18.04.2024

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Folge 17-21 vom 30. April 2021 / Archivgut / Neue Lösung für historisches Erbe / Nordkirche, Kirchenkreis und Historiker erarbeiten Gesamtkonzept für pommersches Archivgut

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-21 vom 30. April 2021

Archivgut
Neue Lösung für historisches Erbe
Nordkirche, Kirchenkreis und Historiker erarbeiten Gesamtkonzept für pommersches Archivgut

Sehr groß war die Sorge der Pommern, das Nordkirchenarchiv sollte aus finanziellen Gründen nach Kiel und Schwerin verlagert werden, die Planungen für Greifswald sollten nicht umgesetzt werden. Der Bischof wurde gebeten, diese Entscheidung zu überdenken (Siehe Pommersche Zeitung Nr. 40 vom 2.10.2020).

Wegweisender Erfolg

Die Pressestelle der Nordkirche berichtet nun: Seit Oktober saßen sie gemeinsam an einem Tisch, nun haben die Nordkirche, der Pommersche Evangelische Kirchenkreis (PEK) und namhafte Historiker für pommersche Landesgeschichte sowie Fachleute für Archivwesen ein Gesamtkonzept für das pommersche Archivgut erarbeitet. 

Zu dem Gespräch eingeladen und dieses moderiert hat Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die Landesbischöfin sagte: „Ich danke allen, die sich mit großem Sachverstand und einer stets zu spürenden tiefen Verbundenheit mit der pommerschen Region und Geschichte für eine einvernehmliche Lösung eingesetzt haben. Wir müssen künftig als Nordkirche mit deutlich weniger Mitteln haushalten. Doch wir haben in den letzten Wochen noch einmal deutlich wahrgenommen, wie wichtig die kirchlichen Archive als historisches Gedächtnis für die Gegenwart unserer Kirche sind.“

Bei dem Gesamtkonzept setze man auf Kooperation mit dem Kirchenkreis, eine hohe Nutzerfreundlichkeit sowie Flexibilität und Kreativität. So sollen sich künftig auch historisch interessierte Ehrenamtliche engagieren können für die kirchengemeindlichen Pfarrarchive.

Ungehobene Schätze

Im Mittelpunkt des erarbeiteten Konzepts steht eine Außenstelle des landeskirchlichen Archivs mit Beständen, die nach historischen und archivarischen Kriterien ausgewählt werden. In einem Lesesaal sollen interessierte Forscher sowie Wissenschaftler diese Akten einsehen können. Ein Archivar erschließt das pommersche landeskirchliche Archivgut und betreut dann die Besucher. 

Diese Fachkraft wird den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis außerdem bei der Betreuung der Pfarrarchive unterstützen. Gibt es doch im Kirchenkreis in vielen Gemeinden Pfarrarchive mit zum Teil jahrhundertealten Kirchenbüchern, Urkunden und Aufzeichnungen wie Bauplänen, Rechnungsbüchern oder Sitzungsprotokollen. „Das ist ein bisher ungehobener Schatz“, so die Landesbischöfin. 

Gewinn für den Kirchenkreis

Der Demminer Propst Gerd Panknin sieht das neue Gesamtkonzept für die pommerschen Archivalien als Gewinn für den Kirchenkreis: „Ich freue mich sehr, dass es nun nach ausführlichen und konstruktiven Gesprächen zu einer tragfähigen Lösung kommen wird. Für den Kirchenkreis und unsere Kirchengemeinden ist es besonders erfreulich, dass die Pfarrarchive mit in den Blick genommen werden und auf diese Weise langfristig bedeutende archivalische Schätze gehoben, bewahrt und nutzbar gemacht werden.“ 

Weiter sagte der Propst: „Ich bin froh und dankbar, dass viele Menschen an einem Strang gezogen und sich engagiert haben, darunter Vertretende der Historischen Kommission für Pommern. Der Dank des Kirchenkreises gilt zudem besonders Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, die den Gesprächsprozess initiiert und eine zukunftsfähige Lösung vorangetrieben hat, sowie Bischof Tilman Jeremias, der sich dabei sehr für unseren Kirchenkreis eingesetzt hat.“

Hohe Anforderung

Bereits im kommenden Herbst soll in Greifswald die Außenstelle öffnen. „Die baulichen Anforderungen für Archivbestände sind hoch“, erläutert die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Annette Göhres. „Es braucht ein bestimmtes Raumklima, einen Schutz vor Schädlingen, eine Sicherung der wertvollen Archivalien, und die Statik muss stimmen.“ 

Archivarin Göhres bedauert, dass es aufgrund der aktuellen Situation nicht möglich sei, kirchliche Räumlichkeiten daraufhin zu begehen. Sie zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass ab Herbst Besucherinnen und Besucher in einer Außenstelle des Landeskirchlichen Archivs in Greifswald beraten und betreut werden können.

Die Projektstelle ist zunächst nur auf zwei Jahre beschränkt. Während dieser Zeit möchte die Nordkirche in verschiedenen Evaluationen herausfinden, welche Angebote für die Außenstelle Greifswald passen.

Die Gesprächsteilnehmer: 

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt; Bischof Tilman Jeremias, Sprengel Mecklenburg und Pommern; Sylvia Giesecke, Mitglied der Kirchenleitung und des Pommerschen Kirchenkreisrats; Dr. Dirk Alvermann, Leiter des Greifswalder Universitätsarchivs; Prof. Dr. Haik Porada, Vorsitzender der Historischen Kommission für Pommern; Dr. Irmfried Garbe, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte; Propst Gerd Panknin, Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis; Matthias Bartels, Leiter des Greifswalder Regionalzentrums kirchlicher Dienste; Dr. Annette Göhres, Leiterin Landeskirchliches Archiv; Julia Brüdegam, stellvertretende Leiterin Landeskirchliches Archiv; Oberkirchenrat Mathias Lenz, Leitung Dezernat Theologie, Archiv und Publizistik, sowie Markus Wiechert, Landeskirchlicher Beauftragter für Mecklenburg-Vorpommern.Quelle:

Pressestelle der Nordkirche