26.01.2022

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Folge 20-21 vom 21. Mai 2021 / Palantir / Der rasante Aufstieg der „sehenden Steine“ / Der Wert des 2003 gegründeten Unternehmens soll bei der Börseneinführung 2020 26 Milliarden US-Dollar betragen haben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-21 vom 21. Mai 2021

Palantir
Der rasante Aufstieg der „sehenden Steine“
Der Wert des 2003 gegründeten Unternehmens soll bei der Börseneinführung 2020 26 Milliarden US-Dollar betragen haben

Die Firma Palantir Technologies, welche die Analyse- und Überwachungssoftware „Gotham“ vertreibt, wurde 2003 von Peter Thiel, Alex Karp, John Lonsdale, Stephen Cohen und Nathan Gettings aus der Taufe gehoben. Mit zwei Millionen US-Dollar sponsorte der US-Auslandsgeheimdienst CIA den Unternehmensstart. Bei der Namensgebung orientierten sich der Deutsch-Amerikaner Thiel und dessen Mitstreiter an der Bezeichnung für die „sehenden Steine“ in John R. Tolkiens populärer Fantasy-Saga „Herr der Ringe“.

Vier der fünf Gründer von Palantir kamen vom Online-Bezahldienst PayPal. Während ihrer Zeit dort sollen sie auf die Idee gekommen sein, die von PayPal zum Aufspüren von Betrügern genutzten Algorithmen zur Bekämpfung von Terroristen und Schwerkriminellen zu nutzen. Inwieweit diese Legende stimmt, ist unbekannt. 

Zu Palantirs Kundenstamm gehörten von Anfang an diverse Behörden und Geheimdienste sowie sämtliche Waffengattungen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Dazu kamen später noch große Unternehmen der Finanz- und Pharmabranche sowie Airbus und Ferrari. 2010 machte Palantir von sich reden, als es mit Hilfe der hauseigenen Software gelang, die beiden chinesischen Cyber-Spionagenetzwerke GhostNet und Shadow Network zu enttarnen, die Angriffe auf 1295 Computer in 103 Ländern verübt hatten.

2014 belief sich das jährliche Auftragsvolumen von Palantir bereits auf eine Milliarde Dollar und der Wert des Unternehmens wurde auf 15 Milliarden geschätzt. Am 30. September 2020 ging Palantir an die Börse. Da sollte der Firmenwert sogar 26 Milliarden Dollar betragen. Diese Wertsteigerung resultierte nicht zuletzt aus dem Umsatzplus von 49 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. 

Woher dieser enorme Zuwachs rührt, ist unklar. Bekannt wurde nur, dass Palantir seine Software „Palantir Foundry“ zu Beginn der Corona-Pandemie verschiedenen europäischen Regierungen zur kostenlosen Nutzung in Gesundheitsämtern und ähnlichen Einrichtungen anbot und Großbritannien wie Griechenland zugriffen. 

Dabei birgt auch das Schwester-Programm von „Gotham“ jede Menge bedenkliches Überwachungspotential. Vor diesem Hintergrund ist es aus datenschutzrechtlicher Sicht zu begrüßen, dass die bundesdeutschen Behörden dankend ablehnten. Zwar wollte das hessische Innenministerium „Palantir Foundry“ zunächst für die Erstellung von Corona-Lagebildern nutzen, machte dann aber einen Rückzieher, als das brisante Thema der Kooperation zwischen Palantir und der CIA wieder aufs Tapet zu geraten drohte.W.K.