24.01.2022

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Folge 14-21 vom 09. April 2021 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-21 vom 09. April 2021

Für Sie gelesen

Spannende Reportage

Der Hamburger Buchautor und Journalist Wolf-Ulrich Cropp hat im Laufe von Jahrzehnten Abenteuerreisen in mehreren Erdteilen und Seereisen auf fernen Weltmeeren unternommen, die er in spannenden Büchern verarbeitet hat. 

In Thailand wollte er eigentlich nur Urlaub machen und die Seele baumeln lassen. Da wenden sich die Eltern eines ehemaligen Freundes an ihn mit der Bitte, abseits von den Touristenhochburgen nach ihrem von der Spur gekommenen Sohn Klaus Ausschau zu halten. Dies wird für Cropp zum Anlass für eine monatelange Reise durch die herrlichen Tropen, die ihn zu den grandiosen Schauplätzen, aber auch zu den Abgründen Thailands führt, an Orte, wo der Drogenhandel und die Prostitution das Leben zahlloser Menschen bestimmen. 

Suche nach dem verlorenen Sohn

In seinem Buch „Eine Tigerfrau. Spurensuche in Thailand und Myanmar“ berichtet der Autor in einer fesselnden Reportage über seine Erkundung des asiatischen Landes von dessen südlichen „Rüssel“ über Bangkok und Pattaya, das „Sodom und Gomorrha Asiens“, bis nach Chiang Mai und Chiang Rai im Norden. Von dort gelangt er über verbotene Dschungelpfade ins Goldene Dreieck, das Grenzgebiet zwischen Thailand, Burma und Vietnam. Der Name wurde zum Inbegriff für das Leid und Elend drogenabhängiger Menschen weltweit, doch seine Bedeutung als Opiumlieferant war durch die Drogenproduktion Afghanistans gesunken. Daraufhin verlegten sich die Akha, Karen und anderen Bergvölker auf die Herstellung synthetischer Drogen.

Seine Spurensuche führt den Autor schließlich zu einem abgelegenen Guest House mit einem atemberaubenden Blick ins Tal auf Terrassenfelder und Regenwald. Zu den bedeutenden Orten und Stätten erfahren die Leser wichtige historische Fakten und Legenden. Lebhaft und dialogreich schildert Cropp seine Begegnungen mit Einheimischen und Fremden, den farang genannten „Weißen“. Unter Letzteren sind nicht wenige in den Diamanten- und Drogenhandel verwickelte Europäer und Amerikaner. Sie führen ein Leben am Rande des Abgrunds. Manche sind mit jungen einheimischen Frauen liiert, die sich aufgrund ihrer Armut prostituieren. Eine von ihnen, Sami, erkennt Cropp am Eingang des Zoos von Bangkok in einer Tigerfrau wieder, wo sie als touristische Attraktion mit einem riesigen Königstiger kuschelt. 

Aus Neugier unterzieht er sich in einem buddhistischen Kloster einem qualvollen Initiationsritual. Hier lässt er sich für einige Wochen als Beobachter nieder und grübelt über die verschlüsselten Weisheitslehren des Abtes nach. Zurück in der Welt, erhält er auf seinem „tausend Meilen weiten Pfad zu sich selbst“ gleich die erste Gelegenheit für einen wichtigen Lernschritt. 

Dagmar Jestrzemski

Wolf-Ulrich Cropp: „Eine Tigerfrau. Spurensuche in Thailand und Myanmar“, Verlag Expeditionen, Hamburg, 2. aktualisierte Neuauflage 2020, broschiert, 415 Seiten, 14,90 Euro