18.01.2022

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Folge 20-21 vom 21. Mai 2021 / Dekarbonisierung / Berechtigte Sorgen um die Volkswirtschaft / Acht Zehntel der privatwirtschaftlichen Entscheider fürchten höhere Kosten bei einer Kanzlerin Baerbock

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-21 vom 21. Mai 2021

Dekarbonisierung
Berechtigte Sorgen um die Volkswirtschaft
Acht Zehntel der privatwirtschaftlichen Entscheider fürchten höhere Kosten bei einer Kanzlerin Baerbock
Norman Hanert

Eine im Auftrag der „Wirtschaftswoche“ durchgeführte Umfrage des Berliner Start-up-Unternehmens Civey, das Online-Umfragen für Meinungs- und Marktforschung durchführt, unter Führungskräften der Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes hat ergeben, dass 26,5 Prozent der Befragten Annalena Baerbock als Kanzlerin wählen würden. Die Grünen-Politikerin lag damit deutlich vor Christian Lindner (FDP), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD). 

Civey ermittelte ebenfalls, dass mehr als zwei Drittel der privatwirtschaftlichen Entscheider in Deutschland von einer negativen Entwicklung für die Wirtschaft ausgehen, sollte Baerbock Bundeskanzlerin werden. Fast 80 Prozent der befragten leitenden Angestellten und Unternehmer fürchten höhere Kosten im Bereich des sogenannten Klimaschutzes.

Mit besonders starken Folgen muss die Automobilbranche rechnen. Im Entwurf des Grünen-Wahlprogramms steht die Forderung, bereits ab 2030 keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. Noch auf der Grundlage der alten „Klimaschutzziele“ der Bundesregierung hat das Münchner Ifo-Institut im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie berechnet, welche wirtschaftlichen Folgen das Ende des Verbrennungsmotors für Deutschland hätte. 

Nach Ifo-Angaben hängen hierzulande rund 613.000 Arbeitsplätze am Bau von Benzin- und Dieselautos. Davon könnten mit dem Hochlauf der Elektromobilität laut dem Institut bereits im Jahr 2025 „zwischen 29 Prozent und 36 Prozent zur Disposition“ stehen. Dies würde bis zu 221.000 Beschäftigte betreffen. Zudem fiele in großem Umfang Wertschöpfung weg, insbesondere bei den vielen mittelständischen Zulieferbetrieben. Das Ifo-Institut beziffert den Produktionswert aller direkt vom Verbrenner abhängigen Produkte für das Jahr 2019 immerhin mit 149 Milliarden Euro.

Drastische Auswirkungen einer Regierungsbeteiligung der Grünen muss auch die Luftfahrtbranche fürchten. Beobachter der diesjährigen Hauptversammlung der Lufthansa hatten bereits den Eindruck, dass eine mögliche Regierungsbeteiligung der Grünen insgeheim einen Hauptpunkt der Aktionärsversammlung darstellt. 

Ein Kommentator sprach vom Bemühen des Konzerns, die Grünen vorauseilend zu besänftigen. In der Tat betonte Lufthansa-Chef Carsten Spohr während des virtuellen Aktionärstreffens ganz besonders die Bedeutung des Umweltschutzes für das künftige Geschäft. „Nicht, weil wir müssen. Nicht, weil andere es wollen oder fordern“, so der Lufthansa-Chef. 

Trotz solcher Bekenntnisse könnte es gerade die Lufthansa sein, die eine Regierungsbeteiligung der Grünen besonders schnell und besonders hart zu spüren bekäme. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock kündigte vor Kurzem für den Fall einer Regierungsübernahme ein „Klimaschutzsofortprogramm“ an. Unter anderem will Baerbock Kurzstrecken- und Billigflüge verbieten und generell die Preise im Luftverkehr anheben.