18.01.2022

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Folge 17-21 vom 30. April 2021 / Geschichte / Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt / In beiden Supermächten gab es mehr als einen Fehlalarm, der zum Atomkrieg hätte führen können

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-21 vom 30. April 2021

Geschichte
Knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt
In beiden Supermächten gab es mehr als einen Fehlalarm, der zum Atomkrieg hätte führen können

Seit Anbruch des Atomzeitalters stand die Welt mehrmals kurz vor der irrtümlichen Auslösung eines vernichtenden nuklearen Konflikts. So meldete das Frühwarnsystem der USA in Thule auf Grönland am 5. Oktober 1960, dass sowjetische Atomraketen auf das Gebiet der Vereinigten Staaten zuflögen und sich in nurmehr 2500 Meilen Abstand befänden. Tatsächlich hatten die Radargeräte aber den 250.000 Meilen entfernten Mond erfasst. Das wurde noch bemerkt, bevor die US-Raketen die Startbefehle erhielten.

Am 23. Mai 1967 fielen alle US-Radaranlagen in Nordgrönland, Kanada und Schottland gleichzeitig aus. Daraufhin wurde zunächst ein Angriff des Gegners vermutet und zum Gegenschlag angesetzt, der Irrtum jedoch noch rechtzeitig erkannt. Diesmal waren heftige Strahlungsausbrüche auf der Sonne die Ursache.

Der nächste große und beinahe fatale Fehlalarm ereignete sich am 9. November 1979. Damals ertönten in mehreren Kommandozentralen des Pentagons Warnungen vor einem massiven atomaren Angriff der Sowjetunion. Allerdings kamen diese von irrtümlich abgespielten Übungstonbändern.

Und am 3. Juni des Folgejahres signalisierten die Computer der US-Militärs erneut anfliegende sowjetische Atomraketen. Dabei sollte es sich mal um 200 und dann wieder nur um zwei handeln. Das Vorkommnis resultierte aus einem fehlerhaften Mikrochip, der einen Angriff vorgegaukelt hatte.

Auch die Gegenseite erlebte diverse Schrecksekunden. Das erste Mal geschah dies während der Kuba-Krise im Oktober 1962, als sich sowjetische U-Boote fälschlicherweise von der US-Marine bedroht fühlten und ihre nuklearen Torpedos abschießen wollten.

Eine weitere höchst brenzlige Situation trat am 26. September 1983 ein. Damals erhielt Oberstleutnant Stanislaw Petrow von der strategischen Luftraumüberwachung der UdSSR die Nachricht, auf der Malmstrom Air Force Base in Montana seien fünf gegnerische Atomraketen gestartet worden. Allerdings hielt der umsichtige Offizier es für ex-trem unwahrscheinlich, dass die USA mit so wenigen Raketen angreift, und gab daher keinen Großalarm. Am nächsten Morgen stellte sich dann heraus, dass der Überwachungssatellit Kosmos 1382 auf Sonnenreflexe reagiert hatte.

Und am 25. Januar 1995 stand selbst der damalige russische Präsident Boris Jelzin unmittelbar davor, „Vergeltungsschläge“ gegen die Vereinigten Staaten anzuordnen. Grund hierfür war der plötzliche und unerwartete Start einer norwegischen Black-Brant-Forschungsrakete.