18.01.2022

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Folge 16-21 vom 23. April 2021 / Porträt / Kubas neuer Castro

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-21 vom 23. April 2021

Porträt
Kubas neuer Castro
H. Tews

Kuba und Castro – dieses Begriffspaar gehört der Vergangenheit an. Mit dem Rückzug Raúl Castros von der Staatsmacht ist die 62-jährige Castro-Herrschaft, die 1959 mit dem Revolutionsführer Fidel Castro begann, beendet. Doch mit „Cas­troismus“ ist damit längst nicht Schluss.

Seit 2019 hat Raúl, der den kommunistischen Inselstaat von 2008 an gelenkt hat, mit Miguel Díaz-Canel schrittweise einen Lehrling angeleitet, der das Vermächtnis der Castro-Brüder fortführen soll. Zunächst ab 2019 als Präsident mit noch beschränkten Befugnissen ist er seit dem 19. April, nur einen Tag vor seinem 61. Geburtstag, nun auch als Parteichef der neue „Máximo Líder“.

Mit Díaz-Canel verbinden die Kubaner die Hoffnung, dass er den von Raúl Castro begonnenen, vorsichtigen Reformkurs beschleunigt. Allerdings sind ihm dafür nicht wenige Steine in den Weg gelegt worden. Wegen Corona ist 2020 die Wirtschaftsleistung in dem wegen des US-Handelsembargos ohnehin rückständigen Land um weitere elf Prozent geschrumpft. Eine wichtige Devisenquelle, die Tourismusbranche, liegt völlig brach. Der Mann, der mit einer Tourismusfunktionärin verheiratet ist, wird Jahre brauchen, um die Reiseindustrie wieder in Gang zu bringen. Und die neue US-Regierung macht derzeit keine Anstalten, den von Barack Obama angeregten, aber von Donald Trump abgebrochenen Annäherungsprozess wieder aufzunehmen.

Mit Trump verbindet Díaz-Canel die Twitter-Leidenschaft. Auch sonst gibt er sich gern jung-dynamisch. Von dem studierten Elektronikingenieur und Funker der Revolutionären Streitkräfte geht die Legende, dass er als strammer Provinzfunktionär lange Haare trug, die Rolling Stones hörte und sich für den Erhalt eines von Rockern und Transvestiten frequentierten Nachtclubs einsetzte. In seiner Eigenschaft als Präsident sprach er sich außerdem für ein Verbot der Diskriminierung von Behinderten, Homosexuellen sowie Geschlechtsidentitäten aus.

Brotkrumen fürs Volk, mehr nicht. Den großen Wandel darf man nicht erwarten. Díaz-Canel wird eher den chinesischen Weg gehen: freier Handel nach außen, aber harte Hand nach innen.