22.02.2024

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Folge 16-21 vom 23. April 2021 / Streitschrift / Gegen radikale Gruppierungen / Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad warnt vor einem radikalen Islam in Deutschland und handelt sich damit Kritik aus allen Lagern ein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-21 vom 23. April 2021

Streitschrift
Gegen radikale Gruppierungen
Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad warnt vor einem radikalen Islam in Deutschland und handelt sich damit Kritik aus allen Lagern ein
Dirk Klose

Der in Ägypten als Sohn eines strenggläubigen Imam aufgewachsene, heute als deutscher Staatsbürger in der Bundesrepublik lebende Politikwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel-Samad bekundet in berührender Weise seine Liebe zu Deutschland, warnt aber gleichzeitig vor wachsenden Gefahren angesichts weltanschaulicher und religiöser Polarisierungen. Berührend auch seine Schilderung, wie er sich unter schweren Kämpfen von einer als unfrei empfundenen Religion frei gemacht und sich Werte wie Freiheit und Demokratie zu eigen gemacht hat, auch mit der bedrückenden Folge, dass gegen ihn, als er vor Jahren ein vieldiskutiertes Buch über den „Islamischen Faschismus“ veröffentlicht hatte, eine Fatwa verhängt wurde, was einem Todesurteil gleichkommt. Seitdem lebt er unter ständigem Polizeischutz. 

Wiederholt betont er, dass sich vor allem die gesellschaftliche Mitte Deutschlands immer wieder um einen offenen Dialog bemühen und nicht, wie derzeit, das Trennende, sondern das Verbindende in unserer Gesellschaft sehen und fördern müsse. Deutschland habe so viel in Wirtschaft, Technik und Kultur geleistet, aber ausgerechnet in der Politik sei noch immer eine Untertanenmentalität, Unsicherheit und Angst („German Angst“) spürbar. Ob Wessis oder Ossis – das Land müsse gemeinsam Antworten auf drängende Fragen der Gegenwart finden: „Das braucht einen starken Glauben an Demokratie und Freiheit, eine offene Streitkultur und entschlossenen Kampf gegen alle extremistischen Ideologien.“ 

Unter Letztere zählt er auch gegen Demokratie und Freiheit gerichtete Bestrebungen streng religiöser radikalislamischer Gruppierungen. Die Unterdrückung der Frau und religiöse Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen sei unvereinbar mit europäischen Werten. „Für ein gelungenes Zusammenleben verschiedener Religionen auf deutschem Boden ist eine konsequente Säkularisierung unverzichtbar.“

Der Autor hat das Buch mit „Ein Warnruf“ untertitelt. Eher möchte man sagen, dass es eine fulminante Streitschrift gegen alles Doktrinäre von links und rechts ist, gegen intoleranten Islam und engstirniges Wohlstandsdenken. Keine Frage, dass er sich mit solch vehement formulierten Attacken auch Kritik aus allen Lagern einhandelt. Aber das ficht den Autor nicht an: „Deutsch-Sein bedeutet für mich heute, für Freiheit und Vielfalt einzustehen und gegen jede Form von Bevormundung, Einschüchterung und Extremismus einzutreten .“ Welch freundlicher Ausblick auf das im Moment so verwirrt scheinende Land.

Hamed Abdel-Samad: „Aus Liebe zu Deutschland. Ein Warnruf“, dtv, München 2020, gebunden, 256 Seiten, 20 Euro