17.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 17-21 vom 30. April 2021 / Ostpreußische Museumsstücke / Moderne Jagd / Das Ostpreußische Landesmuseum leistet einen Beitrag zum aktuellen und polarisierenden Thema

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-21 vom 30. April 2021

Ostpreußische Museumsstücke
Moderne Jagd
Das Ostpreußische Landesmuseum leistet einen Beitrag zum aktuellen und polarisierenden Thema
Christoph Hinkelmann

Ostpreußen galt als ein Jagdparadies. Nicht zuletzt deshalb geht das heutige Landesmuseum auf das schon 1958 gegründete „Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde“ zurück.

Wie in jedem „klassischen“ Jagdmuseum gibt es auch in der Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums Wildtiere in beeindruckenden Gemälden, imposante Trophäen, bedeutende Jagdherren oder klassische Jagdwaffen zu sehen. Ein Modul dieser Abteilung fällt aber heraus und ist völlig anders ausgerichtet: Weder Ostpreußen noch die Vergangenheit sind erwähnt, sondern die moderne Jagd heute.

Denn Wissen über die Jagd heute tut Not. Sie polarisiert hierzulande und führt zu erhitzten, vielfach sogar verletzenden Debatten. Für manche ist sie das Einssein mit der Natur und ihre Pflege, eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, Lebensfreude oder auch nur Status; für andere ist sie überflüssig oder in hohem Maß verwerflich, weil sie ohne die Tötung von Mitlebewesen nicht denkbar ist. Jäger gehen ihrem Hobby allein aus der Lust am Töten nach, so ein oft erhobener Vorwurf.

Erfolgreiche Museumsarbeit greift aktuelle Themen auf. Museen vermitteln Informationen, sie klären auf, ohne zu belehren. Jeder soll sich eine Meinung bilden können: Was bedeutet Jagd heute und warum wird sie ausgeübt? Das Modul „Moderne Jagd“ will dem entsprechen.

Wer Jäger werden will, muss sich einer intensiven, in der Regel monatelangen Ausbildung unterziehen, nicht ohne Grund „grünes Abitur“ genannt. Mit dem Erwerb des ersten Jagdscheins übernimmt er oder sie – der Anteil jagender Frauen nimmt stetig zu – Verantwortung für einen wesentlichen Teil unserer Umwelt und die darin lebenden kleinen und großen Mitlebewesen. Jäger pflegen ein Revier und die Tiere und Pflanzen darin – das ist die Hege. Sie greifen aber auch regulierend in die Bestände ein – das ist die Jagd.

Freude an der Natur wird als wichtigstes Motiv zum Erwerb eines Jagdscheins genannt. Gute Kenntnisse über das Geschehen im Revier sind daher für Jäger selbstverständlich. In der Landschaft verraten Spuren und Fährten, welche Tierart sich dort gerade aufgehalten hat. In der Ausstellung kann man spielerisch herausfinden, welche Spur zu welcher Wildart gehört. Mitten in der Ausstellung befindet sich ein Hochsitz. In einem solchen verbringt ein Jäger viele Stunden bei der „Ansitzjagd“, zu jeder Jahreszeit, in der Dämmerung und nachts. Er beobachtet das Geschehen; nur gelegentlich kommt er zum Schuss.

Bei der „Bewegungsjagd“ ist ein Jäger allein oder in der Gruppe unterwegs. Bei Treib- oder Drückjagden gehen Jäger in signalfarbener Kleidung hinaus – heute wird großen Wert auf „knallige“ Farben gelegt. Das Wild kann die Auffälligkeit nicht wahrnehmen, alle Teilnehmer sind gut sichtbar und damit besser geschützt.

Eine dritte Methode ist die „Fallenjagd“. Sie dient der Bestandsbegrenzung von nachtaktiven Beutegreifern und Nagetieren, die großen Schaden anrichten können. Ein Ausstellungsstück im Ostpreußischen Landesmuseum ist eine moderne Lebendfalle. Sie wurde speziell für Waschbär, Mink, Nutria und Bisam, sämtlich Neubürger aus Amerika, entwickelt. 

Viele Fragen rund um die Jagd lassen sich nur schwer beantworten: Ist die Jagd notwendig? Kann man sie tierschutzgerecht ausüben? Darf man Tiere töten? Leidet das Wild unnötig? In einer Medienstation werden die wichtigsten Fragen gestellt und jeweils von einem passionierten Jäger und einer engagierten Jagdgegnerin beantwortet. Die Besucher sollen sich selbst eine Meinung bilden und abstimmen, wer überzeugender war. Die Ausstellung leistet somit einen Beitrag dazu, dass auf sachlicher Ebene über das Für und Wider argumentiert werden kann.

Dr. Christoph Hinkelmann ist Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums mit Deutschbaltischer Abteilung und Brauereimuseum, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, Internet: www.ol-lg.de