16.01.2022

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Folge 19-21 vom 14. Mai 2021 / Der Wochenrückblick / Hosen runter / Warum Franz Kafka beim „Palmer-Prozess“ gern dabei gewesen wäre, und wie die Union zu Hilfe eilt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-21 vom 14. Mai 2021

Der Wochenrückblick
Hosen runter
Warum Franz Kafka beim „Palmer-Prozess“ gern dabei gewesen wäre, und wie die Union zu Hilfe eilt
Hans Heckel

Jeder kennt sie, die Plappermäuler, die sich immer im ungünstigsten Moment selbst um Kopf und Kragen reden. Etwa den alten Bekannten, den man vor einem Knöllchen retten wollte: Gerade hat man der Frau in Blau die Legende unter die Weste gejubelt, dass man hier doch nur ganz kurz gehalten habe und niemals „parken“ wollte – da platzt es aus Freund Plappermaul hervor, dass er hier vor einer Stunde ja auch partout keinen Parkplatz gefunden habe. „Vor einer Stunde? So, so! Aber nur kurz hier gehalten, was? Das wird teuer!“ Es ist zum Mäusemelken.

So was haben wir alle mal erlebt und können daher aufrichtig nachempfinden, wie elend und leer sich grünlinks gefärbte Medienmacher derzeit fühlen müssen. Die Legende von den Grünen als der „neuen bürgerlichen Partei der Mitte“, die für alle wählbar sei, die sich nur mal etwas „Frisches“ wünschen, lief so richtig rund. Die Umfragen schossen höher und höher. Selbst Annalena Baerbocks Dummchen-Stigma („Frau Kobold“ und so) hatten sie den Deutschen erfolgreich aus dem Kopf getextet.

Eigentlich war alles geritzt

Dabei folgten die medialen Grünen-Unterstützer einer simplen Strategie: Sie bläuten den Leuten nur immer und immer wieder ein, wie „kompetent“ Frau Baerbock doch sei, und wie „gut vorbereitet“ sie stets auftrete. Beweisen mussten sie das nicht, denn solche Kampagnen leben allein von der Wiederholung. Irgendwann heißt es einfach: „Aber das sagen doch alle“, und selbst Skeptiker, die sonst überall Flunkerei wittern wie die berufsmäßig misstrauische Frau in Blau, kleben am Leim der Legende. 

Es war also alles geritzt. Doch dann passierte, was passieren musste, und das auch noch ziemlich früh im Wahlkampf: Die Zunge sitzt zu locker, die Maske verrutscht, und alle können sehen, was sie auf keinen Fall bemerken sollten. Jedenfalls nicht vor dem 26. September, dem Tag der Bundestagswahl.

Schuld ist unter anderem Boris Palmer: Mit einer satirischen Flapsigkeit im Netz kitzelt er aus den Grünen den strammlinken, alles andere als „bürgerlich liberalen“ Kern ihrer Ideologie heraus. Um Palmer als „Rassisten“ aus der Partei zu schmeißen, werden die Grünen ihren linksdoktrinären Charakter enthüllen, dem die Luft von Freiheit oder gar von Satire und bissigem Witz als schlimme Bedrohung gilt. Und der angeklagte Unhold will die Sache auch noch ganz groß aufziehen: Statt kleinlaut um Verzeihung zu flehen, freut sich Palmer diebisch auf ein spektakuläres Parteiausschlussverfahren, das nun mitten in den Wahlkampf plumpst.

Wäre Franz Kafka noch am Leben, er säße begeistert auf der Reporterbank bei diesem „Prozess“. Dort könnte er beobachten, wie die eifernden Ankläger in den Worten, Zitaten und satirischen Zuspitzungen des Angeklagten herumpopeln, um das „Rassistische“ herauszulaborieren.

Baerbocks Kompetenz-Kostprobe

Ein entlarvendes Spektakel wird das, und ganz Deutschland schaut dabei zu, wie die kleinkarierten Dogmatiker und wirren Gespensterseher immer tiefer in ihrem ideologischen Morast versinken. Was für eine Schau! Das sorgsam geformte Image von der angeblich „unideologischen Frische“ und „liberalen Offenheit“ der Grünen wird vom Palmer-Verfahren genauso weit weg sein wie ein Erdpol vom anderen.

