Die kubanische Luftwaffe nutzte ihre nach wie vor bestehende Luftüberlegenheit über der Insel, um die Landungs- und Transportschiffe zu attackieren und zwei davon zu versenken. Nachdem die Aggressoren bereits am 15. April fünf B-26-Bomber verloren hatten, gelang den Verteidigern bei den Kämpfen um die Schweinebucht der Abschuss zweier weiterer Maschinen.

Kennedy verzichtete auf Eskalation

Die Gefechte dauerten bis zum Abend des 19. April, dann war die Brigade 2506 vernichtend geschlagen. 118 ihrer Angehörigen starben im Kampf und 1202 gerieten in Gefangenschaft, 360 davon verwundet. Einige der Männer wurden später exekutiert. Castros Militär verzeichnete 176 Tote. Hinzu kam eine unbekannte Anzahl gefallener Milizionäre.

Die Niederlage der Invasionsstreitmacht hatte mehrere Gründe. Zum Ersten besaß sie keinerlei Rückhalt bei der lokalen Bevölkerung. Zum Zweiten waren die kubanischen Streitkräfte zahlenmäßig weit stärker und hochmotiviert. Und zum Dritten lehnte Kennedy nicht nur den Einsatz von US-Bodentruppen, sondern auch eine wirksamere Unterstützung aus der Luft ab.

Die Ereignisse in der Schweinebucht ermutigten revolutionäre Bewegungen in aller Welt, da die Möglichkeiten der USA zur Zerschlagung derselben augenscheinlich begrenzt waren. Das hinderte Washington allerdings nicht daran, später noch in diversen anderen Staaten mit geheimdienstlichen Mitteln zu intervenieren, um einen Regimewechsel herbeizuführen. Dabei konzentrierte sich die auf Kuba so schmählich gescheiterte CIA vor allem auf Lateinamerika, den vermeintlichen Hinterhof der USA. Davon zeugen die späteren Umstürze in der Dominikanischen Republik, Bolivien, Brasilien, Chile, Argentinien, El Salvador und Nicaragua.