26.01.2022

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Folge 18-21 vom 07. Mai 2021 / Tesla / Schwarze Zahlen übertünchen Probleme / Mit Autos verdient Elon Musk immer noch kein Geld – Kritik an Giga-Fabrik bei Berlin nimmt zu

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-21 vom 07. Mai 2021

Tesla
Schwarze Zahlen übertünchen Probleme
Mit Autos verdient Elon Musk immer noch kein Geld – Kritik an Giga-Fabrik bei Berlin nimmt zu
Norman Hanert

Nachdem der E-Autobauer Tesla im ersten Quartal 2020 nur einen zweistelligen Millionen-Gewinn ausweisen konnte, präsentierte das amerikanische Unternehmen in diesem Jahr für das erste Geschäftsquartal immerhin einen Nettogewinn von 438 Millionen US-Dollar.

Trotz des guten Ergebnisses straften Anleger das Unternehmen ab. Und trotz Rekordgewinns verlor der Aktienkurs zunächst einmal zwei Prozent. Für die Reaktion der Investoren lassen sich mehrere Gründe finden: Teslas Gewinn beruht erneut sehr stark auf Nebeneinkünften, die mit dem eigentlichen Kerngeschäft, dem Bau von E-Autos, nicht unbedingt etwas zu tun haben.

Der Autobauer nahm im ersten Quartal allein im Handel mit Abgaszertifikaten 518 Millionen Dollar ein. Mehr als 100 Millionen Dollar brachte zudem ein Kursgewinn der Digitalwährung Bitcoin in die Kasse. Mit den hohen Nebeneinkünfte und guten Verkaufszahlen in China drängt sich die Frage auf, warum bei Tesla unterm Strich nicht noch viel mehr Gewinn übrig geblieben ist. Aus Sicht von Frank Schwope, Analyst bei der Norddeutschen Landesbank, lautet die Antwort: „Im Grunde verdient Tesla mit dem Verkauf von Autos immer noch kein Geld.“

In China zunehmend unter Druck

Verdauen mussten Aktionäre dazu auch noch weitere schlechte Nachrichten aus Teslas eigentlichem Kerngeschäft: Die chinesische „Global Times“, Ableger des kommunistischen Parteiblatts „Renmin Ribao“, prognostizierte dem Autobauer einen scharfen Einbruch der Verkaufszahlen in China. Die Parteizeitung wies dabei auf den Unfall eines Tesla-Fahrzeugs in Zentralchina hin, bei dem die Bremsen des Fahrzeugs versagt haben sollen. 

Außer auf Qualitätsprobleme ging das Blatt auch auf die Öffentlichkeitsarbeit von Tesla in der Volksrepublik ein. Das Unternehmen war bereits durch einen Zwischenfall auf der Shanghaier Automesse im April unter Druck geraten. Eine Chinesin war dabei auf ein Model 3 von Tesla gestiegen und hatte lautstark Bremsversagen beklagt. In der Folge kritisierten andere Kunden weitere Mängel an Tesla-Fahrzeugen. Dass gleich mehrere Staatsmedien „Respekt vor den chinesischen Verbrauchern“ anmahnten, deutet darauf hin, dass die Zeiten für Tesla im Reich der Mitte schwieriger werden. Im Hintergrund könnte dabei eine Rolle spielen, dass inzwischen auch chinesische Firmen wie Nio, XPeng und Geely immer mehr Elektroauto-Modelle auf den Markt bringen und damit zu direkten Konkurrenten von Tesla aufsteigen.

Eröffnung verzögert sich

Damit nicht genug: Fast zeitgleich mit der Meldung eines Quartalsgewinn verdichteten sich Hinweise auf Probleme beim Bau von Teslas vierter Gigafabrik im brandenburgischen Grünheide. Der Zeitplan von Konzernchef Elon Musk sah ursprünglich vor, in dem Werk bereits im kommenden Juli die Produktion anlaufen zu lassen. Wie die „Automobilwoche“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, kalkuliert Musk nun mit einem halben Jahr an zusätzlicher Zeit bis zur Eröffnung. Verantwortlich für die Verzögerung ist das Unternehmen selbst. Tesla will nach Angaben des brandenburgischen Umweltministeriums seinen Genehmigungsantrag nochmals ändern. 

Zweifel an „Job-Maschine“

Statt in einem gesonderten Bauantrag will der Autobauer, dass der bereits eingereichte Antrag auch die Errichtung und den Betrieb einer Anlage zur Batteriezellherstellung umfasst. Das Umweltministerium in Potsdam geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass je nach Umfang der Antragsänderung eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig wird: „Dies beinhaltet eine erneute Bekanntmachung und Auslegung der Unterlagen sowie die Möglichkeit, Einwendungen zu erheben“, so das Ministerium.

Tesla kann sich bei seinem Projekt im Land Brandenburg kaum über ein Übermaß an Bürokratie beklagen. Der Bau des umfangreichen Werkes ist weit fortgeschritten, obwohl eine endgültige Umweltgenehmigung für das Projekt noch gar nicht vorliegt. Möglich ist dies, weil Tesla beim Bau auf vorläufige Zulassungen zurückgreifen kann. 

Bei einer Kontrolle am 25. März hatte die Untere Wasserbehörde des Landkreises allerdings festgestellt, dass auf der Baustelle Untergrundleitungen verlegt wurden, für die nicht einmal eine vorläufige Zulassung vorlag. Laut Berichten des ZDF-Magazins „Frontal 21“ und des Online-Portals „Business Insider“ soll es sich sogar um Abwasserrohre gehandelt haben, die in einem Trinkwasserschutzgebiet ohne Genehmigung verlegt wurden. 

Obendrein erhielt auch Teslas Ruf als „Jobmaschine“ für die Region Berlin-Brandenburg einen Kratzer: Nach den Recherchen von „Business Insider“ und „Frontal 21“ beschäftigt Tesla auf seiner Baustelle in Grünheide Hunderte polnische Bauarbeiter, die in Zwölf- bis 14-Stunden-Schichten für weniger als den deutschen Mindestlohn arbeiten.