Da ein Unglück selten allein kommt, musste Kanzlerkandidatin Baerbock ausgerechnet jetzt eine Kostprobe von ihrer gerühmten „Kompetenz“ unters Volk bringen, als sie der SPD die Urheberschaft für die Soziale Marktwirtschaft zuschrieb. Dass die Sozialdemokraten bis zur Kehrtwende 1959 sturmliefen gegen das Konzept von Ludwig Erhard, hatte man Baerbock vergessen zu erzählen.

Baerbock, die „junge Frische“? Unsereins fühlt sich eher an den Werbeslogan für die britische Agenten-Komödie „Johnny English“ mit Rowan Atkinson („Mr. Bean“) erinnert: „Er hat keine Furcht. Er hat keine Angst. Er hat keine Ahnung.“ Das ist das Geheimnis: Gänzlich unbeleckt lässt es sich gut „frisch und unverbraucht“ auftreten, wie Annalena Baerbock ein ums andere Mal beweist.

Aber immerhin ist man hier nicht bei der Union, sondern bei den Grünen. Daher fallen die anderen Führungsleute der armen Baerbock auch nicht in den Rücken, sondern springen ihr solidarisch ins Klo hinterher. Mit Janine Wissler hat die Linkspartei gerade erst eine Steinzeitkommunistin zur Spitzenkandidatin gekürt und damit die dunkelrote Ursuppe dieser Partei wieder für jedermann sichtbar an die Oberfläche blubbern lassen. Genau jetzt lehnt sich Robert Habeck in die Öffentlichkeit mit der Enthüllung, dass man mit der Kommunistentruppe auch ganz gern koalieren würde, was die umworbenen Wähler aus der bürgerlichen Mitte zusätzlich entzückt haben dürfte. Und um den grünen Kurs in den alten roten Modder zusätzlich für alle sichtbar zu machen, wirbt die Grüne Jugend neuerdings mit einem Plakat, das unverkennbar einem Propagandabild aus Stalins Sowjetunion nachgepinselt ist. Alles klar.

Aber was soll das alles? Vielleicht ist es zwanghaft. Die Grünen zeigen da einen Trieb, der an Exhibitionismus grenzt. Immer wenn sie in allzu guter Stimmung sind, lassen sie die Hose runter. In grauer Vor-Euro-Zeit schon überraschten sie die deutschen Wähler kurz vor einer wichtigen Wahl mit der Ankündigung, den Preis für einen Liter Benzin auf fünf Mark hochschrauben zu wollen. Die Wirkung auf Umfragezahlen und das Wahlergebnis war durchschlagend. 

Später überraschten sie die zuvor perfekt eingewickelten Wähler mit dem Vorschlag, vegetarische Ernährung an zumindest einem Tag pro Woche zur Pflicht zu machen. Geboren war der „Veggy Day“, der die grünen Siegesträume prompt zu Staub zermalmte, so begeistert waren die Deutschen. Nun also Palmer-Prozess, Kommunistennähe und stalinistische Plakate – alles überwölbt von einer Spitzenkandidatin, deren Ahnungslosigkeit nur solange rührend wirkt, solange sie nichts in diesem Land zu sagen hat. 

Wie damals werden die grünfreundlichen Medien auch heute wieder viel verkleistern, verschweigen und zurechtdeuten müssen, um den Schaden in Grenzen zu halten.

Die Union lässt die Grünen nicht hängen

Natürlich darf man sie in diesem aufopfernden Kampf nicht allein lassen. Wo bleibe denn sonst die „Gemeinsamkeit der Demokraten“? Aber Hilfe naht: Nachdem Friedrich Merz ein wenig gen CSU gestichelt hatte, keilt Markus Söder giftig zurück, indem er Merz als Mann von Vorgestern und – wirkungsvoller noch – als Fürsprecher einer sinistren Hochfinanz vorführt. Der Streit bei der Union dürfte also weitergehen, und bis zum 26. September wird denen noch einiges einfallen, da sind wir sehr optimistisch.

Vielleicht wirkt das ja: Zerstrittenheit und Ranküne in der Union müssen nur laut, gemein und toxisch genug aussehen, dann könnten die Grünen doch noch eine Chance bekommen, das Land zu führen.