14.04.2024

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Folge 17-21 vom 30. April 2021 / Jubiläum / Von Wer-, Wes-, Wem- und Wenwölfen / Schmunzelgedichte vom Galgenberg an der Havel – Vor 150 Jahren wurde Christian Morgenstern geboren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-21 vom 30. April 2021

Jubiläum
Von Wer-, Wes-, Wem- und Wenwölfen
Schmunzelgedichte vom Galgenberg an der Havel – Vor 150 Jahren wurde Christian Morgenstern geboren
H. Tews

Dumm gelaufen! Dieses Fazit gilt für alle Jubilare, die in Pandemiezeiten ihren Jahrestag haben. Das betrifft nun auch den Dichter Christian Morgenstern. In dem ihm gewidmeten Literaturmuseum, das seit sieben Jahren im Aussichts- und Museumsturm der Bismarckhöhe in Werder (Havel) beheimatet ist, dürfte daher wohl auch die für den 6. Mai geplante Eröffnung der Ausstellung „Morgenstern – mein Morgenstern“ ins Wasser fallen. 

Dass dem am 6. Mai 1871 in München geborenen Dichter südwestlich von Berlin im Brandenburgischen ein Museum gewidmet ist, kommt nicht von ungefähr. Denn hier entstand mit den „Galgenliedern“ der Gedichtzyklus, der ihn unsterblich gemacht hat. Nachdem der aus einer Künstlerfamilie stammende Dichter – Vater und  Großvater waren bekannte Kunstmaler – 1894 nach Berlin gezogen war, machte er mit Freunden Ausflüge nach Werder, wo im Restaurant am Galgenberg, dem heutigen Standort der Bismarckhöhe, die Galgenlieder entstanden. 

Diese unter seinen „Galgenbrüdern“ im Restaurant verteilten Lieder waren ursprünglich nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Morgenstern hielt sie für zu trivial und unter seinem Niveau. Da er aber mit seinen zuvor entstandenen mystisch-eklektischen Gedichtbänden gescheitert war, ließ er die „Galgenlieder“ veröffentlichen. Und die Sprachgrotesken fanden reißenden Absatz. Bis heute schmunzelt man über reimende Kuriositäten wie „die Nähe“, die zur „Näherin“ wird, oder wie in diesem „Fall“-Beispiel: „,Der Werwolf‘, – sprach der gute Mann, / ,des Weswolfs‘ – Genitiv sodann, / ,dem Wemwolf‘ – Dativ, wie man’s nennt, / ,den Wenwolf‘ – damit hat’s ein End’.“

Sein lyrisches „Nasobēm“-Tier, das auf der Nase schreitet, bekam ähnlich wie Loriots fiktive Steinlaus sogar eigene Lexikonartikel. Morgensterns Lexikoneinträge enden mit seinem durch ein Lungenleiden verursachten recht frühen Tod am 31. März 1914. Sein Leben umspannte damit die gesamte Friedenszeit des Kaiserreichs.

Morgenstern-Literatur-Museum: www.bismarckhoehe-in-werder.de