17.01.2022

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Folge 19-21 vom 14. Mai 2021 / Gratulation / Ein Leben für Königsberg / Zum 80. Geburtstag des Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr) Klaus Weigelt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-21 vom 14. Mai 2021

Gratulation
Ein Leben für Königsberg
Zum 80. Geburtstag des Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Königsberg (Pr) Klaus Weigelt
Christean Wagner

So sehr mir unsere gemeinsame Vaterstadt am Herzen liegt, würde man Klaus Weigelt doch nicht voll gerecht werden, wenn man die Fülle seiner Lebensleistungen auf seinen vorbildlichen Einsatz für Königsberg beschränkte. Der Jubilar, der am 14. Mai 80 Jahre alt wird, vereinigt in seiner Person eine ungewöhnlich hohe Begabung für historische Sensibilität und Weitblick, für geistige und geistliche Durchdringung von Fragen unserer menschlichen Gesellschaft und Existenz sowie für kulturelle und philosophische Zusammenhänge. 

Klaus Weigelt wurde 1941 in Königsberg als Sohn von Pfarrer Werner Weigelt und Elsa Weigelt, geb. Nicolaus geboren. Er wuchs zunächst am Oberrollberg in Königsberg, dann in Westpreußen, Thüringen, Hannover und Hamburg auf und legte sein Abitur auf dem humanistischen Zweig eines Hamburger Gymnasiums ab. Nach dreijährigem Dienst verließ er die Bundeswehr als Oberleutnant der Reserve und studierte zunächst Evangelische Theologie und Pädagogik in Hamburg und Tübingen, später Nationalökonomie in Freiburg, wo er das Examen zum Diplom-Volkswirt bestand. Sein gesamtes Berufsleben – von 1971 bis 2006 – widmete er der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), in der er leitende Aufgaben in den Bereichen Politische Bildung, Entwicklungszusammenarbeit und Politikberatung wahrnahm. Für die KAS war er Landesbeauftragter in Caracas/Venezuela und Leiter des Europabüros in Brüssel. Daher spricht er auch fließend Spanisch und Französisch. Besonders prägend für die KAS war seine verantwortliche Leitung der Politischen Akademie in Schloss Eichholz/Wesseling, die sich nicht als eine Institution der nachträglichen Begründung operativer Politik, sondern als intellektuelle Avantgarde verstand. Am Ende seines beruflichen Lebens war Klaus Weigelt zuständig für die Repräsentanz der KAS in Budapest, was ihn bewog, mit 61 Jahren noch Ungarisch zu lernen. Eine der vielen Schwerpunkte, die er für die KAS setzte, waren literarische Arbeit und Autorenlesungen mit u. a. Lew Kopelew, Walter Kempowski, Hilde Domin, Christine Brückner, Erich Loest, Heinrich Böll und Arno Surminski, mit dem ihn heute noch eine Freundschaft verbindet.

Sein Leben lang war er beruflich, aber auch in seinen persönlichen Interessengebieten Literatur, Theologie und ostpreußische Geschichte publizistisch tätig, hat zahlreiche Bücher herausgegeben sowie Beiträge für Zeitschriften verfasst. Als letzte Monographien erschienen „Im Schatten Europas. Ostdeutsche Kultur zwischen Duldung und Vergessen“ sowie „Schweigen und Sprache. Literarische Begegnungen mit Ernst Wiechert“. Gemeinsam mit seiner Frau Gerlind, mit der er drei Kinder hat, veröffentlichte er vor zwei Jahren das Buch „Dennoch bleibe ich stets bei Dir. Im Schönen Ruhe finden“ – ein außergewöhnliches eheliches Gemeinschaftswerk voller religiöser und künstlerischer Sinnlichkeit. Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeiten sind u. a. die umfassende Thematik „Heimat und Nation“ sowie die gewachsene und im 20. Jahrhundert durch die Nazis zerstörte jüdische Kultur in Deutschland und Europa. 

In Weigelts Ehrenämtern sticht neben dem stellvertretenden Vorsitz der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft, dem Präsidentenamt der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa und dem Vorsitz der Stiftung Königsberg im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft natürlich der Vorsitz der Stadtgemeinschaft Königsberg hervor. Seit 1983 hat Klaus Weigelt mit einer kurzen Unterbrechung diese verantwortungsvolle Aufgabe inne. Sein mit Kenntnis und beharrlichem Fleiß verfolgtes Ziel ist es, Königsberg nicht nur als Teil deutscher Geschichte wachzuhalten, sondern die Erinnerung an den großen Beitrag Königsbergs zur deutschen Kultur für die Zukunft zu sichern. Bei einem Treffen 1978 im fernen Caracas regte der damalige Bundestagsabgeordnete, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen und gebürtige Königsberger Dr. Ottfried Hennig an, Weigelt möge sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland doch „um die Königsberger kümmern“. 

Klaus Weigelt ist seitdem ein Glücksfall für die Stadtgemeinschaft geworden. Mit Weitsicht und Umsicht führt er unsere Vereinigung. Mit seinem breit angelegten Wissen durchdringt er die Vergangenheit und Gegenwart Königsbergs in ihrer politischen und kulturellen Dimension. Er hat zahlreiche Verbindungen zu den heutigen russischen Verantwortungsträgern in unserer Heimatstadt aufgebaut, seien es die jeweiligen Oberbürgermeister, der langjährige Chef der Kaliningrader Symphonie, der für den Wiederaufbau des Doms zuständige Baumeister, Repräsentanten der heutigen Kant-Universität, zum Deutsch-Russischen Haus, aber auch zum deutschen Generalkonsul in Kaliningrad oder zu den von der Evangelischen Kirche in Deutschland eingesetzten Pröbsten. Kein Wunder, dass Klaus Weigelt sich im heutigen Kaliningrad auskennt, als ob er schon immer dort gelebt hätte. Auch seine hiermit verbundene völkerverständigende Arbeit darf nicht klein geschrieben werden. 

Erwähnt werden muss ebenfalls die zukunftsweisende Entscheidung, das Museum Königsberg, das unter dem aufopferungsvollen Einsatz von Lorenz Grimoni und vielen weiteren ehrenamtlich tätigen Landsleuten zu einem historisch-kulturellen Schwerpunkt herangewachsen war, von Duisburg nach Lüneburg in das dortige Ostpreußische Landesmuseum zu verlagern und seine dauerhafte professionelle Betreuung zu sichern. Wegweisend ist zudem sein Bestreben, jüngere Persönlichkeiten, die nicht mehr in Ostpreußen geboren sind, für die Arbeit in der Stadtgemeinschaft und für die Fortführung des Werkes zu gewinnen. 

Dem treuen und für seine Grundsätze streitbar eintretenden Freund, der mich kenntnisreich mit meiner Geburtsstadt vertraut machte und dem ich unvergessliche Begegnungen mit der Samlandküste und der Kurischen Nehrung zu verdanken habe, wünsche ich weiterhin Festigkeit in seinem christlichen Glauben, Vitalität und über allem Gottes Segen.