25.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 18-21 vom 07. Mai 2021 / RKI-Kita-Studie / Der Lockdown macht krank, die Lockerungen aber auch / Im Sommer 2020 stieg die Zahl der Atemwegserkrankungen bei Kindern stärker an als im Jahr 2019

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-21 vom 07. Mai 2021

RKI-Kita-Studie
Der Lockdown macht krank, die Lockerungen aber auch
Im Sommer 2020 stieg die Zahl der Atemwegserkrankungen bei Kindern stärker an als im Jahr 2019

Dass der Corona-Pandemie-bedingte Lockdown nicht nur vor der Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus schützt, sondern auch krank macht, haben schon viele Untersuchungen gezeigt. Zuletzt berichtete die Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie Silvia Schneider im Interview mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung über die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise bei Kindern und Jugendlichen. „Wir gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Kinder (von null bis drei Jahren) auf diesen Stress mit negativen Verhaltensänderungen reagiert“, so Schneider und weist auf den wichtigen Aspekt hin, dass die „psychische Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen ... immer im Kontext mit der psychischen Befindlichkeit der Eltern gesehen werden“ muss.

Doch auch die Lockerung der Corona-Regeln nach einem langen Lockdown begünstigt bei vielen Kindern ein schwächelndes Immunsystem. Das konnte im Sommer 2020 in dem Hamburger Kinderkrankenhaus Wilhelmstift beobachtet werden. Nach Öffnung der Schulen wurden im August deutlich mehr Kinder zwischen sechs und neun Jahren mit einer Atemwegserkrankung stationär aufgenommen als im Vorjahr. In anderen Jahren gab es, nach Aussage einer Kinderkrankenschwester, Atemwegserkrankungen auf der Station, aber vorwiegend in den Wintermonaten und nicht in dieser Altersstruktur. Der Verdacht liegt nahe, dass das Immunsystem der Kinder während des Lockdown nicht stark beansprucht wurde und mit der Mehrbelastung durch Viren und Bakterien nach der Schulöffnung überfordert war. 

Diese Vermutung wird durch einen Blick auf die Statistik der Kita-Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) bezüglich der Inzidenz akuter respiratorischer Erkrankungen, die auf Werte der syndromischen Überwachung der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI; influenza.rki.de) zurückgreift, bestärkt. Diese Statistik zeigt nach der Öffnung der Einrichtungen in der Kalenderwoche 32 einen starken Anstieg der Inzidenz akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE). Bei Kindern von null bis fünf Jahren stieg die Inzidenz um über 5000 Fälle pro 100.000 Einwohner. Die steilste Kurve ist bei Kindern von sechs bis zehn Jahren zu erkennen. Hier stieg der Wert innerhalb von drei Wochen von etwa 2500 auf knapp unter 10.000 pro 100.000 Einwohner. Vergleichswerte aus dem Jahr 2019 zeigen ebenfalls einen Anstieg nach den Sommerferien, aber die Kurve der Sechs- bis Zehnjährigen stieg nicht so steil an. 

Während der Kalenderwochen 33 bis 36 gab es relativ konstant in etwas über zehn Prozent der Kitaeinrichtungen mindestens einen Verdachtsfall, allerdings wurde nur höchstens in einem Prozent der Einrichtungen dieser als Sars-CoV-2-Infektionsfall bestätigt. Ein Anstieg der COVID-Fälle begann jedoch schon ab Kalenderwoche 28, also mit Beginn der Sommerferien. Die Kurven laufen somit nicht überein. Das RKI betont dennoch, dass die Ergebnisse es nicht zuließen, „von einem kausalen Zusammenhang zwischen Aufnahme des Regelbetriebes und dem Anstieg der ARE-Inzidenz bei den Null- bis Fünfjährigen zu schließen“.

Der Rat eines Hamburger Kinderarztes lautet: „Gehen Sie mit Ihren Kindern viel nach draußen; Bewegung an der frischen Luft und gesunde Ernährung sind die besten Mittel zur Immunstärkung.“ CRS